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Asien

Gerüchte und Sündenböcke

Mindestens 190 Menschen starben bei dem Anschlag auf der Ferieninsel Bali. Viele Indonesier glauben nicht an einen islamistischen Hintergrund des Terrors. In dem Inselreich kursieren Verschwörungstheorien.

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Indonesien trauert um die Opfer des Terrors - die Suche nach den Tätern hat erst begonnen

"Es ist eine entsetzliche Tat. Es ist ein Schlag gegen die Menschlichkeit. Ich befürchte allerdings, es handelt sich um eine Verschwörung des Auslands." Diese Äußerung eines Kioskbetreibers in Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist keine Einzelmeinung. Eine Woche nach dem Terroranschlag von Bali (12. Oktober 2002) können sich viele in dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt immer noch nicht vorstellen, dass eine einheimische Gruppe zu solchen Taten fähig wäre.

Terror ist ein Tabu

Die indonesische Regierung hat bisher immer versucht, öffentliche Diskussionen über das Thema Terrorismus zu vermeiden - aus Angst, die Unterstützung muslimischer Wähler zu verlieren. Hinweise aus dem Ausland auf terroristische Verbindungen radikal-islamistischer Gruppen wies sie stets als "Einmischung in die innnere Angelegenheit" zurück oder bezeichnete sie sogar als Angriff auf die Souveränität des Landes.

Die Islamisten nutzten in den vergangenen Jahren diese Haltung der Regierung aus und verbreiteten ungestört ihre Propaganda gegen Amerika und "den Westen". Seit einiger Zeit wächst dadurch die antiamerikanische Stimmung im Land.

Deshalb ist es keine Wunder, dass nach dem Bombenanschlag in Bali viele Indonesier die Tat zwar als abscheulich und unmenschlich verurteilen, aber gleichzeitig glauben, dass nicht eine radikal-islamistische Gruppe hinter dem Anschlag steckt, sondern möglicherweise sogar der amerikanische Geheimdienst.

"Amerikanische Provokation"

Diese These wird vor allem von Abu Bakar Baasyir verbreitet. Nach Geheimdienstinformationen ist er einer der Anführer der Jemaah Islamiah – einer Gruppe, die in Verbindung zur El Kaida, dem Terrornetzwerk von Osma bin Laden, stehen soll. Jemaah Islamiah steht im Verdacht, den Bombenanschlag auf Bali verübt zu haben. Baasyir hat dies dementiert und weist den Amerikanern die Schuld zu: "Wir rufen alle Muslime auf, sich gegen die amerikanische Provokation zu vereinen."

Die indonesische Regierung will jetzt härter gegen radikale Gruppen vorgehen. Die Polizei hat dem radikalen Prediger Abu Bakar Baasyir bereits eine Vorladung geschickt. Er selbst geht davon aus, dass man ihn bald verhaften wird – "wegen des Drucks aus dem Ausland", wie er sagt. Es wird schon mit Massenprotesten von Anhängern islamistischer Gruppen gerechnet. Ein Schüler von Baasyir sagte öffentlich, er sei bereit für seinen "Meister" zu sterben. Notfalls als Selbstmordattentäter.

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