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Aktuell Asien

Generalstreik legt Indien lahm

Die wütenden Proteste gegen tiefgreifende Wirtschaftsreformen sind in einem landesweiten Streik eskaliert. Schulen, Läden und Behörden blieben in vielen Bundesstaaten geschlossen.

Aufgerufen zu dem landesweiten Generalstreik hatten mehrere Oppositionsparteien. In zahlreichen Regionen mussten Berufspendler in Bahnhöfen und Bushaltestellen ausharren, weil Protestierende Bahngleis blockierten und Bus-Depots belagerten. In einigen Straßen brannten Autoreifen.

Besonders betroffen waren die Technologie-Hochburgen Bangalore und Hyderabat im Süden des Landes, wo Firmen wie Microsoft und Google ihre Niederlassungen haben. Auf wenig Resonanz stieß der Streikaufruf dagegen in der Hauptstadt Neu Delhi und in der Finanzmetropole Mumbai. Zwar blieben auch dort Geschäfte geschlossen, Schule und Behörden arbeiteten aber normal. Auch im öffentlichen Nahverkehr gab es keine Behinderungen.#video#

Reformen an der Bevölkerung vorbei

Der Streik richtete sich vor allem gegen Reformvorhaben von Ministerpräsident Manmohan Singh. Der hatte in der vergangenen Woche angekündigt, den bisher stark subventionierten Preis für Dieselkraftstoff um 14 Prozent zu erhöhen. Zudem will die Regierung den indischen Markt für internationale Supermarktketten wie Wal-Mart oder Carrefour öffnen. Sie will damit erreichen, dass mehr Nahrungsmittel auch tatsächlich zum Verbraucher gelangen. Derzeit verrotten bis zu 40 Prozent der Ernten wegen mangelnder Lager- und Transportmöglichkeiten.

Der Widerstand in der Bevölkerung ist massiv. Wegen der heftigen Proteste von Besitzern kleiner Läden hatte die bereits für den November 2011 geplante Reform damals abgesagt werden müssen. Kritiker befürchten den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze, Versorgungsmängel und Preiserhöhungen.

Vorzeitige Neuahlen nicht ausgeschlossen

Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh (Foto:Getty images)

Drängt auf Reformen: Ministerpräsident Manmohan Singh

Die Pläne haben zudem Indien in ein politisches Chaos gestürzt. Nachdem Singhs wichtigster Koalitionspartner. die Trinamool-Congress-Partei am Dienstag aus der Regierung ausgetreten ist, werden vorgezogene Neuwahlen immer wahrscheinlicher. Aus Regierungskreisen hieß es, man werde den Protestlern entgegenkommen, eine komplette Kehrtwende sei jedoch ausgeschlossen.

Ökonomen halten jedoch Reformen in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft für dringend nötig. Angesichts eines schleppenden Wachstums und hoher öffentlicher Defizite droht Indien als erstem der "Brics-Staaten" (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) eine Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf "Junk-Status".

gmf/wl (afp, dapd, dpa, rtr)