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Deutschland

Gerhard Isa Moldenhauer: ein Deutscher für Allah

Nach den vereitelten Terroranschlägen sind zum Islam übergetretene Deutsche in die Kritik geraten. Diese neigten zur Radikalisierung, glauben konservative Politiker. Konvertit Gerhard Isa Moldenhauer straft sie Lügen.

Minarett und Kirchturm in Mannheim

Vom Protestantismus zum Islam ist es manchmal nur ein kurzer Weg

Gerhard Isa Moldenhauer hat sich nicht verändert - zumindest äußerlich nicht. Der 58-Jährige hat einen kurz geschnittenen Bart, der mit grauen Strähnen durchzogen ist. Zur Jeans trägt er ein kariertes Hemd. In seinem Inneren ist aber vieles anders geworden, seitdem er seiner Familie offenbarte, den islamischen Glauben für sich angenommen zu haben. Das war 1981. Damals war Gerhard Moldenhauer 33 Jahre alt. Er lebte wie heute auch noch in Westernkappeln, einem kleinen Ort in der Nähe von Osnabrück. Seitdem ist er auch offiziell ein Muslim, denn er ist übergetreten, konvertiert.

Seine Frau war erschüttert, sie befürchtete, künftig Kopftuch tragen und drei Schritte hinter ihrem Mann gehen zu müssen: "Es stand auch eine Scheidung ins Haus", sagt Frau Moldenhauer. Doch als die Familie bemerkte, dass die Veränderung gar nicht so groß war, wie zunächst befürchtet, hätten sich die Gemüter auch wieder beruhigt.

Der Koran als großer Antwortgeber

Gerhard Isa Moldenhauer

Gerhard Isa Moldenhauer

Der Offenbarung war ein langer innerer Zwist vorausgegangen. Aufgewachsen in einem protestantischen Elternhaus, stellten sich dem jungen Gerhard nach der Konfirmation viele religiöse Fragen. Er studierte die Bibel von vorne bis hinten. Doch dort erhielt er keine Antworten, die ihn zufrieden stellen konnten, zum Beispiel auf die Frage der Erbsünde: "In der Bibel wird geschrieben, dass die Kinder die Lasten ihrer Väter und Vorväter zu tragen und deren Schuld auf sich zu nehmen haben", zeigt sich Moldenhauer heute noch entsetzt.

Per Zufall fand er dann in einem Buchladen eine deutschsprachige Ausgabe des Koran: "Dort steht das ganz anders geschrieben: Jeder Mensch wird frei von Sünde geboren." Erst durch sein Leben könne ein Mensch zum Sünder werden. Mit diesem islamischen Umgang mit dem Thema Schuld konnte sich Gerhard Moldenhauer viel eher anfreunden. Sein Entschluss zu konvertieren stand fest. In vielen Diskussionen und Gesprächen musste er seiner Familie seine Religion erklären. Zwar konnte er so weder seine Frau noch seine Kinder bekehren; diese praktizieren nach wie vor keine Religion. Doch sie tolerieren einander.

Mekka, Moldenhauer kommt!

Der Konvertit Moldenhauer hat sich den Beinamen Isa gegeben - auf deutsch: Jesus. Zuhause ist es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass er in seinem Arbeitszimmer immer zum Beten auf einem Teppich niederkniet. Auch sein ehemaliger Arbeitgeber, die Deutsche Bahn AG, bereitete dem Konvertiten keine Probleme.

Zwar sind Moscheebesuche für Moldenhauer eine eher seltene Angelegenheit. Doch nach Mekka wird er noch kommen - so Gott will, sagt er. Und das obwohl Moldenhauer weiß, dass seine Diabetes-Erkrankung ihn mehr und mehr von größeren Unternehmungen abhält. Aber auch ohne Mekka-Erfahrung legt er Wert darauf, ein guter Muslim zu sein: "'Man muss ein offenes Herz haben. Man muss ehrlich sein, zu sich selbst und auch nach außen. Das ist alles. Und man muss ein starkes Gottvertrauen haben. In jeder Situation."

Kein Verständnis für Gewalt

In seiner Freizeit arbeitet der pensionierte Beamte beim Zentralinstitut Islam-Archiv. Dort hat er auch Zahlen gefunden, die über die Übertritte der Deutschen zum Islam Aufschluss geben. Und die sind seit dem 11. September 2001 gestiegen. Gerhard Isa Moldenhauer begründet das mit einer Trotzreaktion, ausgelöst durch den öffentlichen Druck, der seither auf den Muslimen lastet, und mit einer gewissen Neugier, die durch den islamisch motivierten Terror geweckt wurde. Kein Verständnis hat der gläubige Moslem für die Gewalt, die im Namen Gottes verübt wird. Das habe etwas mit Missgunst und Machtmissbrauch zu tun, sagt er.

"Es steht im Koran geschrieben, dass, wenn du einen Menschen tötest, es genau so ist, als wenn du die ganze Menschheit getötet hättest. Und rettest du einen Menschen, ist das so, als wenn du die ganze Menschheit gerettet hättest", sagt Moldenhauer. "Jeder Verbrecher, der ein Verbrechen begeht, steht außerhalb der Religionsgemeinschaft. Wir, die Anständigen, die Normalbürger, sind halt die Leidtragenden von solchen Exzessen."

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