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Made in Germany

Generation Europa

In fünf Schwerpunktsendungen zeigt "Made in Germany" bis zum 1. Mai, wie junge Menschen aus den 25 Ländern der erweiterten Union ihre Chancen im Wirtschaftsraum Europa nutzen. Aktuell: Freizügigkeit für Arbeitnehmer.

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Der Schwerpunkt auf DW-TV: Junge Menschen aus der Europäischen Union und den Beitrittskandidaten – die "Generation Europa".

Majestätisch spannt sich die Öresund-Brücke über die Meerenge, die Dänemark und Schweden voneinander trennt. Seit fast vier Jahren verbinden die Brücke und ein Tunnel auf insgesamt 16 Kilometern Länge die beiden Länder. Vorher konnte man das andere Ufer nur per Fähre erreichen. Das architek-tonische Wunderwerk – für Pernilla Wiberg ein gewohnter Anblick. Jeden Tag fährt die junge Schwedin über den Öresund, denn ihr Arbeitsplatz liegt in Dänemark.

Generation Europa Made in Germany 22.04.2004

"Ich denke gar nicht mehr darüber nach, dass ich in ein anderes Land fahre", sagt die 27-jährige. "Aber dann unterhalte ich mich zum Beispiel mit Leuten aus Nordschweden und die halten das für etwas Besonderes. Für die ist Dänemark viel exotischer als für uns."

Rund zwanzig Minuten dauert die Fahrt über das Wasser. Außer Pernilla sind nur wenige Autos auf der Straße. Die meisten Pendler, die täglich zwischen Dänemark und Schweden unterwegs sind, nehmen den Zug. Denn die Maut für die Benutzung der Brücke ist vielen zu teuer: rund 400 Euro im Monat. Für Pernilla übernimmt das ihr Arbeitgeber. Sonst, sagt sie, müsste auch sie den Zug nehmen, denn die Brückengebühr könne sie sich nicht leisten.

Die Maut ist nicht die einzige Hürde für Pendler. Unterschiedliche Regelungen bei Steuern, Gesundheitssystem und Rente bedeuten viel Papierkram für Dänen und Schweden, die im jeweils anderen Land arbeiten wollen. Und das, obwohl die Regierungen sich offiziell das Ziel gesetzt haben, in der Öresundregion – dem Großraum Kopenhagen und Südschweden - einen gemeinsamen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Doch bislang gibt es nur rund 6000 Pendler in einer Region, in der über 3,5 Millionen Menschen wohnen. Mittelfristig, schätzen Wirtschaftsforscher, könnte die Zahl der Grenzpendler auf rund 60.000 steigen. Aber der Weg bis dahin ist noch weit.

Gut eine halbe Stunde braucht Pernilla von ihrer Wohnung in Malmö bis zur Skandinavien-Zentrale von Daimler-Chrysler in Kopenhagen. Dort arbeitet sie als Assistentin für den Chef. Bevor sie sich an den Schreibtisch setzt, schaut sie noch kurz in der Personalabteilung vorbei. Am 1. Mai muss sie ihre Steuererklärungen abgeben, eine für das schwedische und eine für das dänische Finanzamt, und wie immer hat sie noch viele Fragen. Denn sie zahlt zwar ihre Einkommenssteuer in Dänemark, wo ihr Arbeitgeber sitzt, muss aber gleichzeitig auch die schwedischen Behörden informieren, weil sie immer noch in Malmö wohnt.

Knapp 300 Menschen arbeiten hier und in der technischen Zentrale in Malmö. Viele der Angestellten pendeln zwischen ihrem Wohnort in Dänemark oder Schweden und dem Arbeitsplatz im Nachbarland. Die Firma hat sich darauf eingestellt und versucht, ihren Mitarbeitern das Leben einfacher zu machen. Die Angestellten können wählen, ob sie lieber an dänischen oder schwedischen Feiertagen frei haben wollen, die Regelungen für den Erziehungsurlaub orientieren sich am großzügigeren schwedischen Modell und sogar in der Kantine wird der Spagat zwischen den Kulturen geprobt: Es gibt warmes Essen für die Schweden und Brote und Salate für die Dänen, die eher an ein kleines, kaltes Mittagessen gewöhnt sind.

Pernilla trifft sich zum Essen häufig mit ihrer Freundin Ulrika, 29. Auch sie ist Schwedin und pendelt täglich von Malmö über den Öresund. Beide betonen, dass die Großstadt Kopenhagen interessante und gut bezahlte Jobs biete – die in Südschweden eher rar gesät seien. Dafür nehmen sie gern die Unsicherheit in Kauf, die die komplizierten Regelungen zum Beispiel bei der Rente mit sich bringen. Keiner könne ihnen genau sagen, wie das später laufe mit ihren in Dänemark erworbenen Ansprüchen, sollten sie irgendwann mal nach Schweden zurückkehren. "Aber", lacht Ulrika, "bis wir 65 sind, werden sie das hoffentlich herausfinden..."