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Aktuell Europa

Gericht: Der "Dschungel von Calais" darf geräumt werden

Calais ist einer der Brennpunkte der Flüchtlingskrise in Europa. Und schon lange wollen die Behörden das Flüchtlingslager am Rande der Hafenstadt räumen. Nun hat die Justiz dem zugestimmt - teilweise.

Der Dschungel: Das Flüchtlingslager bei Calais (Foto: DW)

Sprungbrett nach Großbritannien: Der "Dschungel" bei Calais

Tausende Migranten aus Krisenstaaten wie Syrien, Afghanistan, Eritrea, dem Irak oder dem Sudan sitzen hier auf ihrer Flucht nach Großbritannien fest. Franzosen und Engländern ist das Flüchtlingslager am Ärmelkanal - als "Dschungel von Calais" bekannt - aber ein Dorn im Auge. Nun dürfen die Behörden den südlichen Teil des Baracken- und Zeltlagers räumen. Das Verwaltungsgericht der nordfranzösischen Stadt Lille erklärte ein entsprechendes Dekret für rechtmäßig.

Vergangene Woche hatte die Präfektur des Départements Pas-de-Calais die Räumung des südlichen Teils des "Dschungels" angekündigt und den dort lebenden Flüchtlingen eine Frist gesetzt, um den Lagerabschnitt zu verlassen. Flüchtlinge und Hilfsorganisationen gingen dagegen aber mit einem Eilantrag vor Gericht vor.

"Humanitäre Ziele"

Das Ultimatum der Behörden wurde bis zur Entscheidung des Gerichts unwirksam. Nun aber gab das Verwaltungsgericht der Präfektur recht. Richterin Valérie Quemener schrieb in ihrer Begründung, schlechte hygienische Zustände, Unsicherheit und Gewalt - unter anderem zwischen Flüchtlingen und Polizei sowie zwischen Flüchtlingen und Anwohnern - würden eine Räumung rechtfertigen. Außerdem habe die Präfektur versprochen, auf dem Gelände errichtete Schulen und Gebetsorte nicht abzureißen.

Die Flüchtlinge sollen in Wohncontainern in Calais oder in Aufnahmezentren in anderen Landesteilen untergebracht werden. Hilfsorganisationen kritisieren aber, die Alternativen seien für die Flüchtlinge nicht ausreichend. Viele Flüchtlinge wollen das am Ärmelkanal gelegene Lager zudem nicht verlassen: Sie hoffen, auf Fähren oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve begrüßte das Urteil. Damit werde das Handeln der Regierung in Calais bestärkt, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es sei das "humanitäre Ziel", die Flüchtlinge zu schützen und in Unterkünfte zu bringen.

Vorerst kein Polizeieinsatz

Die Präfektur will derzeit noch keinen großangelegten Polizeieinsatz zur Räumung des südlichen Lagerabschnitts anordnen. "Wir setzen unsere Bemühungen mit den Hilfsgruppen fort, die Flüchtlinge zu überzeugen, zu gehen und sich in Schutz bringen zu lassen", heißt es.

In dem betroffenen Abschnitt leben nach Angaben der Behörden bis zu 1000 Flüchtlinge in selbstgebauten Hütten oder Zelten. Hilfsorganisationen sprechen dagegen von rund 3500 Flüchtlingen. In Calais sammeln sich seit Jahren Menschen, die illegal nach Großbritannien reisen wollen.

rb/pab (afp, ap, dpa, rtr)

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