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Nahost

Gemischte Stimmung zum Jahrestag der Staatsgründung

Israel hat sich zu einem modernen, fortschrittlichen und demokratischen Land entwickelt. Doch trotz der beeindruckenden Erfolgsstory überschattet der Nahostkonflikt bis heute das Land, meint Peter Philipp.

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60 Jahre Israel: Israelis und Palästinenser halten für einige Stunden oder Tage inne und gedenken des Jahres 1948, als alles begann. Und wieder einmal ist der Jahrestag Anlass zum Feiern und zur Demonstration der Stärke für die einen und zu Wehmut, Trauer und Unterlegenheitsgefühl für die anderen.

Umso erstaunlicher, dass Nachdenklichkeit inzwischen auch auf israelisch-jüdischer Seite Einzug hält. So wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen, was die Tageszeitung "Haaretz" anlässlich des Jubiläums räsonierte: "Sechzig Jahre Nakba, sechzig Jahre nichts."

"Nakba" ("Katastrophe") - so bezeichnen die Palästinenser den Gründungstag Israels. Natürlich empfindet der Autor nicht die Gründung Israels als Katastrophe, wohl aber, was seitdem geschehen ist. Und auch, was nicht geschehen ist: Nämlich, dass kein Frieden zustande gekommen ist.

Beim letzten großen Jubiläum vor zehn Jahren, da war man noch optimistisch und hatte gehofft, die Oslo-Abkommen könnten vielleicht doch noch zu etwas führen. Längst ist davon nichts mehr übrig geblieben und die Versuche George W. Bushs, seine Amtszeit mit einem Nahost-Frieden abzuschließen, werden von kaum jemandem als erfolgsverdächtig betrachtet. 80 Prozent der Israelis glauben nicht daran, unter den Palästinensern dürften es noch mehr sein.

Dieser Pessimismus schmälert die Erfolgsstory, die Israel sonst auf weiten Bereichen ist: Der jüdische Staat ist nicht nur Hunderttausenden von Überlebenden des Holocaust zur neuen Heimat geworden, sondern er hat sich auch zu einem modernen und fortschrittlichen Land entwickelt - trotz aller gesellschaftspolitischen Skurilitäten eine lebendige Demokratie, in der Region führend auf den Bereichen Wissenschaft und Medizin, mit einer leistungsfähigen Wirtschaft und dem - immer noch – stärksten Militär.

Was nützen aber all diese Errungenschaften, wenn der Frieden fehlt, der Voraussetzung dafür wäre, diese endlich einmal zu genießen? Die 60 Jahre israelischer Staatsgeschichte sind voll von verpassten Chancen, einen solchen Frieden zu erlangen. Verpasst von beiden Seiten. So, wie die Palästinenser – und mit ihnen die arabische Welt – allzu lange jeden Gedanken auf Frieden und Anerkennung zurückgewiesen haben, so verließen sich auch sämtliche israelische Regierungen lieber auf militärische Stärke als auf Diplomatie und Konzessionsbereitschaft.

In Israel erinnert man oft an die „drei Neins" der Araber nach dem Sechstagekrieg: Nein zu Verhandlungen mit Israel, Nein zur Anerkennung Israels, Nein zum Frieden mit Israel. Auch Israel hat aber eine lange „Nein-Liste" aufzuweisen: Lange wollte man die Palästinenser nicht einmal als zusammengehörende Gruppe anerkennen, dann wurde die Idee eines palästinensischen Staates abgelehnt. Heute sind die Haupt-Tabus für Israel die Frage einer Rückkehr von Flüchtlingen und die eines Kompromisses über Jerusalem. Um nur die wichtigsten „Neins" zu nennen. Eine weitere „Katastrophe" für beide Seiten: Sie sind unablässig dabei, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

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