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Bücher

Georg Forster: Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee 1772-1775

Georg Forster (Porträt: ullstein-bild, Montage: Philip Kleine / Peter Steinmetz)

"Montags früh, am 13. Juli, segelten wir in Begleitung der »Adventure« von Plymouth ab. Ich sandte einen Abschiedsblick auf Englands fruchtbare Hügel zurück und ließ dem Gefühl freien Lauf, bis endlich die Heiterkeit des schönen Morgens und die Neuheit unserer Fahrt durch die glatte See Oberhand gewannen und die trüben Gedanken zerstreuten."

Der Autor

Johann Reinhold Forster (1729-1798) und sein Sohn Georg (1754-1794) während der zweiten Weltumsegelung von James Cook (Foto: ullstein-bild)

Georg Forster und sein Vater Johann Reinhold Forster

Geboren am 27. November 1754 in Nassenhuben
Gestorben am 11.Januar 1794 in Paris

Das Leben von Georg Forster war kurz, aber ungeheuer reich an Abenteuern und Erfahrungen, wie es nur wenigen Menschen im 18. Jahrhundert vergönnt war. Seine Texte und Reiseberichte werden bis heute gerühmt, aber kaum gelesen, obwohl er zu den Klassikern der deutschen Literatur zählt.

Georg Forster wird als Sohn des evangelischen Pastors und Naturforschers Johann Reinhold Forster in der Nähe von Danzig geboren. Schon als 10-Jähriger begleitet er den Vater auf eine Reise nach Russland – sein erster Ausflug in die Fremde. Mit wachsendem Interesse sieht er den Erwachsenen beim Kartographieren zu und lernt nebenbei fließend russisch. Mit 13 gibt er sein erstes Buch heraus: eine Übersetzung von Lomossows Werk "Kurze russische Geschichte". Die Fachwelt staunt über den frühreifen Knaben. Als sein Vater von der britischen Admiralität das Angebot bekommt, Captain James Cook auf seiner nächsten Weltumsegelung zu begleiten, sagt er unter der Bedingung zu, dass sein Sohn mit an Bord kommt. Am 13. Juli 1772 stechen sie in See. Drei Jahre sind sie auf den Weltmeeren unterwegs. Vater Forster notiert alles, was er erlebt, für seine botanischen Forschungen, der Sohn hält seine Erlebnisse für ein interessiertes Lesepublikum in der "Reise um die Welt" (1778/80) fest.

William Hodges: Cooks Landung auf den Neuen Hebriden, 1774 (Foto: picture-alliance / AKG)

Aufenthalt auf Mallikolo und Entdeckung der Neuen Hebriden: "Eine Menge von Insulanern kamen mit Bogen, Pfeilen und Wurfspießen bewaffnet an den Strand, um uns anzugaffen."

Das Buch macht den jungen Autor mit einem Schlag berühmt und bringt ihm wissenschaftliche Ehrungen aus ganz Europa ein. 1778 kehrt Forster nach Deutschland zurück und tritt mit seinen 23 Jahren eine Professorenstelle an, erst in Kassel, dann in Wilna (heute: Vilnius). Und er wird Mitglied in der Freimaurerloge "Zum gekrönten Löwen" und gleich noch im örtlichen Rosenkreuzerzirkel. In den nächsten Jahren kommt er in Kontakt mit den wichtigsten Vertretern der Aufklärung in Deutschland: Lessing, Lichtenberg, Herder und Goethe, was seine eigenen Schriften sehr beeinflusst hat.

Als im Oktober 1792 die französische Revolutionsarmee die Stadt Mainz und die Rheinlande besetzen, gehört Georg Forster zu den ersten, die den Jakobinerclub "Freunde der Freiheit und Gleichheit" ins Leben rufen. Er betreibt aktiv die Gründung der Republik Mainz und wird Vizepräsident der provisorischen Verwaltung. Als Abgeordneter des Nationalkonvents, des ersten demokratischen Parlaments in Deutschland, wird er nach Paris entsandt. In einer Rede vor dem französischen Nationalkonvent tritt er leidenschaftlich für den Anschluss von Mainz an Frankreich ein. Daraufhin verhängt der Kaiser die Reichsacht über den "Verräter": Forster darf nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Völlig mittellos bleibt er – wie Heinrich Heine – als Flüchtling in Paris, das unter den politischen Nachwehen der Französischen Revolution zu leiden hat. "Die Revolution ist ein Orkan. Wer kann ihn hemmen", schreibt er einem Freund. Er wird Deutschland nicht wieder sehen. Im Januar 1794 stirbt er in seiner ungeheizten, schäbigen Dachwohnung an Lungenentzündung – mit nur 40 Jahren.

Captain James Cook in der Südsee: Die Landung auf Erramanga, 1774 (Foto: picture-alliance / imagestate/HIP)

Aufenthalt zu Tanna und Abreise von den Neuen Hebriden: "Nun kamen aus allen Gegenden der Insel eine Menge von Menschen an den Strand herab, so daß es überall von ihnen wimmelte, deren keiner unbewaffnet war."

Der Text

Seine "Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee" hat Georg Forster mit dem Blick des politisch aufmerksamen Ethnologen geschrieben. Er warnte in seinen Schriften vor der bis dahin üblichen Idealisierung der Südseeromantik und der Überheblichkeit der westlichen Naturforscher. "Wir bedenken nie, wie ähnlich wir den Wilden sind." Damit gilt er als der Begründer der modernen, eher kritischen Reiseliteratur.

Nach seinem Tod ist das literarische Werk Forsters völlig in Vergessenheit geraten. Da er als angeblicher "Vaterlandsverräter" galt, wurden seine Werke in Deutschland nicht mehr verlegt. Der Philosoph Friedrich Schlegel schrieb später über ihn: "Unter allen eigentlichen Prosaisten atmet keiner so sehr den Geist freier Fortschreitung wie Georg Forster." Erst in der revolutionären Stimmung des Vormärz, in der viele Literaten in Deutschland ihre Stimmen gegen politische Verfolgung und die Kleinstaaterei erhoben, wurden seine Bücher wieder gelesen. 1843 gab Georg Gottfried Servius eine Gesamtausgabe von Forsters Werken heraus und sicherte damit den literarischen Ruhm des Schriftstellers, den Georg Forster zu seinen Lebzeiten nicht mehr genießen konnte. In der DDR kam Forster als revolutionärer Denker noch zu späten Ehren: Die erste Forschungsstation in der Arktis wurde 1976 nach ihm benannt.

Der Sprecher

Der Schauspieler Volker Niederfahrenhorst

Volker Niederfahrenhorst

Volker Niederfahrenhorst ist der geborene Kapitänsdarsteller: klare Ansage, nüchtern und bestimmt – aber mit leicht ironischem Untertönen. Er könnte mit seiner Stimmlage als Captain Hook auch auf einem Seeräuberschiff anheuern. Insofern ist es ein großes Hörvergnügen, ihm auf seinem Kurs durch die Südseegeschichten von Georg Forster zu folgen.

Volker Niederfahrenhorst, geboren am 20. September 1955 in Ratingen, hat seine Schauspielausbildung an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum absolviert. Danach spielte er an verschiedenen Bühnen in Deutschland und der Schweiz u.a. am Schauspielhaus Zürich, am Schauspiel Bonn und zuletzt am Schauspiel Köln und inzwischen viel in freien Theaterproduktionen. Zehn Jahre stand er unter der Regie von Holk Freytag als Mephisto in "Faust 1 und 2" auf den Wuppertaler Bühnen. Eine Rolle, die für ihn maßgeschneidert war: Seine Vorliebe für das hintergründig Diabolische, garniert mit süffisanten Untertönen, hatte da genügend Spielraum.

Neben seiner Arbeit für Radio und Fernsehen spricht er gerne und erfolgreich auch Hörbücher ein.

Die Klassiker - Georg Forster: Entdeckungsreise nach Tahiti und in die Südsee
Sprecher: Volker Niederfahrenhorst
Produktion: interface studios, Köln
Regie: Heike Mund
Online-Realisation: Claudia Unseld
Redaktion: Gabriela Schaaf

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