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Nahost

Gemischte Bilanz fünf Jahre nach dem Irakkrieg

Im Irak beurteilt erstmals seit zwei Jahren eine knappe Mehrheit der Bevölkerung die persönliche Lage wieder positiv, so eine Studie. Der Verdienst der Amerikaner ist das aber nicht.

Weiße Tauben zum Gedenkan an den Giftgasangriff auf Halabja vor 20 Jahren im kurdischen Teil des Irak, Foto: AP

Wie realistisch ist Frieden im Irak?

Fünf Jahre nach dem Einmarsch der US-Truppen wollen trotz der verbesserten Sicherheitslage immer noch vier Millionen Iraker ihr Land verlassen. Das geht aus einer am Montag (17.3.2008) veröffentlichten Umfrage hervor, die von der ARD zusammen mit den Sendern ABC, BBC und NHK im Vorfeld des fünften Jahrestages des US-Einmarsches im Irak in Auftrag gegeben wurde. Danach haben 18 Prozent der Iraker sogar schon konkrete Auswanderungspläne. Mehr als zwei Millionen Iraker sind seit Kriegsbeginn bereits geflohen. Die meisten von ihnen leben heute in den Nachbarländern Jordanien und Syrien.


US-Vizepräsident Dick Cheney im Irak, Foto: AP

US-Vizepräsident Dick Cheney auf Überraschungsbesuch im Irak

Unterdessen traf US-Vizepräsident Dick Cheney zu einem vorab nicht angekündigten Besuch im Irak ein. Er und der republikanische US- Präsidentschaftskandidat John McCain, der bereits am Sonntag in Bagdad gelandet war, trafen unabhängig voneinander mehrere US-Generäle sowie Mitglieder der irakischen Regierung zu Gesprächen über Sicherheitsfragen und die jüngsten innenpolitischen Entwicklungen.

Stimmungswandel im Irak?

55 Prozent der Iraker beurteilen allerdings die Sicherheit in ihrem Wohnbezirk heute laut der Umfrage wesentlich positiver als noch vor einem Jahr. Knapp die Hälfte glaubt, dass es ihnen in einem Jahr noch besser gehen wird. "Dieser Stimmungswandel steht in deutlichem Kontrast zu der extremen Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und dem Hass auf die Besatzungstruppen, die wir noch vor einem Jahr bei einer vergleichbaren Umfrage festgestellt haben", erklärte Arnd Henze, der die Studie für den WDR betreute.

Alltag auf einem Markt in Bagdad, Foto: AP

Die Sicherheitslage im Irak hat sich verbessert - sicher fühlen sich die Iraker aber nicht

Wenig geändert hat sich der Umfrage zufolge die Stimmung gegenüber den US-Truppen. Nur vier Prozent der Iraker werten den Rückgang der Gewalt als Erfolg der ausländischen Soldaten, die Verstärkung der US-Streitkräfte wird mehrheitlich als Verschärfung der Lage empfunden. Nur jeder fünfte Befragte hat Vertrauen zu den US-Truppen.

Kein Truppenabzug gewünscht

Trotzdem befürworten nur 38 Prozent einen sofortigen Abzug der Truppen, während die große Mehrzahl diesen an Bedingungen knüpft. "Die Iraker wollen einen gut vorbereiteten Abzug. Sie fürchten ein Machtvakuum, einen Bürgerkrieg zwischen den hochgerüsteten Milizen und die Bedrohung durch die Nachbarn", erklärt Henze. Einig sind sich die Iraker darin, dass die USA auch nach einem Abzug eine große Verantwortung für den Wiederaufbau sowie für den Schutz gegenüber Al Kaida, dem Iran und der Türkei übernehmen sollen. Es zeige sich, "dass die Stimmung der Iraker weniger durch einen rein emotionalen Hass auf die USA geprägt ist, als durch die sehr rationale Erwartung, dass die Besatzer die Verantwortung für den Schaden übernehmen, den sie im Irak angerichtet haben", erklärt Henze.

US-Soldaten in Bagdad, Foto: AP

Die Sicherheit ist nicht der Verdienst der US-Soldaten, so die Studie

Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die Lage der Iraker heute keineswegs besser als vor dem Sturz des Saddam-Regimes. "Saddam Husseins Regime war ein Synonym für die Verletzung von Menschenrechten", sagte Malcolm Smart, Amnesty- Abteilungsleiter für den Nahost, "aber sein Sturz hat den Irakern keinerlei Erleichterung gebracht." Der Amnesty-Bericht zum 5. Jahrestag des Beginns der US-geführten Invasion in der Nacht vom 19. auf den 20. März 2003 hat den Titel "Gemetzel und Hoffnungslosigkeit". Er berichtet von Massakern durch bewaffnete Gruppierungen, Folter durch die Sicherheitskräfte und fortgesetzter Inhaftierung durch die amerikanischen und irakischen Truppen.

Millionen Menschen in Not

"Die verbesserte Sicherheitslage in einigen Teilen des Iraks darf nicht davon ablenken, dass Millionen von Menschen weiterhin in einer Notlage leben und sich praktisch völlig selbst überlassen sind", hieß es zudem in einem in Genf veröffentlichten Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Seit 2003 sollen mehr als 2200 Ärzte und Krankenschwestern getötet und mehr als 250 Mediziner entführt worden sein. Von den 1990 registrierten 34.000 Ärzten hätten mindestens 20.000 das Land verlassen. Bei neuer Gewalt starben am Montag sechs Menschen im Irak. (ina)

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