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Wirtschaft

Georgien will Touristen mit Nostalgie locken

Kleine Häuser mit roten Dächern, gepflasterte Straßen auf denen Kutschen fahren und die Einheimischen in Trachten: Mit dem Flair des 19. Jahrhunderts möchte Georgien mehr westliche Touristen ins Land holen.

Ein großes, noch nicht feriges Hotel steht auf einem Berg zwischen grünen Bäumen. Quelle: AP

Landesweit werden große Luxushotels gebaut

Eine kurvenreiche Straße führt hoch nach Signachi. Angekommen eröffnet sich eine unglaubliche Aussicht auf die zerklüfteten, zum Teil schneebedeckten Gebirgszüge am Horizont. Sie vermittelt das Gefühl, ganz Georgien überblicken zu können. Hier, mitten in der Weinregion Kachetien, zwei Autostunden von der georgischen Hauptstadt entfernt, soll ein Tourismus-Zentrum entstehen.

Der Tourismus ist schon immer eine der wichtigsten Wirtschaftsquellen der Kaukasusrepublik gewesen. Mit einer ursprünglichen Landschaft und dem mediterranem Klima lockte Georgien schon zu Sowjetzeiten viele russische Touristen an. Das kleine Land am Schwarzen Meer – gerade einmal so groß wie Bayern – verfügt über 2000 Heilquellen und hunderte von Kurorten. Die politischen Turbulenzen Anfang der 1990er-Jahre und der darauf folgende Bürgerkrieg haben den Tourismus lahm gelegt. Nun versucht Präsident Saakaschwili sein Land für westliche Touristen attraktiver zu machen.

Touristische Neuerungen bringen auch den Einwohnern Fortschritt

Ein Blick auf die kleine Stadt, die an einem Hang liegt, dahinter sind weite Ebenen zu sehen.

Pittoreskes Städtchen im Weingebiet Kachetien: Signachi

"Die Touristen sollen hier die Nostalgie des 19. Jahrhunderts spüren", beschreibt Beka Jakeli vom Tourismus-Department des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung, seine Vision für Signachi. Die ganze Stadt werde dem alten Stil entsprechend umgebaut. Die Straßen würden mit kleinen runden Steinen gepflastert und für Autos gesperrt werden, damit sich hier Pferde und Kutschen bewegen könnten, die Einwohner würden zeitgemäße Trachten tragen.

Ende Oktober soll Signachi mit seinen 8000 Einwohnern für Touristen eröffnet werden. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Alle Häuser sollen rote Ziegeldächer erhalten, Mauerwerke werden erneuert, Holzbalkone angebaut und bunt gestrichen. Die Einwohner sind begeistert. Der 70-jährige Surab beobachtet jeden Tag die Baustelle. "Früher kam man hier nicht durch. Die Straßen waren so schlecht." Jetzt werde alles neu gemacht, auch die Häuser der Einwohner würden renoviert. "Heute haben wir alles - Licht, Wasser, Gas und Telefon rund um die Uhr. Vor zwei Jahren konnten wir davon nur träumen."

Persönliches Interesse des Präsidenten

Dem alten Mann entgeht nichts in der Stadt. Besonders aufregend werde es, wenn Präsident Saakaschwili zu Besuch kommt und das tue er regelmäßig. "Einmal pro Woche landet sein Hubschrauber", berichtet Surab. Er gehe durch die Straßen und schaue sich die Fortschritte persönlich an. Er lasse sich hier seine Residenz errichten.

Gut für den Arbeitsmarkt

An Arbeitskräften mangelt es in Signachi nicht. Jeder findet hier eine Beschäftigung. Besonders gefragt sind qualifizierte Bauarbeiter. Einer von ihnen ist der 33-jährige Bakhar. "An dieser Stelle bauen wir eine riesige Markthalle", sagt er. In zwei Wochen müsse sie fertig sein, die Zeit sei knapp: "Wir müssen vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang arbeiten."

Bakhar atmet tief durch und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Seit zwei Jahren ist er in Signachi beschäftigt. Die Arbeit ist hart, wird aber gut bezahlt. Im Monat sind es 150 Euro. Davon kann Bakhar seine Frau und seine zwei Kinder ernähren. Das Durchschnittseinkommen liegt bei etwa 60 Euro im Monat, ein Rentner bekommt etwa 20 Euro. Leben kann man davon nicht. Umso mehr sind die Georgier auf westliche Besucher angewiesen. Diese sollen Geld und Wohlstand ins Land bringen.

Investoren aus dem Ausland erwünscht und gesucht

Zahlreiche weiße und rote Häuser die in einer grünen Landschaft gebaut werden. Quelle: AP

Georgien, mit seiner ursprünglichen Landschaft, baut fleißig für die Touristen

Die georgische Regierung geht im kommenden Jahr von mindestens zwei Millionen Touristen aus. "Landesweit werden Luxushotels gebaut. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden - Radisson, Intercontinental, Kempinski, Hyatt – diese und viele andere Hotelketten haben Georgien bereits als Standort entdeckt", berichtet Jakeli stolz. Die Regierung tue alles, um das Niveau der Dienstleistungen anzuheben. "Das Hotelpersonal soll in der Lage sein, Wünsche und Erwartungen der Gäste zu erfüllen." Trainings mit renommierten Tourismusfachleuten aus der Türkei, Frankreich und Griechenland fänden statt.

Viele Touristen an einem Strand an der georgischen Schwarzmeerküste. Quelle: AP

Georgien hat mit der Schwarzmeerküste und einem mediterranen Klima viel zu bieten.

Jakelis Hauptziel ist es, Georgien für westliche Touristen attraktiver zu machen, denn nur die Schönheit des Landes und seine günstige geographische Lage – an der Grenze zwischen Europa und Asien – reichen nicht aus. Millionen Euro werden in die Tourismus-Branche investiert. Einen Teil der Mittel stelle der Staat zur Verfügung. Die meisten Investitionen kämen jedoch von Privatfirmen, sagt der Parlamentarier Giorgi Arveladze. "Georgien ist ein kleines Land. Momentan haben wir nicht sehr viele internationale Investoren." Aber man bemühe sich um weitere. Einige zögerten, da sie Vorurteile gegenüber dem alten Georgien hätten. Doch Arveladze ist überzeugt: "Je mehr Menschen Georgien kennen lernen, desto mehr werden ins Land kommen und investieren."

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