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Wirtschaft

General Motors kämpft ums Überleben

Über eine Milliarde Dollar verliert der größte US-Autokonzern jeden Monat und erhofft sich Hilfe von der neuen Obama-Regierung. Bei einer GM-Pleite drohten drei Millionen Arbeitslose, sagen Gewerkschafter.

GM-Schild an einem Zaun

Muss GM bald dichtmachen?

Der schwer angeschlagene Opel-Mutterkonzern General Motors ringt in den USA um dringend benötigte Milliarden-Hilfen. Noch am Wochenende wollen einflussreiche Mitglieder des GM-Verwaltungsrates in Washington Druck machen, wie das "Wall Street Journal" am Samstag (15.11.2008) berichtete. Sie wollten im US- Kongress, im Weißen Haus und bei Vertretern des künftigen Präsidenten Barack Obama die Dringlichkeit der Lage vor Augen führen. General Motors hatte vor einigen Tagen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt. Opel ersuchte Bund und Bundesländer um eine Bürgschaft, angeblich in Milliardenhöhe. Offiziell heißt es, Opel wolle damit für den Fall einer GM-Insolvenz vorsorgen.

Bush: Milliardenhilfen für Autobranche ohne Umweltauflagen

Opel-Schriftzug auf Dach des Unternehmens (Quelle: AP)

Am Freitag wurde bekannt, dass die GM-Tochter Opel bei Bund und Ländern um eine Milliardenbürgschaft ersucht

Die Hilfen für die notleidenden US-Autobauer drohen, in politischen Grabenkämpfen zerrieben zu werden. Die Demokraten im US- Kongress sind dafür, den Autoherstellern den Zugang zum 700 Milliarden Dollar (550 Milliarden Euro) schweren Rettungspaket für die Finanzbranche zu öffnen. Die Republikaner setzen dagegen auf das bereits gebilligte Kredit-Paket von umgerechnet 20 Milliarden Euro, das eigentlich die Entwicklung sparsamerer Autos fördern soll. Zuletzt setzte sich Präsident George W. Bush dafür ein, die Umwelt-Bindung aufzuheben und das Geld einfach so zu gewähren. Die Demokraten lehnen dies ab. Ein solcher Schritt würde auf Kosten der Zukunftsfähigkeit der US-Autoindustrie gehen, argumentieren sie.

Mehrere Mitglieder des GM-Verwaltungsrates genießen großen Einfluss in Washington, den sie nun geltend machen wollen, schrieb das "Wall Street Journal". Darunter seien Erskine Bowles, einst Stabschef von US-Präsident Bill Clinton, und John Bryant, einer der Organisatoren von Obamas Präsidentschafts-Kampagne. Auch Armando Codina, der als enger Vertrauter von Präsident Bush gelte, habe sich eingeschaltet.

Hält GM bis zu Obamas Amtsantritt durch?

Dicker Geländewagen (Hummer) (Quelle: AP)

Die fetten Jahre sind vorbei: Hat GM zu spät mit der Entwicklung sparsamer Autos begonnen?

Der US-Autobauer hofft darauf, dass die neue Regierung des künftigen Präsidenten Barack Obama ein Rettungspaket für die Branche auflegen könnte – doch hält General Motors überhaupt durch, bis Obama am 20. Januar sein Amt antritt?

Nach Einschätzung von Analysten braucht GM rund 15 Milliarden Dollar, die für etwa ein Jahr reichen könnten. Angesichts des Absatzeinbruchs "verbrennt" der größte US-Autohersteller jeden Monat mehr als eine Milliarde Dollar - ihm könnte schlicht das Geld ausgehen. Der größte amerikanische Autokonzern verfügte nach eigenen Angaben Ende September nur noch über 16,2 Milliarden Dollar Liquidität. Daher erscheint es möglich, dass GM bis zum Ende des Jahres unter das Minimum von 11 bis 14 Milliarden Dollar fällt, das zur Aufrechterhaltung des operativen Geschäfts nötig ist. Wenn dieser Fall eintritt, wird das Unternehmen einige Kreditgeber nicht mehr bezahlen können. Diese wiederum könnten dann versuchen, sich den Zugriff auf einzelne Vermögensanteile zu sichern oder den Konzern zu einem Insolvenzantrag zu treiben.

GM warnt nun vor dramatischen Auswirkungen einer Insolvenz des Unternehmens. Sie würde nicht nur die 123.000 Arbeitsplätze des Konzerns in Nordamerika in Gefahr bringen, sondern auch hunderttausende weitere Jobs bei Autozulieferern. Und Ausfälle von Teile-Lieferanten würden auch die Konkurrenten Ford und Chrysler an den Abgrund bringen – denn die meisten großen Zulieferer seien gleich mit mehreren Herstellern im Geschäft. "Es wird kein 'Plan B' als Alternative zu einer Rettung durch den Staat diskutiert", zitierte die Zeitung einen ranghohen GM-Berater.

Gewerkschafter: drei Millionen Jobs auf der Kippe

Mann vor einem Gewerkschaftsplakat (Quelle: AP)

Gewerkschaftsboss Gettelfinger warnt vor steigenden Arbeitslosenzahlen

Der Chef der Autoarbeitergewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, verlangt rasches Handeln. Die Branche könne nicht auf Obama warten, sagte er am Freitag in einem Radiointerview. Wenn die Autoindustrie abstürze, "stehen wir zweifellos vor einer Depression". Das von der Branche mitfinanzierte Center for Automotive Research warnt davor, dass ein Kollaps der "Großen Drei" oder schon von GM allein eine katastrophale Kettenreaktion in der US-Wirtschaft auslösen könnte. Bis zu drei Millionen Jobs könnten verloren gehen, es drohten Steuerausfälle von mehr als 150 Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren. (rri)

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