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Kultur

Gentechnik im Kühlregal

In Deutschland bringt die Neuregelung des Gentechnikgesetztes mehr Transparenz für den Verbraucher. Fleisch von Tieren, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden, muss nun gekennzeichnet werden.

Fleischer mit Schweinehälften

Bei Fleisch muss demnächst angegeben werden, ob die Tiere mit Gen-Pflanzen gefüttert wurden

Wenn es um das geht, was auf den Teller kommt, ist Streit vorprogrammiert, insbesondere dann, wenn es sich um genetisch veränderte Produkte handelt. Zwei Jahre haben SPD und Union über die Kennzeichnungspflicht von Gen-Produkten und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gekämpft, nun soll am Freitag (25.01.07) im Bundestag eine Neuregelung des Gentechnikgesetzes beschlossen werden.

Die wichtigste Veränderung für die Verbraucher: Sie können erfahren, ob Tiere mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden, bevor sie zum Schlachter kamen. Auf Eiern, Milch und Fleisch soll demnächst vermerkt sein, ob sie weitestgehend gentechnikfrei sind.

Verbraucherminister Horst Seehofer

"Wir haben strenge Regeln entwickelt, damit gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden", so Seehofer über das Gentechnikgesetz

Aber wie zahlreich sind die genetisch veränderten Produkte in Supermarktregalen und Kühltheken wirklich vertreten? Sowohl Kritiker als auch Befürworter der Gentechniek fördern gerne den Eindruck, Gentechnik sei bereits allgegenwärtig; nützt es doch beiden Gruppen: Die einen werben mit dem Gen-Szenario für strengere Richtlinien, die anderen wollen den Anschein erwecken, alle Einschränkungen bezüglich Gentechnik seien vergebens - auch wenn der Verbraucher keine Genprodukte möchte, sind sie mittlerweile einfach unvermeidbar.

Doch auch wenn weltweit immer mehr Ackerfläche mit genetisch veränderten Pflanzen bebaut wird: Der Anteil ist noch immer recht gering, das Szenario der weltweit verbreiteten grünen Gentechnik noch lange nicht eingetreten. Nur sechs Prozent - 102 Millionen Hektar - der weltweiten Anbauflächen wurden 2006 mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut. In Deutschland lag die Fläche 2007 bei 2700 Hektar, was weniger als 0,1 Prozent der Anbaufläche ausmacht.

Hauptanbauregionen für gentechnisch veränderte Pflanzen sind die USA, welche mit etwa 55 Millionen Hektar über die Hälfte der weitweiten Gen-Anbaufläche stellen; außerdem Kanada, Argentinien, Brasilien, China und Indien. Europa ist dagegen, was den Anbau von Gen-Pflanzen anbelangt, kaum relevant. Der Grund dafür liegt, neben gesetzlichen Regelungen, auch in der landwirtschaftlichen Struktur der Länder. "Nur in Regionen mit großen Feldern lohnt sich der Einsatz des teureren genveränderten Saatguts", meint Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND): Hier führen die gegen Schädlinge resistenten Pflanzen zu hohen Arbeitsersparnissen und senken das Risiko der Missernte; Vorteile, die bei kleineren Anbauflächen sehr viel weniger ins Gewicht fallen.

Maisfeld

Genveränderter Mais und Soja werden vor allem in den USA angebaut

Auch in Deutschland lässt sich dieser Trend bestätigen: Gentechnisch veränderte Pflanzen werden fast ausschließlich in den neuen Bundesländer angebaut, wo die einzelnen Anbauflächen sehr viel größer ausfallen als im Westen des Landes. Nach dem Standortregister des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit setzen vor allem die Landwirte in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf gentechnisch verändertes Saatgut.

In Deutschland sind zwar zahlreiche Gen-Pflanzen für die Einfuhr zugelassen, angebaut werden darf bisher jedoch ausschließlich der gentechnisch veränderte Mais MON 810. Weltweit ist bereits sehr viel mehr genverändertes Saatgut auf den Feldern zu finden. Vor allem Mais, Raps, Baumwolle und Soja wird in gentechnisch veränderter Form angebaut.

80 Prozent der Genprodukte landet dabei nicht direkt beim Verbraucher auf dem Teller, sondern wird in Mastbetrieben verfüttert. Denn seit Schlachtabfälle und Tiermehl - zumindest in der Europäischen Union - nicht mehr verfüttert werden dürfen, setzen die europäischen Bauern auf günstige Gen-Soja als Futtermittel: Wer sich vor genveränderten Produkten in Acht nehmen möchte, muss also vor allem tierische Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier meiden. Ein Großteil der restlichen 20 Prozent der Gen-Pflanzen landet als Baumwolle in T-Shirts und Jeans. Die Wahrscheinlichkeit, in deutschen Supermärkten auf Gen-Tomaten und Gen-Kartoffeln zu stoßen, ist bisher also sehr gering.

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