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Politik

Gerangel um Gleichberechtigung

Schwule und lesbische Paare können seit Montag (17.5.) im US - Bundesstaat Massachusetts ganz legal heiraten. Ein Novum in der Geschichte der USA.

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Es war wohl ein historischer Moment für Lesben und Schwule in Amerika, als kurz vor Mitternacht das Standesamt in der liberalen Universitätsstadt Cambridge geöffnet wurde um Hunderten von wartenden Paaren die Hochzeitsformulare auszugeben. Viele von ihnen hatten mehr als 24 Stunden bei kühlem und regnerischem Wetter vor dem Rathaus gewartet, um endlich ihren Traum zu verwirklichen, legale Ehepartner zu werden.

Der Versuch von Gegnern der gleichgeschlechtlichen Ehen, mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Obersten Gerichtshof der USA die Eheschließungen zu stoppen, war am Freitag (14.5.04) gescheitert. In einer Erklärung von Erzbischof Sean P. O' Malley heißt es, mit tiefer Trauer werde die Schaffung von homosexuellen Ehen zur Kenntnis genommen. Die katholische Kirche halte an ihrem Standpunkt fest, dass die Ehe das einzigartige Band zwischen Mann und Frau sei.

Zeitlich begrenztes Urteil

Der Oberste Gerichtshof von Massachusetts hatte in einem Aufsehen erregenden Urteil im November letzten Jahres mit vier zu drei Stimmen entschieden, dass die Verweigerung der staatlichen Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren diskriminierend ist und gegen die Verfassung des Bundesstaates verstößt. Das Parlament wurde angewiesen, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Zulassung der Ehen ab dem 17. Mai zu schaffen.

Im März stimmte das Parlament zwar für eine Verfassungsänderung gegen Eheschließungen von Partnern gleichen Geschlechts. Diese tritt aber frühestens in zwei Jahren in Kraft. Politiker in ganz Amerika arbeiten an Verfassungsänderungen, um die Ehe klar als Verbindung zwischen Mann und Frau zu definieren. Unter ihnen auch Präsident George W. Bush. Es lässt sich vermuten, dass Bush mit seinem klaren Nein zur Homo-Ehe, konservative Wählerstimmen mobilisieren will. Aber auch sein Herausforderer John Kerry, der aus Massachusetts stammt, lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab, will aber diesen Paaren in Zukunft mehr Rechte einräumen.

Vorläufer San Francisco

Im Februar 2004 hatte der Bürgermeister von San Francisco auf eigene Faust 3400 homosexuelle Paare trauen lassen. Mit einer schlichten Neuformulierung der Heiratsurkunden legalisierte Gavin Newsom die gleichgeschlechtliche Ehe in seiner Stadt. Gouverneur Schwarzenegger pochte auf Recht und Ordnung. Der Oberste Gerichtshof von Kalifornien

verbot die Praxis umgehend im März.

Um einen Hochzeitstourismus zu verhindern, beruft sich der Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney - selbst Gegner von gleichgeschlechtlichen Ehen, auf ein Gesetz von 1913, wonach nur Einwohnern des Bundesstaates Eheschließungen erlaubt sind.

Seit Tagen berichten die US-Medien über schwule und lesbische Paare, die sich so schnell wie möglich das Ja-Wort geben wollen. Viele haben Angst, dass dieser Zustand, ähnlich wie in Kalifornien, schnell wieder vorbei sein könnte. Angesichts der großen und bekannten Gegnerschaft wäre das nicht verwunderlich.