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Politik

Generationswechsel in Tansania

Die Tansanier haben neben einem neuen Parlament auch einen neuen Präsidenten gewählt: Jakaya Kikwete steht für einen Generationswechsel in der Staatsführung. Ein Porträt.

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Jakaya Kikwete bei einem Interview mit der Deutschen Welle

Als Jakaya Kikwete mitten in seiner Wahlkampfrede am Dienstag (13.12.2005), einen Tag vor der Abstimmung, bewusstlos zu Boden sank, war die Verwirrung groß. Für einen Moment sah es so aus, als könnte ihm das Schicksal doch noch einen Strich durch die Rechnung machen und die zielgerade Karriere des Politiker kurz vor ihrem Höhepunkt beenden. Doch schon kurz darauf die beruhigende Nachricht: Der Kandidat hatte in der Hitze des Wahlkampfs und der tropischen Sonne zu wenig Wasser getrunken.

Wie die Wahlkommission am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur AP schließlich mitteilte, ist Jakaya Kikwete als Sieger aus der Präsidentenwahl hervorgegangen. Er erhielt demnach 87,4 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,2 Prozent. Der bisherige Außenminister Kikwete gehört der Regierungspartei der Revolution (CCM = Chama cha Mapinduzi) an, die Tansania seit Jahrzehnten regiert. Nach vorläufigen Ergebnissen vom Samstag gewann die CCM auch die Parlamentswahl, die ebenfalls am Mittwoch stattfand.

Kein Neuling

In seinem politischen Leben ist Jakaya Kikwete kein Mann für Schwächeanfälle. Mit seinen 55 Jahren gehört er zur jungen Generation in der tansanischen Politik, sein sportlicher Körper bekräftigt diesen Eindruck. Allerdings ist Kikwete alles andere als ein Neuling auf der politischen Bühne. Selbst aus einer Familie von Politikern stammend, arbeitete er sich nach einer militärischen Ausbildung und einem Wirtschaftsstudium in den vergangenen 30 Jahren die Karriereleiter in der Regierungspartei hoch: Er begann auf Distrikt-Ebene und wurde schließlich Außenminister, ein Posten, den er die letzten zehn Jahre innehatte. Trotz allen Erfolgs hat sich Kikwete eine Eigenschaft bewahrt, die von seinen Wählern hochgeschätzt wird: Bescheidenheit. "Die Begeisterung über meine Person überrascht mich. Und es macht mir fast etwas Angst, zu sehen, wie hoch die Erwartungen der Tansanier sind. Ich weiß nicht, ob ich sie alle erfüllen kann, aber ich hoffe, dass ich an meinem Engagement gemessen werde", sagt der Politiker.

Einfluss bei jungen Wählern

Wahlkampf Tansania

Wahlkampf in Tansania

Zu Kikwetes Anhängern zählen vor allem die jungen Wähler, ein Faktor, der ihm bei der Kandidatur innerhalb seiner Partei behilflich war. Denn obwohl die CCM durch ihre lange Tradition als ehemalige Einheitspartei des immer noch verehrten Julius Nyerere in der tansanischen Gesellschaft fest verankert ist, gewinnen die Oppositionsparteien gerade bei den vielen arbeitslosen jungen Wählern an Einfluss. So ging Kikwete in seinem Wahlkampf immer wieder auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein: "Eines der größten Probleme, die wir in unserem Land haben, ist es, Arbeitsplätze für die Jugendlichen zu schaffen. Denn die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen steigt jedes Jahr. Das ist eine tickende Zeitbombe, die wir unbedingt entschärfen müssen", sagt Kikwete.

Mikrokreditprogramme

Das Rezept für Tansanias Arbeitsmarkt ist laut Kikwete der Privatsektor. Der künftige Präsident hat angekündigt, eine entsprechend einladende Umgebung für die Ansiedlung von privatwirtschaftlichen Unternehmen zu schaffen. Besonders gefördert werden sollen in Zukunft auch Mikrokreditprogramme, um die wirtschaftliche Lage der überwiegend armen Bevölkerung zu verbessern.

In der Tradition von Nyerere

Neu sind diese Ideen nicht. Kikwete führt damit die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers Benjamin Mkapa fort. Auch auf anderen Gebieten erwarten die politischen Analysten keine wesentlichen Neuerungen durch Kikwete. Schließlich sieht sich der künftige Präsident in der Tradition des Gründungsvaters Tansanias Julius Nyerere und dessen Ideale für eine soziale Gesellschaft. So will sich Kikwete besonders für die Förderung von Waisenkindern einsetzen, deren Zahl infolge der Ausbreitung von HIV/Aids immer größer wird. Waisenkinder sollten eine kostenlose Ausbildung zugesichert bekommen, das sei sein persönliches Ziel. Selbst wenn dafür in anderen Ministerien die Budgets einkürzt werden müssten, sagt Kikwete.

Erfolgreicher Vermittler

Neben kritischen Stimmen, die Kikwete als arrogant, chronisch unpünktlich und inkonsequent gegenüber Korruption bezeichnen, so stehen doch seine positiven Seiten im Vordergrund. Erhofft wird beispielsweise, dass Kikwete seine Politik entscheidungsfreudiger ausführt als sein bedächtiger und leutseliger Vorgänger Mkapa. Außerdem gilt Kikwete als erfolgreicher Vermittler. Diese Eigenschaft kann ihm helfen, die verschiedenen Generationen innerhalb seiner eigenen Partei zusammen zu bringen.

Die größte politische Herausforderung für Kikwete wird es sein, den Frieden in der halb-autonomen Inselregion Sansibar sicherzustellen. Dort gewann die CCM vor wenigen Wochen ebenfalls die Wahlen, allerdings nur unter heftigen Anschuldigungen der Opposition, dass diese Wahlen beeinflusst worden seien. Ausländische Beobachter hatten dies bestätigt. Mit seinen guten Beziehungen zu Sansibars Präsident Amani Karume könnte Kikwete einen Einfluss darauf ausüben, dass der Dialog mit der Opposition wieder aufgenommen wird.

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