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Europa

Gemischte Gefühle zum Papstabschied

Mit einer großen Messe ist der England-Besuch von Benedikt XVI. zu Ende gegangen. Wie erwartet war die Reise von Protesten gegen den Papst begleitet. Das Kirchenoberhaupt konnte aber auch einige Sympathien gewinnen.

Papst Benedikt XVI. (Foto: AP)

Papst Benedikt XVI.

Bei einer großen Messe in Birmingham sprach Papst Benedikt XVI. am Sonntag (19.09.2010) den 1890 verstorbenen John Henry Newman selig. Der spätere Kardinal war 1845 als namhafter anglikanischer Theologe zum Katholizismus übergetreten. 60.000 Menschen kamen zu der Feier, die zugleich den öffentlichen Abschluss der viertägigen Großbritannien-Reise markierte.

Während des Gottesdiensts erinnerte das katholische Kirchenoberhaupt an die Luftschlacht um England vor 70 Jahren. Für ihn, der "in den dunklen Tagen des Nazi-Regimes in Deutschland gelebt und gelitten" habe, sei es sehr bewegend, bei diesem Anlass mit Briten zusammen zu sein. Viele Bürger dieses Landes hätten "im mutigen Widerstand gegen die Kräfte dieser bösen Ideologie ihre Leben geopfert".

"Protest the pope"

Schilder von Anti-Papst-Demonstranten (Foto: AP)

Tausende protestierten am Samstag gegen den Papst

Viele Briten heute hatten seit Monaten alles getan, diese Veranstaltung wie die gesamte Reise zu verhindern. "Protest the pope" war ihr Motto vor und während der vergangenen Tage. Der Protest der Papstgegner richtet sich gegen die katholische Sexualmoral sowie die Einstellung der Kirche gegenüber Frauen und Homosexuellen. Vor allem aber gegen den Umgang mit den Missbrauchsfällen.

Das Thema beschäftigt Deutschland seit Monaten, die katholische Weltkirche seit Jahren. Schon bei seiner vergangenen Auslandsreise nach Malta traf Benedikt XVI. Opfer sexuellen Missbrauchs. Auch in England kam er am Samstag mit fünf Betroffenen zusammen. Der Sender BBC berichtete anschließend, der Papst habe Tränen in den Augen gehabt, als er sich bei den Opfern entschuldigte.

Positive Presse

Die Begegnung dauerte länger als die mit Premierminister David Cameron kurz zuvor. Und sie wird das Bild des Deutschen in England wohl auch nachhaltiger prägen als das Treffen mit Königin Elizabeth II. zu Beginn der Reise. Die britische Presse urteilte am Sonntag wie schon in den Tagen zuvor weitgehend positiv über Benedikt.

Papst und Königin Elisabeth II. (Foto: AP)

Zu Beginn der Reise Treffen mit Queen Elisabeth II.

Er sei kein "Rottweiler", schrieb die politisch mittige "Sunday Times", sondern ein "heiliger Großvater". Mit Blick auf die Missbrauchsfälle habe der Papst "großen moralischen Mut" bewiesen, schreibt auch der konservative "Sunday Telegraph".

Bei soviel Sympathie zeigten sich die meisten Kommentatoren beschämt über den Umgang der Papstgegner mit dem Kirchenoberhaupt. Die "antikatholischen Tiraden" eines Richard Dawkins bringe "uns Atheisten" nur "in Verruf", beklagt Dominic Lawson in der "Times". Der liberale "Independent" dagegen titelte unverdrossen mit der Überschrift "Katholiken sagen dem Papst: Du hast Unrecht" und zeigt Umfrageergebnisse, wonach die Mehrheit der Katholiken sowohl Abtreibung als auch Verhütung unterstützen.

Autor: Michael Borgers (kna, dpa)

Redaktion: Herbert Peckmann

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