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Kultur

Generation Podcast

Vor einem Jahr kannte kaum jemand Podcasting, inzwischen ist es ein Massenphänomen mit regelrechten Stars - auch auf dem Podcast-Day.

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Radio für unterwegs

Kommunikationsexperten sind überzeugt: Podcast sei kein Modetrend, sondern die Informationsvermittlung der Zukunft. Über Chancen und Risiken des Podcastings diskutieren am Mittwoch (24.5.) Podcaster aus aller Welt auf dem Podcast-Day in Köln, dem größten internationalen Kongress zum Thema Podcasting.

Radio aus dem Wohnzimmer

"Hallo, ihr Lieben! Hier ist eine neue Folge von ´Schlaflos in München´ mit Annik Ruben. Ach, jetzt ist meine Katze auf die Leertaste gekommen. Na jedenfalls wollt ich euch erzählen, wie schlimm ich es als Kind fand, in Zoos zu gehen". Dann erzählt Annik, dass die Tiger im Münchner Zoo in gefliesten Käfigen gewohnt haben. Und 7000 Menschen hören ihr dabei zu. Jeden Tag. Annik, die eigentlich Larissa Vassilian heißt, ist Podcasterin. Ihr Audiotagebuch "Schlaflos in München“ ist inzwischen Kult in der deutschen Podcastszene. Über 300 Folgen hat sie schon produziert.

Die 30-jährige war eine der ersten Podcaster in Deutschland. Vor einem Jahr hat sie damit angefangen. Ein Mikrofon, einen Computer mit Soundkarte und Internetanschluss – mehr braucht sie nicht, um ihre eigene kleine "Podcast-Show“ zu produzieren.

Meist abends sitzt sie in ihrer Münchner Wohnung vor dem Mikro und erzählt, was ihr gerade so einfällt. Dinge, die ihr passiert sind, Banalitäten aus dem Alltag oder sie philosophiert einfach vor sich hin. Jeden Tag gibt es eine neue Episode - drei bis fünf Minuten lang.

Die stellt sie als Audiodatei ins Internet. So kann sich jeder den Podcast auf seinen PC oder mp3-Player kostenlos herunterladen und dann anhören.

Über 800 deutschsprachige Podcast-Angebote gibt es inzwischen, die Zahl der täglich weltweit veröffentlichten Podcasts ist unüberschaubar geworden. In Deutschland wurden im letzten Jahr rund eine halbe Million regelmäßige Nutzer gezählt. Experten schätzen, dass deren Zahl in den nächsten vier Jahren auf drei Millionen ansteigt, weltweit werden es etwa 60 bis 70 Millionen sein.

Annik Rubens - Schlaflos in München

Radio und TV zum Mitnehmen Die Inhalte der Podcasts sind mal unterhaltsam, mal informativ. Da philosophiert zum Beispiel eine Berliner Bestatterin über den Tod und den Vorteil von bunten Pappsärgen, frustrierte Hausfrauen lästern über ihre Ehemänner oder Kinofans besprechen die neuesten Filme.

Doch längst ist Podcasting mehr als nur anarchischer Bürgerfunk. Radio- und TV- Sender haben das Medium für sich entdeckt, um bisher unerreichte Zielgruppen für sich zu gewinnen. Vor allem das junge Publikum. Fast jede Radiostation bietet ihre Sendungen inzwischen als Dateien zum Abonnieren und Herunterladen an.

Die Deutsche Welle war im vergangenen Jahr die erste Rundfunkstation in Europa, die auch Videopodcasts ins Internet gestellt hat. Ausgewählte Sendungen und Beiträge gibt´s als Videodatei. Der Nutzer ist somit Zuschauer und Programmchef in einem. Er kann sich die Programme gezielt zusammenstellen und sie dann anschauen - unabhängig von Ort und Zeit.

Diese Unabhängigkeit vom laufenden TV-Programm schätzen viele Zuschauer, wie die Dowloadzahlen des Deutsche Welle-Podcasts beweisen. Rund zwei Millionen mal im Monat werden die Podcast- und mp3-Angebote des Senders herunter geladen.

Podvertising

Tausende Produzenten - Millionen Nutzer. Der Podcasting-Markt müsste eigentlich ein interessantes Medium für die Werbeindustrie sein. Die deutsche Werbeindustrie ignoriert das neue Medium allerdings bislang. Nur 9 Prozent der Unternehmen und 15 Prozent der PR-Agenturen haben sich bislang mit dem "Podvertising"-so heißt Werbung im Podcast - auseinandergesetzt.

Darunter befindet sich auch "Karlsberg". Vor kurzem ist die Brauerei aus dem Saarland mit einem eigenen Video-Podcast auf Sendung gegangen. Für Marketing Geschäftsführer Uli Grundmann ist Podcasting einer der "heißesten Medientrends weltweit, genau das Richtige für uns".

Doch der eigene Podcast ist nur die eine Werbemöglichkeit für Unternehmen. "Podvertising" heißt die andere. Die Firmenwerbung erscheint, so wie Radiowerbung, am Anfang oder Ende einer Podcast-Show. Oder als Banner auf der Podcast Seite. Der Vorteil für das Unternehmen ist, dass sich die Zielgruppe relativ gut eingrenzen lässt.

Podcast MP-3 Player und Frau mit Notebook

In der Minderzahl: Nur wenige Frauen nutzen das Podcasting

Denn es gibt bereits ein Nutzerprofil: Der typische Podcast-Abonnent ist männlicher Single, knapp 30 Jahre alt mit Hochschulabschluss. Frauen nutzen Podcasting eher selten.

Annik Rubens ist da eine Ausnahme. Sie produziert nicht nur selbst Podcasts, sie hat auch mehrere abboniert. Und natürlich wird auch sie am Mittwoch beim Podcast-Day in Köln dabei sein. Wieder in ihrer Rolle als Vorreiterin. Sie stellt ihr neuestes Werk vor - das erste deutschsprachige Buch über Podcasting - das gibt es erstmal nur in Papierform und später vielleicht auch mal zum runterladen.

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