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Asien

Generäle plündern Birmas Reichtum

Birma verfügt über eine Menge Bodenschätze und Rohstoffe. Aber die Bevölkerung hat so gut wie nichts davon. Das Militärregime beutet schon seit langem die Ressourcen des Landes aus.

Rangun (Foto: dpa)

Für das Volk bleibt nichts vom Reichtum Birmas

Die Insel Ramree an der Westküste Birmas ist zweimal so groß wie Singapur. Mehr als 400.000 Menschen nennen das Eiland ihr Zuhause. Traditionell haben die Bewohner vom Fischfang und von der Landwirtschaft gelebt - Öl war für sie nur ein Nebenprodukt, dass sie an lokale Raffinerien verkauften. Abfall- und Nebenprodukte wurden unter anderem dazu genutzt, um Boote abzudichten und Lampen herzustellen.

Aber damit ist es vorbei seit Firmen aus China, Singapur und Birma sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen und Ende 2004 damit begonnen haben, unter Federführung der "China National Offshore Oil Corporation" Öl in großem Stil auf Ramree zu fördern.

Multinationale Konzerne zerstören lokale Wirtschaft

Tankstellen-Schild (Foto: dpa)

Birmas Rohstoffe locken Firmen der asiatischen Nachbarstaaten an

Für die Bewohner hat das fatale Folgen. "Die lokale Wirtschaft wurde durch die multinationalen Konzerne monopolisiert. Als diese Firmen auftauchten, verschwanden landwirtschaftliche Flächen, oder die Bewohner mussten diese zu einen Billigpreis verkaufen", schildert der Umweltschützer Saw Frankie Abreu die Entwicklung der letzten Jahre. Vorher konnten die Einwohner prinzipiell alles unter sich ausmachen und mit den lokalen Händlern verhandeln. "Aber mit den multinationalen Firmen geht das nicht, und so wurde die Lebensgrundlage der Inselbewohner zerstört."

Ohnehin war der Boden unbrauchbar für die Landwirtschaft geworden, nachdem das Firmenkonsortium mit der massiven Förderung von Öl begonnen hatte. Die Abwässer vergifteten Fische und Pflanzen, viele Menschen wurden krank.

Tasang-Staudamm und Umweltzerstörung

Staudamm (Foto: AP)

Unter dem Militärregime in Birma sind umstrittene Großprojekte ohne laute Proteste möglich

Ein anderes Beispiel für rücksichtsloses Profitstreben ist der Tasang-Staudamm am Salween-Fluss im Shan-Staat, an dessen Bau unter anderem China und Thailand beteiligt sind. Birmas Militärs wollen die Wasserkraft-Energie des künftigen Staudammes nicht allein für den nationalen Markt nutzen, sondern auch exportieren – hauptsächlich ins Nachbarland Thailand.

Etliche tausend Bewohner wurden nach Angaben von Umweltschützern bereits vertrieben, bedroht oder zur Zwangsarbeit gezwungen. Auch die Zerstörung der Umwelt, sei es aus Geldgier, Not oder um Platz zu schaffen für eine neue Infrastruktur, schreitet weiter voran. Der Aktivist Sai-Sai von der "Shan Sapawa Environment Organisation" verfolgt die Entwicklung in dem betroffenen Gebiet mit großer Sorge: "Etwa seit dem Jahr 2000 nimmt die Anzahl der Waldflächen dort immer weiter ab", sagt der Umweltschützer. "Die Entwaldung findet unter anderem dort statt, wo der Staudamm gebaut werden soll und es ist sicher, dass der Wald nahezu völlig zerstört werden wird."

Flüchtlinge aus Birma (Foto: Holger Grafen)

Wer dem Regime im Weg steht, wird verfolgt und vertrieben

Die Asean-Länder und China beharren prinzipiell darauf, sich nicht in die politischen Angelegenheiten Birmas einzumischen – was sie jedoch nicht davon abhält, Geschäfte mit den Generälen zu machen. "Unserer Ansicht nach mischen sie sich längst ein, indem sie sich an Projekten und Investitionen beteiligen, von denen die Junta und deren Geschäftskumpane profitieren", kritisiert die im thailändischen Exil lebende Dissidentin Khin Ohmar. "Damit tragen sie klar zu den Problemen unseres Landes bei."

Birmas Bevölkerung geht leer aus

Landarbeiter in Birma (Foto: AP)

Der Raubbau bedroht die kargen Einnahmen der birmanischen Bauern

Birmas zumeist verarmte Bevölkerung sieht von den Einnahmen nichts. Auch Entschädigungen gibt es so gut wie nie. Die Menschen hätten keinen Nutzen davon, im Gegenteil, moniert der Umweltschützer Sai Sai von der "Shan Sapawa Environment Organisation". Die Betroffenen würden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben und auf diese Weise zu Flüchtlingen in den Nachbarländern. "Alle Investitionen kommen direkt dem Militärregime zugute, das auf diese Weise immer mächtiger wird. Ein Wechsel hin zu Demokratie und einer friedlichen Entwicklung ist in Birma daher nicht in Sicht."

Der Raubbau an den Ressourcen werde weitergehen, solange die Militärs an der Macht seien, sagen die Aktivisten. Denn solange habe die lokale Bevölkerung keine Chance, sich gegen die gewaltsame Vereinnahmung ihrer Gebiete zu wehren.

Autorin: Nicola Glass

Redaktion: Nicola Reyk