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Kultur

Gen-Food: Gefährlich oder völlig harmlos?

Gentechnik im Essen - das macht vielen Menschen Angst: Neue Allergien, wirkungslose Antibiotika, vielleicht sogar Krebsgefahr? Was ist dran an den Befürchtungen?

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Lebensmittel auf dem Prüfstand

Atemnot. Herzrasen. Die Luftröhre wie zugeschnürt. Der Asthma-Anfall eines Allergikers. Eigentlich hatte der Betroffene sein Leiden im Griff. Auf die Erreger getestet, ging er den Allergenen – in seinem Fall Nüsse – einfach aus dem Weg: Kein Studentenfutter, keine Erdnusscreme, keine Müsliriegel. Und auch jetzt hat er doch nur Sojamilch getrunken. Eine erfundene Szene – doch gar nicht so unrealistisch: Ein großer Lebensmittelhersteller hatte versucht, Soja mit Erdnuss-Genen anzureichern. Nur massive Proteste von Allergiker-Organisationen stoppten das Experiment.

Die Merheit ist gegen Gen-Food

81% der Deutschen sind gegen Gen-Food. Das ergab eine Umfrage des Pew Global Attitudes Project im Juli 2003. Aber wie gefährlich sind genetisch modifizierte Lebensmittel wirklich? Fördern sie neue Allergien? Machen sie Krankheitserreger resistent gegen Medikamente?

Oder sind sie schlicht ungefährlich, vielleicht sogar heilsbringend, wie die neue bunte Vielfalt vitaminschwangerer,

DNS Modell, Genetik

Modell: DNA-Molekül

lactobakterieller Health-Gen-Food-Produkte verspricht? Positive oder negative Befunde – die Gentechnik ist noch eine junge Wissenschaft. Langzeitstudien ihrer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit fehlen.

"Es gibt bei genetisch modifizierten Lebensmitteln kein wissenschaftlich nachgewiesenes Gefährdungspotential, das es bei konventionellen Lebensmitteln nicht gibt," beruhigt Professor Klaus-Dieter Jany von der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe. Auch ein plötzlicher Allergieschock durch Gen-Food sei unwahrscheinlich: "Zwar könnten theoretisch neue Allergien entstehen. Da die gentechnisch hinzugefügten Proteine jedoch bekannt sind, kann man diese weitgehend testen."

"Es besteht keine Gefahr"

Auch das International Council of Science (ICSU), ein internationaler Zusammenschluss von Forschungsinstituten mit Sitz in Paris, kommt in einem Report vom Juni 2003 zu einem klaren Ergebnis: "Die derzeit erhältlichen genmanipulierten Lebensmittel können so gefahrlos verzehrt werden, wie ihre konventionellen Gegenstücke."

Also doch keine Gefährdung der Gesundheit durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebens- und Genussmitteln? Nein, soweit will man dann doch nicht gehen: Ein Restrisiko können auch die sonst so sicheren Experten nicht gänzlich ausschließen – zumindest nicht für die Zukunft.

"Obwohl man die derzeit erhältlichen Produkte gefahrlos essen kann,

Ein geklontes Schwein in Thaiwan

Ein genetisch "manipuliertes" Schwein

kann nicht garantiert werden, dass auch bei neuen Entwicklungen keine Risiken entstehen werden," gibt das ICSU in seinem Report zu bedenken. Ähnlich Klaus-Dieter Jany: "Eine hundertprozentige Sicherheit kann man im Lebensmittelbereich nie erreichen."

"Ein Risiko bleibt"

Und genau das ist das Problem. Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen wie Greenpeace kritisiert seit Jahren die fehlenden Langzeitstudien am Menschen. "Es bleibt ein Risiko. Und so lange eine Gefährdung nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, muss das Vorsorgeprinzip gelten. Genetisch veränderte Produkte dürfen nicht eingesetzt werden," so Corinna Hölzel von Greenpeace.

Denn die Frage bleibt: Wie wirkt es sich in 20 Jahren aus, wenn man ab heute täglich einen genetisch manipulierten Schokoriegel nascht? Noch kann das niemand sagen.