1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

Genfer Atomverhandlungen vertagt - aber Hoffnung auf rasche Lösung

Die Genfer Atomgespräche mit dem Iran blieben ohne greifbares Ergebnis. Russlands Außenminister Lawrow gibt sich trotzdem optimistisch. Und sein amerikanischer Kollege Kerry wehrt sich vehement gegen den Druck Israels.

Die zweite internationale Atomrunde in Genf schien lange schon vor dem unmittelbaren Durchbruch zu stehen. Der moderatere Kurs des neuen iranischen Präsidenten Hassan Rohani gab Anlass zu schönsten Hoffnungen, nach jahrelangem Streit über das Teheraner Nuklearprogramm und Sorge vor einer Atombombe in Mullah-Hand zu einer gütlichen Einigung kommen zu können. Nach anfänglicher Euphorie vertagte man sich schließlich doch auf den 20. November. Die hochrangigen Unterhändler gaben sich ungeachtet dessen durchweg zuversichtlich.

So sieht der russische Außenminister Sergej Lawrow "sehr, sehr hohe Chancen" für eine baldige Lösung. Beim nächsten Treffen der sogenannten 5+1-Gruppe mit den Iranern könnte ein gemeinsames Dokument vereinbart werden, zitiert die Agentur Interfax den Minister. In der Schweiz habe es erhebliche Fortschritte gegeben. Lawrow lobt dabei insbesondere eine positive Rolle seines US-Kollegen John Kerry.

Kerry: Wir sind nicht blind und nicht dumm

Dieser widmete sich nach der Verschiebung von Genf noch einmal der zunehmenden Kritik aus Israel an den Verhandlungen. "Wir sind nicht blind, und ich denke auch nicht, dass wir dumm sind", sagte Kerry am Sonntag dem US-Fernsehsender NBC. "Ich glaube, wir können sehr gut einschätzen, ob wir im Interesse unseres Landes und der Welt handeln, insbesondere unserer Verbündeten wie Israel und der Golfstaaten", fügte er hinzu.

Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Genf (foto: reuters) )

Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Genf

Kerry betonte in dem Interview nach dem Ende der dreitägigen Verhandlungen, es seien "einige der ernsthaftesten und fähigsten Experten in unserer Regierung" beteiligt gewesen, die seit Jahren mit dem Iran und Fragen der atomaren Bewaffnung zu tun hätten.

Er betonte, die USA seien entschlossen, ein "gutes Abkommen" zu erreichen, sonst werde es gar kein Abkommen geben. Kerry erinnerte daran, dass es zunächst nur um ein Übergangsabkommen gehe, das Zeit für Verhandlungen über eine endgültige Lösung schaffen solle.

Israel erhöht Druck

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte nachdrücklich, die 5+1-Gruppe aus den fünf UN-Vetomächten und Deutschland sei dabei, in Genf ein "schlechtes und gefährliches Abkommen" zu schließen. Seit dem Amtsantritt Rohanis in Teheran im August warnt Israel unablässig vor jeglichen Zugeständnissen an den Iran, solange dieser sein Atomprogramm nicht weitgehend abbaut oder gänzlich aufgibt. Man dürfe dem Iran nicht trauen. Die Vertagung gibt Netanjahu die Chance, den Druck noch weiter zu erhöhen, vor allem auf die USA.

Präsident Rohani beharrte am Sonntag noch einmal auf das Recht des Iran auf Urananreicherung. Diese Technologie gehöre zu den nationalen Interessen und sei damit die rote Linie, die der Iran nicht überschreiten werde, sagte er im Parlament. Schon in den vergangenen Wochen hatte Rohani ungeachtet der Signale zur Versöhnung wiederholt auf dem Recht gepocht, Nuklearenergie zu friedlichen Zwecken zu nutzen. Beobachter sahen darin vor allem Bemühungen des als gemäßigt geltenden Staatsoberhaupts, die Hardliner und Ultrakonservativen im eigenen Land zu beschwichtigen.

Amano in Teheran

Der Chef der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA), Yukiya Amano, traf zu einer neuen Runde der Gespräche in Teheran ein. Der Japaner hatte die Einladung angenommen, nachdem die Sondierungen bei einem vorausgegangenen Treffen in Wien positiv verlaufen waren. In Teheran wird sich Amano mit ranghohen Vertretern treffen. Geplant ist die Unterzeichnung einer Abmachung, die als Fahrplan für die weitere technische Zusammenarbeit dienen soll. Darin soll es auch um Inspektionen von Militäranlagen gehen.

SC/det (afpe, rtre, dpa)

Audio und Video zum Thema