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Hintergrund

"German ki Madam"

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In Pakistan ist Deutsch eine exotische Fremdsprache. Weder Universitäten noch Schulen hatten die Sprache bislang auf dem Lehrplan. Das soll sich jetzt ändern, berichtet die Deutschlehrerin Saira Niazi.

Streiten über Deutsch: Niazi Illu 1

Deutschlehrerin heißt bei uns "German ki Madam". So werde ich auch von meinen Schülern genannt, denn die Lehrerin beim Namen zu nennen ist hier nicht üblich. Dies gilt als Respektlosigkeit, und dem Lehrer gegenüber respektvoll zu sein ist bei uns eine der wichtigsten Tugenden. "Bei uns" heißt: hier in Pakistan. Ich lebe in Lahore, der zweitgrößten Stadt dieses Landes.

In Pakistan Deutsch unterrichten zu können bedeutet für mich, den Kontakt zu meiner "halben Heimat" Deutschland nicht zu verlieren. Ich bin in Deutschland aufgewachsen und erst nach meiner Heirat nach Pakistan gezogen. Seit fast 20 Jahren lebe ich nun hier. Meine Schüler freuen sich immer sehr, wenn ich ihnen im Unterricht hin und wieder kleine Anekdoten aus meinem Leben in Deutschland erzähle. Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn ich ihnen zum Beispiel sage, dass es für deutsche Kinder normal ist, ihre Eltern oder gar Großeltern zu duzen.

Das beste Alter für eine neue Sprache

Deutschunterricht an Schulen hat es hier vor Beginn der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" noch nie gegeben. Dieses Projekt wurde 2008 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und hat das Ziel, ein weltumspannendes Netz von mindestens 1.000 Partnerschulen aufzubauen, die Deutschunterricht anbieten und so das Interesse für Deutschland und seine Gesellschaft wecken. Dadurch hat Deutsch als Fremdsprache in Pakistan einen neuen Stellenwert bekommen.

Streiten über Deutsch: Niazi Illu 2

Bisher habe ich Kurse gegeben für Studenten oder für Ehegatten, die zu ihrem Partner nach Deutschland nachziehen wollten. Das Durchschnittsalter meiner Schüler war dabei etwa 22 Jahre. Das beste Alter, um eine neue Sprache zu erlernen, hatten sie also schon verpasst. Seit ich nun an einer Schule unterrichte, merke ich, wie schnell Kinder Deutsch lernen und sich auch die fremde Aussprache aneignen. Die deutschen Umlaute zu lernen ist immer ein sehr lustiges Unterfangen, besonders das "ü", welches die Pakistaner oft nur als "ui" aussprechen.

Neue Unterrichtsmethoden

In Pakistan ist es nicht sehr üblich, neben Englisch noch eine weitere Fremdsprache zu lernen. Dabei wird Englisch an vielen Schulen gar nicht erst als Fremdsprache unterrichtet, sondern als Unterrichtssprache verwendet. Diese Schulen heißen "English Medium Schools". Einige dieser Schulen, meist besondere Eliteschulen, bieten Französisch als Fremdsprache an. Französisch zu lernen gilt hier, wie in vielen anderen Ländern auch, als modern.

Doch langsam begreifen die Menschen in Pakistan, wie wichtig Fremdsprachen im Zeitalter der Globalisierung sind. Kinder und Eltern haben das Deutschangebot an meiner Schule sehr gut angenommen. Durch neue kommunikative Unterrichtsmethoden macht den Schülern das Lernen der neuen Sprache Spaß, und es ist für sie eine interessante Abwechslung zu den anderen Fächern, die meist noch nach alten Methoden frontal unterrichtet werden. Die positiven Reaktionen der Schüler und Eltern haben dazu geführt, dass jetzt auch weitere Schulen bereit sind, Deutsch als Unterrichtsfach anzubieten.

Zu wenige Deutschlehrer

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Viele Eltern sind stolz darauf, dass ihre Kinder Deutsch lernen. Deutschland genießt in Pakistan einen sehr guten Ruf. Deutsche Werte wie Fleiß, Pünktlichkeit und Qualitätsbewusstsein sind bekannt und werden geschätzt. Die deutsche Sprache hat hier also eine sehr gute Zukunft.

Das Problem in Pakistan besteht darin, dass es uns an Lehrern mangelt. Nicht eine einzige Universität in Pakistan bietet Deutsch oder Germanistik an. Die wenigen Lehrer, die wir haben, sind meist – so wie ich – in Deutschland aufgewachsen oder haben in Deutschland einen Teil ihrer Studienzeit verbracht. Fortbildungen sowohl hierzulande als auch in Deutschland helfen uns sehr und sind weiterhin die einzige Möglichkeit, einen gewissen Standard aufrechtzuerhalten. Im Rahmen der PASCH-Initiative wird jetzt versucht, von den Schulen bereitgestellte Lehrkräfte erst hier im Goethe-Institut und dann in Deutschland so weit auszubilden, dass sie als Deutschlehrer eingesetzt werden können. Dieser Versuch wird sich in der Praxis bewähren müssen.

Ich hoffe, dass es in Pakistan bald mehr Deutschlehrer gibt und damit auch mehr Schüler, die diese Sprache lernen. Ich wünsche mir, dass die jungen Deutsch-Lerner auch Lust darauf bekommen, Deutschland kennenzulernen. Denn dann wird die Sprache zum besten Medium, um einen Einblick in eine andere Kultur zu erhalten und gegenseitige Vorurteile abzubauen.

NICHT LÖSCHEN!! Weißzeile für Projekt Sprache von Welt? Streiten über Deutsch
Saira Niazi (Foto: privat)

Saira Niazi, Jahrgang 1971, unterrichtet Deutsch an einer Schule in Lahore, Pakistan. Mehr zum Projekt "Schulen: Partner der Zukunft" unter pasch-net.de.

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