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Deutschland

Gerhard Schröder - Kanzler mit Machtinstinkt

Seit sieben Jahren ist Gerhard Schröder Bundeskanzler. Auch wenn sein Image angeknackst ist, genießt Schröder weiterhin große Popularität. Was ist das Geheimnis seiner Karriere?

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Neuer Anlauf aus geschwächter Position

Es gibt eine immer wieder gern erzählte Legende um Gerhard Schröder: Vor Jahren soll er als junger SPD-Bundestagsabgeordneter im Scherz am Zaun des Bundeskanzleramts in Bonn gerüttelt und dabei gerufen haben: "Ich will da rein." Auch wenn das lediglich eine nette Erfindung sein sollte. Dass Schröders Weg auch nur in die Nähe politischer Schaltzentralen führen würde, war dem heutigen Bundeskanzler beileibe nicht in die Wiege gelegt.


Gerhard Schröder - Schulfoto - Panorama

Erkannt? Links steht zusammen mit seinen Klassenkameraden der spätere Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Gerhard Schröder. Aufgenommen in den 1950er Jahren.


Er habe eine glückliche, aber "ärmliche Kindheit" gehabt, sagt Schröder über sich selbst. Vermisst habe er vor allem "den Zugang zur Bildung". "Der Zugang dazu muss offen sein und darf nicht von Vaters oder Mutters Geldbeutel abhängen". Geschenkt bekommen hat der junge Schröder wenig. "Geprägt hat mich das Sich-Hochboxen-Müssen."

Vom Bauhilfsarbeiter zum Rechtsanwalt

Seine "glückliche, aber ärmliche Kindheit" verbrachte der 1944 als Sohn eines Hilfsarbeiters geborene Schröder gemeinsam mit fünf Geschwistern. Den im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vater lernte er nicht mehr kennen. Und von einer höheren Schulbildung konnte zunächst keine Rede sein. Eine kaufmännische Lehre und die Tätigkeit als Bauhilfsarbeiter befriedigten seinen Ehrgeiz jedoch nicht. Auf dem zweiten Bildungsweg machte Schröder das Abitur und nahm anschließend ein Jurastudium auf. Als er dann Mitte der 1970er Jahre die Zulassung als Rechtsanwalt erhielt, war er auf der politischen Bühne längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Bildergalerie Gerhard Schröder 8

Der 33-jährige Gerhard Schröder als Juso im Jahr 1978.

Denn da hatte er sich - 1963 in die SPD eingetreten - längst bei den Jusos, der Jugendorganisation der Partei, engagiert. Nach verschiedenen Funktionen auf regionaler Ebene wurde er 1978 Bundesvorsitzender der von ideologischen Auseinandersetzungen geprägten Organisation. Dem damals als ausgewiesenem "Linken" geltenden Schröder wird zugute gehalten, dass sich das Verhältnis der SPD-Jugendorganisation zur Mutterpartei entspannte.

Der "linke Juso" rückt nach rechts

1980 hatte Schröder die Altersgrenze der Jusos erreicht. Er verließ die Jugendorganisation, wurde jedoch noch im selben Jahr Bundestagsabgeordneter. Das blieb er sechs Jahre, während der er sich allerdings ehrgeizige Ziele in Niedersachsen setzte. Dort wollte er Ministerpräsident werden, was ihm im ersten Anlauf 1986 noch misslang. Doch 1990 schaffte er es. Nach der Landtagswahl bildeten SPD und Grüne eine von Schröder geführte Koalitionsregierung. Vier Jahre später errangen die Sozialdemokraten gar die absolute Mehrheit der Landtagssitze.

Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping

Rudolf Scharping, links, und Oskar Lafontaine 1995

Allerdings hatte Schröder - er galt inzwischen als eher rechter Sozialdemokrat - auch als Ministerpräsident keineswegs Abschied von bundespolitischen Ambitionen genommen. 1993 wählten die Mitglieder der SPD einen neuen Bundesvorsitzenden. Schröder trat an und unterlag. Neuer SPD-Chef wurde Rudolf Scharping, der sich - vor allem nach seiner Niederlage als Kanzlerkandidat 1994 - mit zum Teil heftiger Kritik Schröders auseinandersetzen musste - Personalquerelen, die letztlich erst mit dem Sturz Scharpings durch Oskar Lafontaine im November 1995 ein Ende fanden.

Lesen Sie in Teil 2 über Schröders größten Triumph und seine schwerste Niederlage.