1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Gemischte Bilanz nach Naturkatastrophen

Hurrikane, Überschwemmungen und Erdbeben haben im vergangenen Jahr so wenig Sachschaden angerichtet wie seit 2009 nicht mehr. Es gab aber mehr Todesopfer als im Vorjahr, wie die Münchener Rück berichtet.

Das Rückversicherungsunternehmen Münchener Rück bezifferte die 2015 durch Naturkatastrophen verursachten Schäden am Montag auf 90 (2014: 110) Milliarden Dollar. 27 (31) Milliarden Dollar davon mussten die Versicherer und Rückversicherer tragen. Naturkatastrophen forderten aber mehr Todesopfer als ein Jahr zuvor. Insgesamt kamen dabei 23.000 Menschen ums Leben. Allein beim verheerenden Erdbeben in Nepal starben im April rund 9000 Menschen, mehr als bei allen Naturereignissen 2014 zusammen.

Ein Grund für das wirtschaftlich glimpfliche Katastrophenjahr ist das Klimaphänomen "El Nino", das dazu führte, dass weniger Wirbelstürme über dem Nordatlantik entstanden und mehr im dünn besiedelten Nordostpazifik. "2015 hatten wir, was die finanziellen Schäden angeht, auch Glück", sagte Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung der Münchener Rück.

Wissenschaftler warnen

Doch das könne schon im neuen Jahr anders werden, warnt der Wissenschaftler. Dann könnte "La Nina" zu mehr Hurrikanen im Atlantik führen, die meist in den USA und Kanada das Festland erreichen. 2015 erreichten nur vier Stürme über dem Nordatlantik Hurrikan-Stärke, im langjährigen Durchschnitt sind es doppelt so viele. Im Pazifik gab es demgegenüber 16 Hurrikane, davon elf schwere. Der schwerste im Nordostpazifik jemals gemessene Sturm "Patricia" erreichte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 340 Kilometer pro Stunde Mexiko, richtete in der dünn besiedelten Region aber relativ geringe Schäden an.

Eine längere Phase geringer Naturkatastrophenschäden lässt die Preise für Rückversicherungen erodieren, weil viele Erstversicherer dann glauben, einen größeren Anteil davon selbst tragen zu können. Im Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre lagen die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen laut dem weltgrößten Rückversicherer bei 130 Milliarden Dollar, die versicherten Schäden bei 34 Milliarden Dollar.

Schwellen- und Entwicklungsländer mit Versicherungsdefiziten

Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ist nur ein Bruchteil der Schäden versichert. Beim Erdbeben in Nepal am 25. April starben rund 9000 Menschen, eine halbe Million Menschen wurde obdachlos. Das Beben verursachte 4,8 Milliarden Dollar Schaden, wovon die Versicherer nur 210 Millionen Dollar zahlen mussten. Hitzewellen und Dürren in Südamerika, Afrika und Südostasien richteten 2015 rund zwölf Milliarden Dollar Schaden an, nur 880 Millionen Dollar davon ersetzten die Versicherer.

ul/iw (rtr, afp)

Die Redaktion empfiehlt