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Wissen & Umwelt

Geringe Erwartungen an Weltklimakonferenz

Eigentlich müssten die CO2-Emissionen dringend weltweit reduziert werden. Doch einen Durchbruch erwartet niemand von Doha. Im Mittelpunkt stehen die Verhandlungen über die Zukunft des Kyoto-Protokolls.

Extreme Hitzeperioden wie in Russland im Sommer 2010 werden zur Regel werden, der Meeresspiegel wird ansteigen, und vor allem in den Tropen werden Entwicklungsländer mit Dürren zu kämpfen haben. All das, so schreiben die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einem kürzlich veröffentlichten Bericht für die Weltbank, all das wird passieren - wenn die internationale Gemeinschaft es nicht schafft, die Treibhausgasemissionen deutlich zu senken.

"Ohne weitergehende Verpflichtungen und Handeln, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, wird sich die Welt um mehr als drei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Temperaturen erwärmen", heißt es in dem Bericht. Treibhausgase gelten als Verursacher der Erwärmung des globalen Klimas. Sie absorbieren von der Erde abgehende Wärmestrahlung, die ohne die Treibhausgase ins All entweichen könnte. Zu den Treibhausgasen gehören neben Kohlenstoffdioxid (CO2) unter anderen auch Methan und Lachgas.

Eigentlich hatte die Staatengemeinschaft auf der Klimakonferenz im mexikanischen Cancún vor zwei Jahren beschlossen, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Eine Erwärmung von maximal zwei Grad wird als gerade noch vereinbar mit dem Ziel gesehen, dem sich die Staaten in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen verpflichtet haben: eine menschengemachte Störung des Klimasystems zu verhindern, die als "gefährlich" definiert wird.

Doha und das Zwei-Grad-Ziel

Sven Harmeling von Germanwatch. (Foto DW/Helle M Jeppesen) 25.01.2012

Zusagen über weitere CO2-Reduktionen erwartet Sven Harmeling nur von wenigen Ländern

Und doch erwartet niemand, dass bei der Klimakonferenz in Doha in Katar vom 26. November bis 7. Dezember 2012 große Versprechen gemacht werden, die Emissionen zu reduzieren. Das liege zum Teil daran, dass viele Länder bereits auf den vergangenen Klimakonferenzen ihre Zusagen zur Reduktion von Treibhausgasen gemacht hätten, meint Sven Harmeling, der bei der Umweltorganisation Germanwatch für internationale Klimapolitik zuständig ist: "Viele Länder haben ihre nationalen Gesetze auf diese Zusagen ausgerichtet und deshalb ist es für sie schwierig zu sagen, dass sie jetzt noch einmal nachsteuern, wenn sie noch gar nicht wissen, ob sie die bisherigen Ziele erreichen."

Neue Zusagen seien wenn überhaupt nur von einigen Entwicklungsländern zu erwarten, meint Harmeling im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Es gibt fast 100 Länder, die noch überhaupt keine Klimaschutzankündigungen gemacht haben in den letzten Jahren, darunter auch große Länder wie die Philippinen, wie Thailand und auch Länder aus der arabischen Region, wie Saudi-Arabien und der Gastgeber, Katar. Es gibt durchaus hoffnungsvolle Signale, dass da ein paar Überraschungen kommen."

Knackpunkt Kyoto-Protokoll

Als entscheidend über Erfolg oder Misserfolg der Klimakonferenz gilt aber vielmehr, ob es gelingt, das Kyoto-Protokoll zu verlängern. In diesem 2005 in Kraft getretenen Vertrag haben sich die Industriestaaten dazu verpflichtet, ihren gemeinsamen Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu senken. Das sollte im Zeitraum von 2008 bis 2012 gelingen.

Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Foto: dpa)

Ottmar Edenhofer ist skeptisch, was die Verlängerung des Kyoto-Protokolls angeht

Ende des Jahres endet damit diese sogenannte erste Verpflichtungsperiode. Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts, glaubt nicht, dass es in Doha gelingen wird, sich auf eine zweite Verpflichtungsperiode zu einigen und das Kyoto-Protokoll zu verlängern. "Ich nehme im Vorfeld die Verhandlungssituation so wahr, dass wir uns in einer diplomatischen Sackgasse befinden", sagte Edenhofer der DW.

Beschlossen, aber doch nicht beschlossen

Dabei ist die Verlängerung im Prinzip bereits beschlossene Sache: Auf dem jüngsten Klimagipfel in Durban im vergangenen Jahr hatten sich die Staaten bereits darauf verständigt. Die Europäische Union möchte deshalb, dass in puncto Verlängerung des Kyoto-Protokolls Nägel mit Köpfen gemacht werden. Man wünsche sich - so hieß es in einer Erklärung des Ministerrats - dass ein Zusatz zum Protokoll beschlossen werde, der eine zweite Verpflichtungsperiode ermögliche und möglichst schnell ratifiziert werden könne.

Allerdings herrscht in einigen wichtigen Punkten noch Uneinigkeit. Dazu gehört die Frage, wie lange dieser zweite Verpflichtungszeitraum unter dem Kyoto-Protokoll dauern soll. Bis zum Jahr 2018? Oder bis 2020?

Uneinigkeit im Detail

Die EU plädiert für einen Verpflichtungszeitraum bis Ende 2020. Spätestens ab dem 1. Januar 2020 soll schließlich ein neues Klima-Abkommen gelten - eins, in dem sich auch die Entwicklungs- und Schwellenländer verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Doch die Vertreter anderer Länder möchten, dass das Kyoto-Protokoll für fünf statt acht Jahre verlängert wird. "Die kleinen Inselstaaten sagen, wir wollen nur eine Fünfjahres-Verpflichtungsperiode", erklärt Sven Harmeling von Germanwatch, "weil wir sonst Angst haben, dass jetzt für acht Jahre extrem unambitionierte Klimaschutzziele festgeschrieben werden."

Die im Bündnis kleiner Inselstaaten (Alliance of Small Island States, AOSIS) zusammengeschlossenen Länder wie zum Beispiel Nauru oder Grenada sind von der globalen Erwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels besonders bedroht.

Mehr Symbolik als Substanz

Sollte die Verlängerung des Kyoto-Protokolls scheitern, wäre das für Umweltpolitiker und -aktivisten ein fatales Signal. Schließlich ist das Kyoto-Protokoll bislang das einzige Abkommen, das rechtlich verbindliche Ziele zur Emissionsreduzierung beinhaltet.

Doch selbst wenn es den Staaten gelänge, das Protokoll zu verlängern, bliebe dies eine eher symbolische Geste. Denn es gilt als wahrscheinlich, dass sich neben der EU nur noch die Schweiz und Norwegen einer zweiten Verpflichtungsperiode unterwerfen würden - Staaten also, die nur für etwa 16 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Die USA, größter CO2-Emittent unter den Industrienationen, haben das Protokoll ohnehin nie ratifiziert.

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