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Afghanistan-Strategie

Gemischte Gefühle nach Trumps Kurswechsel

Afghanistan und die NATO begrüßen Donald Trumps Bekenntnis zum Kampf gegen die Taliban. Kritiker befürchten dagegen weitere zivile Opfer und eine Eskalation der ohnehin angespannten Lage in dem Land.

US-Soldaten in Afghanistan (AFP/Getty Images/N. Shirzada)

US-Soldaten bei einer Patrouille im afghanischen Distrikt Khogyani (Archivbild)

Die US-Truppen aufstocken, die Taliban besiegen und dann schnellstmöglich alle Soldaten nach Hause holen. So sieht es die neue US-Strategie von US-Präsident Donald Trump für den Einsatz in Afghanistan vor, die bei der afghanischen Regierung auf große Gegenliebe stößt. Staatschef Aschraf Ghani sieht die Ankündigung aus Washington als einen Beleg für das "fortdauernde Engagement" der USA. Das Land sei einer der wichtigsten Partner. Über Twitter bedankte sich Ghani auch im Namen des afghanischen Volkes bei Trump.

Lob für die Entscheidung kam auch aus Brüssel. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßte die Neuausrichtung der US-amerikanischen Afghanistan-Politik und erklärte, das Verteidigungsbündnis stehe weiter uneingeschränkt zu dem Land. Das Ziel der NATO sei weiterhin, dass Afghanistan nie wieder ein sicherer Rückzugsort für Terroristen werde, die Alliierte oder deren Partner angreifen wollten.

Aufstockung der Truppen

Stoltenberg erinnerte zugleich daran, dass der Afghanistan-Einsatz der NATO gestartet worden war, um die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. Zudem wies er darauf hin, dass sich in den vergangenen Wochen bereits mehr als 15 Länder dazu bereit erklärt hätten, die Zahl ihrer Truppen für den Afghanistan-Einsatz der NATO noch einmal aufzustocken.

US- und afghanische Soldaten in Afghanistan (Getty Images/AFP/W. Kohsar)

US-Soldaten und Mitglieder der Afghanischen Nationalarmee im Distrikt Khogyani (Archivbild)

Auch in Indien teilt man die Sorge, Afghanistan könne erneut zum Rückzugsraum für Terroristen in Zentralasien werden. Deshalb begrüßte das Außenministerium in Neu Delhi die Ankündigung zum Ausbau des Engagements aus Washington. Aus dem am Dienstag veröffentlichten Statement liest sich aber auch unverhohlene Freude über die Kritik Washingtons an Pakistan. Trump hatte erklärt, das Land sei ein "sicherer Hafen" für "Chaosstifter", unter anderem, um den Einfluss des Rivalen Indien in der Region einzudämmen.

Ähnlich wie Indien forderte auch Deutschland Pakistan dazu auf, den Terrorismus entschiedener zu bekämpfen. Gleichzeitig zeigte man sich in Berlin zufrieden darüber, dass US-Präsident Trump das militärische Engagement seines Landes in Afghanistan fortsetzen will. "Es ist richtig und die Bundesregierung hat lange dafür geworben, dass ein Ende des Einsatzes an die Bedingungen vor Ort geknüpft wird," sagte eine Regierungssprecherin. Auf der anderen Seite müsse die Führung in Kabul den Dialog mit denjenigen Teilen der Taliban suchen, die zu einem friedlichen Ausgleich bereit seien.

Sorge vor "Hau-Drauf-Strategie"

Zweifel an der neuen Strategie kommen hingegen aus Russland. Laut Nachrichtenagentur Interfax heißt es aus dem Außenministerium, man erwarte keine signifikanten positiven Veränderungen der Lage durch eine Ausweitung des Einsatzes.

Deutlicher fällt hingegen die Kritik der Grünen an der neuen Afghanistan-Strategie aus. "Trumps Rede ist fatal für die Lage in Afghanistan", erklärte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour. Wenn Trump "Angriff" sage, sei eine brachiale "Hau-Drauf-Strategie" zu erwarten. Dabei seien die zahlreichen zivilen Opfer in Afghanistan eines der "Haupthindernisse für die Schaffung von Vertrauen in die Staatlichkeit und für Sicherheit" gewesen, so Nouripour weiter.

Angespannte Sicherheitslage

Nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes im Dezember 2014 hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan drastisch verschlechtert. US-Präsident Trump hatte deshalb am Montag entgegen der Ankündigungen vor seiner Wahl erklärt, den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban verschärfen zu wollen. Anschließend würden sich die USA aber nicht mehr daran beteiligen, das Land nach ihrem Modell zu verändern.

Die NATO plant eine Aufstockung der Kräfte von derzeit rund 12.400 auf mehr als 15.000 Soldaten im kommenden Jahr. Wie groß die Beteiligung der USA an dem Ausbau des Engagements ausfallen wird, ist noch unklar. Weder Trump noch Verteidigungsminister James Mattis nannten diesbezüglich konkrete Zahlen. Momentan sind rund 8400 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

djo/as (afp, ap, dpa, rtr)