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Wirtschaft

Geringe Nachfrage nach EZB-Krediten

Die Europäische Zentralbank kommt nicht recht voran bei ihrem Plan, Geld in den Finanzmarkt zu pumpen und die Konjunktur zu beleben. Der umstrittene Ankauf von Staatsanleihen wird so wahrscheinlicher.

Die Zahl war mit Spannung erwartet worden: In der zweiten Vergaberunde für billige Kredite der Notenbank haben 306 Banken aus Euroländern zugegriffen und sich insgesamt fast 130 Milliarden Euro gesichert. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit.

Die Konditionen sind äußerst günstig: der jährliche Zinssatz beträgt nur 0,15 Prozent, die Laufzeit beträgt vier Jahr. Im Gegenzug müssen Banken das Geld zumindest teilweise für Kredite an die Privatwirtschaft verwenden.

Eigentlich wollte die EZB mit diesen Geldspritzen bis zum Jahresende 400 Milliarden Euro in die Finanzwirtschaft pumpen und so die Konjunktur beleben. Doch die Nachfrage der Banken nach den billigen Krediten fiel deutlich geringer aus.

Nur die Hälfte

In einer ersten Finanzierungsrunde hatten sich Banken nur 83 Milliarden Euro geliehen. Insgesamt wurden damit 212,4 Milliarden Euro abgerufen, also nur knapp die Hälfte der angepeilten Summe.

Das geringe Interesse macht es nun wahrscheinlicher, dass die EZB bald Geld druckt, um Staatsanleihen aufzukaufen. Anders wird die Zentralbank ihr erklärtes Ziel kaum erreichen können, ihre Bilanz um eine Billion (1000 Milliarden) Euro auszuweiten. Die Ausweitung kann durch den Ankauf von Wertpapieren oder eine Ausweitung der Kreditvergabe an Banken geschehen.

Die EZB hatte schon um die Jahreswende 2011/12, auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise, rund eine Billion Euro in das Bankensystem gepumpt. Die Institute haben jedoch den Großteil dieses Geldes inzwischen vorzeitig zurückgezahlt - was den Effekt der aktuellen Kreditrunden schmälern dürfte.

Preisverfall in Frankreich

Das Ziel der Europäischen Zentralbank ist es, durch ihre Geldpolitik zur Belebung der europäischen Wirtschaft beizutragen und die geringe Inflation zu bekämpfen. Die wird in diesem Jahr im Euroraum nur bei 0,5 Prozent liegen, während die EZB erst bei einem Wert von knapp zwei Prozent von Preisstabilität spricht.

Aus Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, kam am Donnerstag ein Warnsignal: Hier sind die Preise erstmals seit 1990 gefallen. Zumindest dann, wenn man die sogenannte Kerninflation betrachtet, bei der stark schwankende Warengruppen wie Energie und Lebensmittel nicht berücksichtigt werden.

Höhere Zinsen in Russland

Ganz andere Sorgen hat dagegen die russische Zentralbank: Sie kämpft gegen eine zu hohe Inflation. Die jährliche Teuerungsrate ist im November auf 9,1 Prozent gestiegen.

Die russischen Währungshüter hoben daher am Donnerstag den Leitzins um einen Prozentpunkt auf 10,50 Prozent an. Der Rubel fiel nach der Entscheidung auf ein neues Rekordtief. Ein US-Dollar kostete zwischenzeitlich 55,48 Rubel, so viel wie noch nie.

Offenbar war am Devisenmarkt mit einer stärkeren Zinserhöhung gerechnet worden. Die russische Zentralbank befindet sich hier in einem Dilemma, denn noch höhere Zinsen könnten die Konjunktur in Russland noch weiter bremsen. Schon jetzt leidet die Wirtschaft dort unter den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise, dem sinkenden Ölpreis und dem Verfall des Rubels, der Importe teurer macht.

bea/hb (rtr, dpa, afp)

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