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Politik

Gephardt gibt auf

Bei nur elf Prozent landete der frühere Fraktionschef im Repräsentantenhaus, der von den Gewerkschaften unterstützte Richard Gephardt. Er kündigte anschließend den Rückzug seiner Kandidatur an.

Der mit 62 Jahren älteste Kandidat warf noch am Abend (19.1.2004) das Handtuch und erklärte, er werde den Sieger des demokratischen Vorwahlmarathons "auf jede mögliche Weise unterstützen".

Dabei wollte Gephardt große Reformen im amerikanischen Gesundheitssystem durchboxen. "Unmoralisch" sei es, dass nicht jeder Amerikaner krankenversichert sei. Nachdem Richard A. Gephardts Sohn nur aufgrund einer umfangreichen Versicherungspolice die medizinische Behandlung bezahlt bekam, die ihn vor dem Krebstod bewahrte, hält es der Demokrat aus dem mittleren Westen für seine Aufgabe, das Gesundheitssystem nachhaltig auszubauen.

Als seinen Gegenpol hat er sich George W. Bushs Steuersenkungen ausgesucht. Die Reformen der vergangenen drei Jahre sollen rückgängig gemacht werden, um 97 Prozent der Amerikaner eine ausreichende medizinische Versorgung zu sichern. Ein Plan, der besonders bei einfachen Arbeitern gut ankommt. Ohnehin zählen Gewerkschaften und der "kleine Mann" zur Klientel Gephardts: Ähnlich wie sein Mitbewerber John Edwards kann er als Sohn eines Milchwagenfahrers immer wieder mit seiner Lebensgeschichte punkten.

Zugleich bringt Gephardt eine umfangreiche politische Erfahrung mit. 27 Jahre hat er im US-Repräsentantenhaus verbracht, davon 14 als Fraktionsvorsitzender. Schon seit seiner ersten Wahl zum Abgeordneten gilt die Präsidentschaft als sein Lebenstraum. Die lange Erfahrung bringt ihm jedoch nicht nur Lob. Nicht wenige halten ihn für verbraucht. Er seit zu sehr Teil des "Washingtoner Systems" geworden.

Interessante persönliche Interessen kann er indes kaum aufbieten, gibt Politik, Familie und Kochen als Hobbies an. Sein Auftreten erscheint oft etwas langweilig und ein wenig streberhaft. Ein Bild, das eher an den Ex-Präsidentschaftskandidaten Al Gore erinnert. Dessen Schicksal ist bekannt.