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Europa

Generalstreik legt Griechenland lahm

In Griechenland hat ein Generalstreik das öffentliche Leben zur Erliegen gebracht. Es ist schon der Siebte in diesem Jahr. Nicht nur auf den Straßen herrscht das Chaos.

Ein griechischer Polizeibeamter nimmt an einem Protest teil und hält ein Banner (Foto: AP)

Auch Polizisten und Feuerwehrleute machten ihrem Unmut Luft

Der Generalstreik soll 24 Stunden dauern. Zunächst legten die Fluglotsen um punkt Mitternacht die Arbeit nieder. Kein Flug von und nach Griechenland werde am Mittwoch (15.12.2010) stattfinden, teilte die Gewerkschaft der Fluglotsen mit. Der Transitverkehr über den griechischen Luftraum werde aber abgefertigt. Die Fluglinien hatten in den vergangenen zwei Tagen ihre Kunden benachrichtigt, so dass nicht mit gestrandeten Passagieren gerechnet werden muss.

Ein Mann sitzt am Hafenbecken von Piräus und liest ein Buch, im Hintergrund Fährschiffe (Foto: AP)

Es ist nicht das erste Mal, dass im Hafen von Piräus nichts mehr geht

Als nächste Berufsgruppe schlossen sich die Seeleute dem Streik an, mit der Konsequenz, dass keine Fähre mehr aus Piräus und anderen griechischen Festlandshäfen zu den Inseln der Ägäis und des Ionischen Meeres auslaufen. Busse, U-Bahnen und die Eisenbahn stehen still, alle Behörden wie Ministerien, Museen und Steuerämter sowie Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Die Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern behandeln nur in Notfällen. An den Arbeitsniederlegungen beteiligen sich auch Journalisten, so dass es im Rundfunk und Fernsehen keine Nachrichten gibt, am Donnerstag werden keine Zeitungen erscheinen.

Massive Verkehrsbehinderungen

Mit den landesweiten Streiks protestieren die Gewerkschaften gegen Arbeitsmarktreformen der griechischen Regierung, die das Parlament erst am Dienstagabend mit 156 zu 130 Stimmen gebilligt hatte. Die Reform sieht unter anderem weitere Lohnkürzungen vor. Die Regierung sieht sich zu den drastischen Sparmaßnahmen gezwungen, nachdem das Land von der EU und vom Internationalen Währungsfonds mit Milliardenkrediten vor der Pleite gerettet wurde.

In Athen rufen Menschen nach Taxen während eines Streiks (Foto: AP)

Auch Taxifahrer wollen vier Stunden lang die Arbeit niederlegen

Dass die griechische Bevölkerung damit nicht einverstanden ist, hat sie bereits mehrmals deutlich gemacht. Am Dienstag hatte ein 24-stündiger Streik bei den Verkehrsbetrieben den öffentlichen Nahverkehr in Athen lahmgelegt. Pendler mussten sich Taxis teilen, um zur Arbeit zu kommen. Auf den Straßen bildeten sich lange Staus. Etwa 1000 Demonstranten versammelten sich vor dem Parlament, später zogen mehrere hundert Polizisten und Feuerwehrleute vor das Finanzministerium.

Mobilmachung gegen europäische Sparpläne

In Athen sind für den Mittwoch zwei Kundgebungen geplant. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, nachdem im Mai bei Protesten drei Menschen in einer Bank ums Leben gekommen waren, die Randalierer angezündet hatten. Auch in Spanien, Frankreich, Dänemark und Tschechien sind Proteste geplant. Der Europäische Gewerkschaftsbund (ETUC) will mit einem europaweiten Aktionstag gegen den harten Sparkurs der Regierungen mobil machen. Die Gewerkschaften kritisieren, dass die Arbeitnehmer für die Finanzkrise die Zeche zahlen müssen.

Autorin: Pia Gram (dpa, dapd)
Redaktion: Herbert Peckmann

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