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Kultur

Gender-Studie: Männer dominieren TV-Bildschirme

Tritt Frau im Fernsehen auf, träumt sie meist von Liebe - während Männer die Weltprobleme lösen. Doch geht es nicht nur um Stereotypen. Forscher ermittelten nach 3000 Stunden TV: Auf zwei Männer kommt nur eine Frau.

Zunächst sieht es gut aus: Solange Schauspielerinnen jung sind, sieht man sie sogar etwas häufiger im Fernsehen als ihre männlichen Kollegen. Doch ab Mitte 30 geht es kontinuierlich bergab - und erreicht einen erschreckenden Tiefpunkt ab dem 50. Lebensalter: Auf eine weibliche Darstellerin kommen in dieser Alterklasse acht männliche.

Zudem sind Frauen in den eigentlich besten Jahren hier vor allem auf unvorteilhafte Rollen beschränkt wie beispielsweise die der betrogenen Ehefrau oder der Oma. Zu diesem Ergebnis kam eine Gender-Studie der Universität Rostock , die von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Malisa-Stiftung initiiert und sowohl von den öffentlich-rechtlichen als auch von den privaten Sendern gefördert wurde.

"Männer erklären die Welt"

Noch bedenklicher steht es um die nicht-fiktionalen Inhalte, sprich die Informationssendungen. So überwiegen hier Männer deutlich: als Sprecher mit 72 Prozent, in Expertenrunden mit 79 Prozent und als Moderatoren mit 80 Prozent. Zwar werden Polittalks unter anderem von Journalistinnen wie Maybrit Illner, Anne Will oder Sandra Maischberger moderiert, diese sind dann jedoch auch häufig die einzigen Frauen.

Porträtfoto Maria Furtwängler (Foto: picture-alliance/dpa)

Initiierte die Gender-Studie: Schauspielerin Furtwängler

"Ganz klare Erkenntnis unserer Studie: Männer erklären die Welt, während Frauen im Alter verschwinden", fasst Maria Furtwängler die Gender-Studie in einem Interview im Deutschlandfunk zusammen.

Die Tatort-Kommissarin ist zwar trotz ihrer 50 Jahre eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, dennoch wollte sie vor allem für ihre Kolleginnen das diffuse Gefühl, Frauen seien seltener beschäftigt, mit stichfesten Zahlen belegen. "Ich bin optimistisch, dass das deutliche Ergebnis zu Veränderung führen wird." 

Rollenklischees für die Kleinsten

Besonders ärgern sie die Ergebnisse im Bereich Kinderfernsehen. Gerade in der Sparte, in der Geschlechterverhältnisse früh geprägt werden könnten, werden Klischees manifestiert. Nur eine von vier Rollen ist weiblich, bei Zeichentrickfilmen kommt sogar auf neun männliche Tierfiguren nur eine weibliche.

"Wenn weibliche Figuren vorkommen, dann sind sie sehr oft in einem schmalen Muster", sagt Furtwängler. "Sie sind Feen, Hexen, Mütter und sehr stark das Objekt der Begierde. Sie sind nicht die Entdeckerinnen, die technischen Erfinderinnen, die Piraten, die Kosmonauten."

Lars, der kleine Eisbär (Foto: picture alliance/United Archives/IFTN)

Männliche Tierwelt: "Der kleine Eisbär" und seine Zeichentrickkollegen dominieren im Kinder-TV

Einziger Lichtblick im deutschen TV sind ausgerechnet die Daily Soaps und Telenovelas, die ansonsten wenig für ihre Gender-Themensetzung bekannt sind. So sind sowohl bei "Rote Rosen" des öffentlich-rechtlichen Senders ARD und bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" des Privatsenders RTL die Darstellerinnen in der Mehrzahl.

Die Studie "Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland" analysierte 3000 TV-Programme und 1000 Kinofilme. Dass den untersuchten Fernsehsender das Thema wichtig ist, bewiesen sie bei der Präsentation der Ergebnisse am 12. Juli in Berlin. So waren die Spitzen von ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat. 1 erschienen - sie alle bekräftigten, dass es Handlungsbedarf gäbe. Man wolle künftig mehr "Bewusstsein schaffen". Wie genau das aussehen soll, blieb jedoch offen.

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