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Asien

Gemischte Reaktionen auf Facebook-Schließung

"Verbreitung von blasphemischem Material" - so lautet der pakistanische Vorwurf gegen die Internetplattform Facebook und das Videoportal Youtube.

Proteste gegen Facebook in Pakistan (Foto: dpa)

Proteste gegen Facebook in Pakistan

Pakistan hält seine Blockade der populären Internet-Plattformen Facebook und YouTube weiter aufrecht. Die Regierung verlangt von den Webseiten, Karrikaturen und andere Bilder des Propheten Mohammed zu entfernen. Facebook ist in Pakistan ausgesprochen beliebt. Die Seite wird von zwei bis drei Millionen Pakistanern regelmäßig besucht, um Kontakt mit Verwandten und Freunden im Ausland zu pflegen, Bilder hochzuladen oder einfach nur im Status-Update der Welt mitzuteilen, was man gerade macht.

Geteilte Meinungen

Dennoch wird die Blockade, die auf ein Gerichtsurteil in Lahore zurückgeht, von vielen Pakistanern unterstützt, besonders wenn man in der Öffentlichkeit nachfragt. Denn die meisten Muslime in Pakistan sind sicher, dass der Islam jede bildliche Darstellung des Propheten Mohammed verbietet. "Ich habe wirklich Respekt vor dem, was die Regierung getan hat", meint beispielsweise eine Studentin aus Islamabad. Und sie steht nicht allein da mit ihrer Meinung. Denn in religiösen Fragen sehen viele keinen Platz für Toleranz. Es sei in Ordnung, dass Facebook geschlossen wurde, findet auch ein Kommilitone - und fordert: "Pakistan sollte sein eigenes Online-Netzwerk starten.

Protestierende Frauen mit Trransparent in Islamabad (Foto: AP)

Protestierende Frauen mit Trransparent in Islamabad

Die Gegner der Sperrung äußern sich weniger lautstark. Es ist leicht, in Pakistan als Islam-Gegner in Verruf zu geraten. Doch in Blogs und auch auf Facebook selber treten viele für die freie Meinungsäußerung ein. Syed Ali Abbas Zaidi, ein Ingenieur in Islambad, hat eine entsprechende Gruppe auf Facebook mit eingerichtet. "Viele Pakistaner nutzen Facebook auch für gute Zwecke", berichtet er. So hätten beispielsweise "Pro-Islam-Seiten" auf Facebook Millionen von Mitglieder. "Ein Freund von mir betreibt so eine Seite und verbreitet eine positive Botschaft vom Islam in der ganzen Welt damit. Meine Freunde und ich haben viel Gutes auf Facebook gemacht, das den Menschen hilft."

Aufruf zu Mohammed-Zeichnungen

Ein pakistanischer Journalist in Islamabad protestiert im Februar 2006 mit einer Karikatur gegen die Mohammed-Zeichnungen in einer dänischen Zeitung (Foto: AP)

Pakistanischer Journalist in Islamabad protestiert im Februar 2006 gegen die Mohammed-Zeichnungen in einer dänischen Zeitung

Facebook war in die Kritik geraten wegen einer Seite, die den 20. Mai zum "Jeder-soll-Mohammed-zeichnen-Tag" ausgerufen hatte. Die Idee für diesen Tag kam ursprünglich von einer Karikaturistin aus Seattle, die damit wiederum auf Drohungen radikaler Muslime gegen ihre Kollegen von der US-Zeichentrickserie "South Park" reagierte.

Kalsoom Lakhani, eine pakistanische Bloggerin in Washington, warnt allerdings vor einem Automatismus, der durch die jüngsten Entwicklungen in Gang gekommen sei. Sie hält es für falsch, die Spirale von Provokationen und Protesten weiterzudrehen. "Die Ironie ist doch, es gibt so viel Hass in der Blogosphäre, auf Facebook, im Netz insgesamt – aber je mehr Ärger dieser 'Mohammed-Mal-Tag' ausgelöst hat, desto mehr Aufmerksamkeit hat er auch wiederum bekommen."

Enttäuschte Erwartungen

Der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf (Foto: dpa)

Der ehemalige pakistanische Präsident Pervez Musharraf

Die meisten pakistanischen User hatten von Facebook einen anderen Umgang mit der Kontroverse erwartet. Syed Ali Abbas Zaidi meint, Facebook messe mit zweierlei Maß und gehe mit Beleidigungen nicht ausgewogen um. "Ich hatte zum Beispiel eine Protest-Seite eingerichtet, als General Musharraf 2007 in Pakistan den Notstand ausrief und die Medien unterdrückte. Die hatte 10.000 Mitglieder." Dann aber sei die Seite von Facebook aus dem Netz genommen worden - mit der Begründung, sie habe Hass geschürt und sei beleidigend. "Aber jetzt, als Millionen von Muslimen gegen den ‚Mohammed-Mal-Tag’ protestierten, da hat Facebook nichts dergleichen unternommen.“

Die pakistanische Regierung hat erklärt, sie sei bereit, die Sperrung von Facebook und YouTube zu revidieren, sobald die Betreiber Seiten mit anstößigem Inhalt entfernten. Berichten zufolge überlegt Facebook inzwischen, die Seite mit dem "Mohammed-Mal-Tag" zumindest für Pakistan zu blockieren.


Autor: Thomas Bärthlein
Redaktion: Esther Broders