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Aktuell Deutschland

Genc-Preis vergeben: Signal der Hoffnung und Versöhnung

Die Tochter des mutmaßlich von Rechtsterroristen ermordeten Abdurrahim Özüdogru und der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, der SPD-Politiker Edathy, werden mit dem Genc-Preis ausgezeichnet.

Versöhnung, Verständigung, Integration – für diese Werte steht der Genc-Preis, den die Deutsch-Türkische Gesundheitsstiftung (TDG) seit 2008 in einem zweijährigen Turnus verleiht. Dieses Mal wurden am Dienstag in Berlin zwei Personen ausgezeichnet, die sich aus Sicht der Preisstifter unter dem Eindruck der mutmaßlichen Mordsserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) vorbildlich für ein friedliches Miteinander einsetzen: Tülin Özüdogru (im Artikelbild links) verlor ihren 2001 in Nürnberg erschossenen Vater Abdurrahim, Sebastian Edathy leitet den NSU-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages.

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Interview mit Sebastian Edathy

Tülin Özüdogru erhielt die Auszeichnung, weil die "trotz tiefster Trauer die Gesellschaft nicht plakativ beschuldigte", begründete die Jury ihre Entscheidung. Damit gebe sie ein "herausragendes Beispiel für Versöhnung". Der Sozialdemokrat Edathy erhielt den Preis für sein langjähriges persönliches Engagement gegen Rechtsextremismus und stellvertretend für die Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses insgesamt. Das "zielgerichtete Auftreten bei der lückenlosen Aufklärung der NSU-Morde", sei beispielgebend, hieß es zur Begründung.

Familie Genc verlor fünf Angehörige

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ist nach der Solinger Familie Genc benannt, die 1993 bei einem rassistisch motivierten Brandanschlag fünf Angehörige verloren hat. Schirmherr des Preises ist der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert (CDU).

Zu den ersten Preisträgern gehörte 2008 der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der für seine Bemühungen um eine bessere Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln und seine vermittelnde Rolle beim Kölner Moschee-Bau ausgezeichnet wurde.

Schramma erhielt den Genc-Preis gemeinsam mit Kamil Kaplan, der bei einer Brandkatastrophe in Ludwigshafen mehrere Familienmitglieder verloren hatte. Die Jury würdigte seine vielfältigen Bemühungen Ausgleich, Besonnenheit, Verständigung und Versöhnung. Ein weiterer Preisträger ist der aus Ägypten stammende Elwi Ali Okaz, dessen Frau im Juli 2009 in einem Dresdner Gerichtssaal von einem Rassisten erstochen wurde. Die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung begründete Okaz' Auszeichnung mit seiner versöhnlichen Haltung, die er immer gezeigt habe.

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