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Bairisch

Georg Ringsgwandl: der singende Oberarzt

"Du kannst schlau sein oder promoviert, das nützt nichts, wenn man doch nicht kapiert, dass hinten schon wer rumhantiert", deshalb der Tipp von Mundart-Entertainer Georg Ringsgwandl: "Hühnerarsch sei wachsam".

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Georg Ringsgwandl, der schrille Entertainer aus Partenkirchen lässt kein Auge trocken und niemanden kalt. Er haut seinem Publikum den Wahnsinn und die Ironie des Lebens um die Ohren. Ringsgwandl scheut keine Schimpfwörter, ist doppeldeutig, scharfzüngig und zwischendurch romantisch.

11Der Kabarettist und Musiker Georg Ringsgwandl spielt am Samstag (05.04... Caption:

In zornigem Bairisch erzählt er Geschichten von Verlierern, vom Abschied, von seinem Schwager, von der Liebe und vom Sterben. Er hasst alles Verlogene. Erbarmungslos geht er mit dem "Gartennazi" ins Gericht, der seinen Rasen mit der Gartenschere schneidet und seine Nachbarn schikaniert.

1993 entschloss sich der Oberarzt aus Reichenhall, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und zur Gitarre zu greifen. Seine Lieder dichtet er gerne in der Küche. "Es sind einfach Geschichten über das, was wir kennen. Kein großes Maul, keine Verkündigung. Es reicht, wenn man sich dafür nicht schämen muss."

Eva Mehl von DW.DE hat Georg Ringsgwandl im Münchner Lustspielhaus getroffen und mit ihm über sein Verhältnis zu Bayern und zur bairischen Mundart gesprochen.

Warum geben Sie Ihre Konzerte auf Bairisch?
Ringsgwandl: Wenn ich reines Bühnenhochdeutsch sprechen wollte, müsste ich ganz langsam und konzentriert sprechen. Auf Bairisch, wie heute Abend, ist es ein assoziatives Gedankenspiel. Die Sprache habe ich im Bauch. Mein Gehirn hat als Betriebssystem Bairisch. Ich denke Bairisch, ich träume Bairisch.

Der Kabarettist und Musiker Georg Ringsgwandl spielt am Samstag (05.04... Caption:

Wenn ich Hochdeutsch sprechen soll, dann muss ich das bereits übersetzen als wäre es Englisch. Ich denke, dass der Dialekt eine sehr wichtige Angelegenheit ist. Man kann sich nicht vorstellen, dass Bob Marley seine Musik auf Oxford-Englisch gemacht hätte, das ist doch schlichtweg unmöglich.



Eignet sich bairische Mundart überhaupt für die Musik?
Ringsgwandl: Das Bairische hat den enorm großen Vorteil, dass es eine schlampige, abgegriffene Sprache ist, wie alle Slangs und Dialekte, die einem im Alltag einfach sehr gut von der Zunge gehen. Deswegen ist das Bairische für die Musik, für R & B oder für die Popmusik viel besser geeignet als das Hochdeutsche. Bairisch hat auch keine komplizierten Endungen. Wenn ich zum Beispiel "ich antwortete" auf einen Rock 'n' Roll-Text dichten sollte, hätte ich wirklich große Schwierigkeiten.

Gibt es Ausdrücke, die sich nicht ins Hochdeutsche übersetzen lassen?
Ringsgwandl: In dem Raum südöstlich von München sagt man keiert. Sie haben keine Chance, das ins Hochdeutsche zu übersetzten. Keiert bedeutet, wenn sich jemand besonders peinlich, unangenehm aufführt. So sehr, dass einem die Strümpfe nach oben rutschen, es einem wirklich die Nägel aufzieht, das nennt man keiert bei uns. Für diese bestimmte Art von peinlichem Gehabe gibt es im Hochdeutschen keine Entsprechung.

Tragen sie manchmal Lederhosen?
Ringsgwandl: Die Tracht ist Teil der bayerischen Kultur. Genauso wie die Texaner ihren Cowboyhut tragen, tragen die Bayern das Dirndl und die Lederhosen. Ich freue mich, dass es Leute gibt, die die Tradition bewahren und das Brauchtum pflegen. Ich selbst komme nicht aus dem Bauerntum, sondern aus einer "Kleinhäusler-Familie". Die Tracht war aber früher ein Privileg der bäuerlich geprägten wohlhabenden Schicht, weil sie teuer war.

Hinzu kommt, dass ich eine Figur habe, die für die Tracht absolut ungeeignet ist. Ich habe derartig dünne Steckerl und Haxn und so eine magere Figur – wenn ich die Tracht anziehe, dann ist das Blasphemie. Da lacht sich doch jeder einen Ast, wenn ich die Tracht anziehe.

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