George Harrison - ″der stille Beatle″ | Musik | DW | 25.02.2018
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Musik

George Harrison - "der stille Beatle"

Er machte die Beatles mit Gurus bekannt und sorgte für indische Klänge in den Songs. Spiritualität war ihm sein Leben lang wichtiger als materielle Dinge. Jetzt wäre der Gitarrist George Harrison 75 geworden.

Er grübelte gern, galt als introvertiert und stand während seiner Zeit bei den Beatles immer im Schatten der Alphatiere John Lennon und Paul McCartney. Zu Unrecht, denn George Harrison schaffte es mit seiner ganz speziellen Slide-Gitarren-Technik nicht nur auf Platz elf der 100 besten Gitarristen aller Zeiten, wie das Musikmagazin "Rolling Stone" befand, er war auch ein musikalischer Wegbereiter: Sein wahres Erbe, so der Kurator des Gronauer rock'n'popmuseums, Thomas Mania, sei "die Verbindung ritueller indischer Musik mit weltlicher westlicher Popmusik im Sinne einer globalen Musik ohne ethnische oder religiöse Grenzen."

Von den Quarrymen zum Hinduismus
George Harrison erblickte am 25. Februar 1943 das Licht der Welt. Schon als kleiner Junge im Liverpool der Nachkriegsära hatte er eine Leidenschaft: Gitarrenmusik. Als sein Schulfreund Paul McCartney  ihn 1958 zu den Beatles, die damals noch "The Quarrymen" hießen, holte, war er mit 14 der Jüngste im Bunde. Nur vier Jahre später eroberte die Band erst Hamburg, 1964 dann New York.

1965 veränderte eine Begegnung mit dem indischen Musiker Ravi Shankar Harrisons Leben. Der Sitar-Virtuose zeigte ihm, wie das damals in Europa weitgehend unbekannte Instrument gehandhabt wird. Harrison setzte es bei mehreren Beatles-Liedern ein, darunter "Norwegian Wood" oder "Within You Without You" und trat damit eine Lawine des Psychedelic Rock los, der sich auch zahlreiche andere Bands anschlossen. 

Auf Harrisons Initiative hin ließen sich die Beatles bei dem indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi in Meditation unterweisen. Die Beatles kamen nicht allein: Ein Tross von 800 Journalisten aus aller Welt folgte ihnen und erlebte Musiker, die in kunterbunten Gewändern durch Klostergärten hopsten und sich gegenseitig mit Farbe beschmierten. Die meisten Songs ihres Doppelalbums "The Beatles", wegen seines schlichten Covers auch als "The White Album" bekannt, wurden von diesen Erfahrungen inspiriert.

Hare Krishna

Für seine Bandkollegen blieb der Ausflug nach Indien eine Episode, doch George Harrison konvertierte zum Hinduismus. Zwar wandte er sich bald von seinem Guru ab, weil der angeblich enthaltsame Mönch offenbar mit mehreren jungen Frauen sexuelle Beziehungen unterhielt und außerdem fleißig Geld von seinen Anhängern scheffelte, doch dafür entdeckte er die Hare-Krishna-Bewegung für sich. Er schenkte ihr 1973 sogar ein großes Landgut bei London; das "Bhaktivedanta Manor" wurde zu einem der größten Krishna-Tempel der westlichen Welt.

 John Lennon, Paul McCartney, Maharishi Mahesh Yogi, George Harrison , Mia Farrow, und Donovan. (Getty Images)

Die Beatles, Sängerkollge Donovan und Schauspielerin Mia Farrow beim Gruppenbild mit Guru

Nach der Trennung der Beatles war Harrison zunächst der erfolgreichste der vier ehemaligen Pilzköpfe. Sein Soloalbum "All Things Must Pass" und die ausgekoppelte Single "My Sweet Lord" stürmten 1970 weltweit die Charts, 1972 folgte "Living in the Material World", das seine religiösen und philosophischen Ansichten widerspiegelt. Geld war George Harrison nie wichtig. Bereits in jungen Jahren hätten die Beatles zwar viele materielle Dinge besessen, für die andere Menschen ein ganzes Leben bräuchten, wird Harrison in dem nach seiner Platte benannten gleichnamigen Buch und Film später zitiert, aber ihnen habe etwas gefehlt: "etwas, was Religion den Menschen geben möchte". 

"Nichts davon bin wirklich ich"

Harrisons Karriere war ein ständiges Auf und Ab. Nicht selten beschwerte er sich darüber, dass sein Publikum von ihm oft nur Beatles-Lieder hören wolle, doch er ging weiter seinen eigenen Weg. So organisierte er ein Wohltätigkeitskonzert für Bangladesch und bildete von 1988 bis 1990 zusammen mit Bob Dylan, Jeff Lynne, Tom Petty und Roy Orbison die Supergroup "Traveling Wilburys". Nebenher engagierte er sich auch als Filmproduzent: Ohne sein finanzielle Unterstützung wäre der Monty-Python Klassiker "Das Leben des Brian" nie in die Kinos gekommen. 

THE CONCERT FOR BANGLADESH: George Harrison und Bob Dylan 1972 auf der Bühne(picture-alliance/Everett Collection)

George Harrison und Bob Dylan beim "Konzert für Bangladesch"

Und doch sagte er später einmal: "Ich spiele ein bisschen Gitarre, schreibe Lieder, mache ein paar Filme, aber nichts davon bin wirklich ich." Bedeutung hatte für ihn in seinen letzten Lebensjahren nur noch die das spirituelle Leben. Harrison starb am 29. November 2001 mit 58 Jahren in Los Angeles an Lungenkrebs. 

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