Gerhard Richter schenkt Münster ein Foucaultsches Pendel | Kultur | DW | 16.06.2018
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Kunst

Gerhard Richter schenkt Münster ein Foucaultsches Pendel

Deutschlands bekanntester Maler, Bildhauer und Fotograf hat der Stadt ein Kunstwerk für die Dominikanerkirche vermacht. Jetzt stellt Gerhard Richter sein Geschenk der Öffentlichkeit vor.

Das westfälische Münster ist um eine Kulturattraktion reicher: In der 29 Meter hohen Kuppel der barocken Dominikanerkirche hat Richter ein Foucaultsches Pendel realisiert. Es besteht aus einer 35 Kilogramm schweren Messingkugel, die an einem Stahlseil hängt und über einer Natursteinplatte rotiert. Die Platte mit vier Metern Durchmesser ist genau dort angebracht, wo sich bis vor kurzem noch der Altar des ehemaligen Gotteshauses befand. Die Bewegungen des Pendels werden durch vier sechs Meter hohe farbige Glasflächen reflektiert und damit intensiviert.

Er habe das Projekt schon seit Jahren im Kopf gehabt, verriet Richter in Münster. Das Foucaultsche Pendel sei ein "Sieg der Naturwissenschaft". Dass es nun in einer Kirche hänge, sei besonders interessant. Nachdem das Pendel in Bewegung gesetzt wurde, sagte Richter: "Ich fühle große Erleichterung. "Wenn es schiefgegangen wäre, dann wäre das peinlich gewesen."

Richters Foucaultsches Pendel (picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Allein die Metallkugel des Pendels wiegt 35 Kilo

Mit einem Foucaultschen Pendel lässt sich die Erdrotation nachweisen und die mittelalterliche Vorstellung der Erde als nicht rotierende Scheibe widerlegen. Auf die – inzwischen entweihte – Kirche sei er aufmerksam geworden, als er bei der Kunstausstellung Skulptur Projekte in Münster war, hatte Richter bereits im Vorfeld der Präsentation verraten. 

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe äußerte sich begeistert: "Meine Erwartungen sind bei weitem übertroffen." Durch Richters Werk werde der Betrachter mit den großen Fragen der Menschheit, des Lebens und der Welt konfrontiert. Für Lewe ist das Projekt "ein markanter Impuls für Münster als international wahrgenommener Kulturstandort". Seit Sonntag (17.6.2018) ist das Werk mit dem Titel "Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel" in der entweihten Dominikanerkirche für die Öffentlichkeit zugänglich. Richter hatte sich ausdrücklich gewünscht, dass sein Werk nicht in einem Museum hängt.

"Ein markanter Impuls"

Sechs Monate dauerte es, das Kunstwerk fertigzustellen. Es ist ein Geschenk des 86-Jährigen an die Stadt Münster, die die Installation allerdings selbst finanzierte – 650.000 Euro hatte sie dafür eingeplant. Für den Kölner Dom hatte Richter bereits 2006 ein mittlerweile weltbekanntes Kirchenfenster gestaltet: 11.500 Quadrate aus mundgeblasenem Glas in 72 Farben.

Das Pendel in Münster ist nun das zweite Werk Richters in einem sakralen Raum. Der aus der evangelischen Kirche ausgetretene Künstler, der in Dresden geboren wurde und in Köln lebt, gilt als Atheist mit Hang zum Katholizismus. In verschiedenen Rankings wird Richter als der einflussreichste lebende Künstler der Welt geführt. Seine Bilder erzielen auf dem Kunstmarkt Spitzenpreise.

Gerhard Richter in Münster (picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Die Dominikanerkirche in Münster

 nf/suc/pj (dpa, Stadt Münster)

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