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Kultur

Generationenkomödie: Wir sind die Neuen

Regisseur Ralf Westhoff hat einen Film über zwei unterschiedliche Generationen gedreht. "Wir sind die Neuen" wurde auf dem Filmfest in München gefeiert und kommt jetzt in die Kinos. Regisseur Westhoff im DW-Gespräch.

Ralf Westhoff, Jahrgang 1969, hat Wirtschaft studiert. Schon seine bisherigen Filme zeichneten sich dadurch aus, dass ihre Charaktere im Leben fest verwurzelt waren. In seinem neuesten Streich, der Komödie "Wir sind die Neuen", stellt er den Zuschauern drei in die Jahre gekommene Freunde vor, die einst in einer WG zusammengewohnt haben und es nun noch einmal versuchen wollen. Dabei treffen sie auf ihre neuen Nachbarn: drei Studenten. Das führt zu Konflikten. Wie wirken sich ökonomische Verhältnisse auf Menschen aus? Aus dieser Fragestellung entwickelt Westhoff seinen Film. Westhoff ist ein Komödienspezialist. Und so gibt es auch in seinem neuen Werk viel zu Lachen. Aber nicht nur. Wir trafen Ralf Westhoff zum Gespräch.

DW: Wie würden Sie Ihren Film selbst einordnen? Ist das eine Komödie oder ist das auch eine Tragikomödie über das Altern?

Ralf Westhoff: Nee. Das ist für mich eine Komödie! Das macht mir wirklich wahnsinnig Spaß, wenn Menschen im Kino lachen. Und es macht mir auch Freude an der Arbeit. Das ist auch mein Ehrgeiz. Allerdings muss man sagen: Eine gute Komödie muss auch etwas über das Leben erzählen und darf die wichtigen Themen nicht aussparen. Dann lacht man auch noch mal ganz anders. Das war mein Anspruch.

Bei allen Witzen, Pointen und Kalauern – es ist auch eine Komödie über die unterschiedlichen Generationen mit einer gewissen Tiefe…

Ich habe mich sehr bemüht, dieses Konstrukt - ehemalige Studenten, die schon mal zusammengewohnt haben, treffen auf heutige Studenten, die jetzt zusammenwohnen – zu zeigen. Das hat so viel Angriffsfläche geboten: Wie war Jung sein früher? Wie war Jung sein heute? Es hat sich so viel verändert in den letzten 35 Jahren. Das war eine große Spielwiese für mich. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

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Wir sind die Neuen

Bei der Darstellung der unterschiedlichen Generationen: Wie viel Klischee ist dabei? Oder anders: Trägt nicht jedes Klischee auch ein Körnchen Wahrheit in sich?

Ich hab mich schon darum bemüht, das in vielen Schattierungen darzustellen. Die machen ja alle viele Fehler: Die Älteren versuchen ihre Vergangenheit, oder das, was sie dafür halten, Eins zu Eins nachzuspielen. Das verklärt sich ja oft. Die müssen in diesem Prozess verstehen, dass 35 Jahre vergangen sind. Die können nicht so tun, als ob noch alles beim Alten geblieben.

Und die jungen Leute haben, auch wenn sie sehr biestig rüberkommen, tatsächlich ein Problem. Die stehen vor ihren Examen und die können tatsächlich diese lauten, alten, feiernden Menschen nicht brauchen. Ich hab mich bemüht, das biestige auch mit einem Grund zu untermauern: Die stehen vor ihren Prüfungen. Und wer schon mal so in einer Situation war, der weiß, da wird man auch mal etwas verspannt.

Und trotzdem durchbrechen sie Klischees und Erwartungshaltungen: die Alten werden als feierfreudig dargestellt, die Jungen nicht…

Wenn man den Film in einem Satz zusammenfassen würde, dann könnte man das so sagen. Aber ich hoffe doch, ein wenig größeres Universum aufgemacht zu haben. Dass man zwischen den Zeilen auch andere Dinge mitbekommt. Die Älteren haben ja durchaus auch noch ihre Ecken und Kanten. Was man merkt, wenn sie ihre alten Bekannten zusammentrommeln, mit denen sie schon mal zusammengewohnt haben. Da wird klar, das war nicht alles eitel Sonnenschein damals. Da ist alles mögliche passiert. - Und die Jungen scheitern ja auch mit ihrer relativ harschen Haltung gegenüber den Alten. Die merken ja schnell, dass sie gut beraten sind, sich ein bisschen Hilfe von Außen zu holen.

Filmstill Wir sind die Neuen (Foto: Verleih X Verleih)

Das sind die Jungen: Claudia Eisinger zwischen Karoline Schuch (l.) und Patrick Güldenberg

Sie sind ja Jahrgang 1969, also ungefähr zwischen den beiden Generationen, die sie im Film zeigen. Inwiefern konnten sie auch aus eigenen Erfahrungen schöpfen?

Ich habe mich schon auf die Phantasie gestützt. Oder auf Dinge, die ich mal gehört habe bei anderen Leuten. Ich höre ganz oft einen Satz, das ist dann bei mir im Hinterkopf, und das baue ich dann ein halbes Jahr später ins Drehbuch ein. Ich bin eher wie ein neutraler Schiedsrichter in der Mitte. Ich kann auf beide Seiten gucken. Vielleicht bin ich ein wenig näher an den Jungen dran. Wie ich sein werde, wenn ich 60 bin, das weiß ich ja noch nicht.

Hatten Sie manchmal die Intention einer der Generationen eines auszuwischen? Ich denke da zum Beispiel an die Szenen, in denen die Affinität der Generationen zum Internet gezeigt wird.

Nein, eigentlich nicht. Die Figuren werden von mir immer dann ein bisschen härter angefasst, wenn ich sie besonders mag oder wenn ich mich ihnen ein bisschen näher fühle. Die Jungen kommen ja sehr schlecht weg. Aber ich hatte den Eindruck, die vertragen das schon. Die sitzen ein wenig auf dem hohen Sockel. Dieser Jugendwahn, der da gerade herrscht… Das darf man schon mal machen. Ich sehe auf der anderen Seite auch die ganzen Probleme und Dinge, mit denen die zu kämpfen haben. Wir haben die Globalisierung. Die Marktwirtschaft hat sich durchgesetzt. Es ist alles ein bisschen härter geworden. Das wirkt sich aus. Vielleicht nicht bei jedem gleich. Aber insgesamt schon. Der Druck ist gestiegen.

Filmfest München - Förderpreis Neues Deutsches Kino mit Preisträgern (Foto: Filmfest)

Regisseur Ralf Westhoff (r.) bekam beim Filmfest in München den Förderpreis Deutsches Kino

Sie zeigen ja die Alten und deren Verhältnis zu ihrer Vergangenheit, wie sie damit umgehen. Hat Sie dieser Aspekt auch gereizt? Also auch die Verklärung von Vergangenheit zu zeigen?

Ich kennen diese Generation ja nur von außen, von Geschichten. Ich finde die aber sehr spannend. Das sind ja nicht wirklich die `68er. Dafür sind die zu jung. Das sind eher die, die von den `68ern stark beeinflusst sind. Das ist die Zeit, in der die WG in der breiten Masse angekommen ist. Das war nicht die WG-Avantgarde. Es wurde plötzlich üblich zusammenzuziehen, da hat sich wunderbar eine politische Haltung mit ökonomischen Verhältnissen getroffen. Man hatte wenig Geld und wollte ein Zeichen setzen: lieber zusammensein als alleine. Vielleicht ist das jetzt zu grob zusammengerafft, aber ich glaube, sie waren politischer und es gab eine andere Streitkultur. Es war eine sehr bestimmte Zeit, die man gut eingrenzen konnte. Die Werte, die damals neu und aufregend waren, die sind heute wieder ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Das empfand ich als einen schönen Kontrast.

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