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Nahost

Gemeinsam stark für Hamdeen Sabbahi

Die Präsidentschaftswahl in Ägypten wird zu einem Duell zwischen dem früheren Armeechef Sisi und dem Linkspolitiker Sabbahi. Sabbahis Wahlkämpfer setzen alles daran, ihm zum Präsidentenamt zu verhelfen.

"Wir haben wenig Zeit. Wir müssen alle mobilisieren", sagt die junge Ägypterin. Die anderen schauen sie an und nicken mit dem Kopf. Etwa dreizehn Wahlhelfer des Präsidentschaftskandidaten Hamdeen Sabbahi haben sich in einem Raum versammelt und sitzen in einem Stuhlkreis. Zwei junge Frauen haben ihre Laptops auf dem Schoß und schreiben fleißig mit. Es geht um die letzten Vorbereitungen für den Wahlkampf von Sabbahi, dem einzigen Konkurrenten des ehemaligen Militärchefs Abdel Fattah Al-Sisi und dem Kandidaten, dem die meisten Chancen bei den Präsidentschaftswahlen in Ägypten vorausgesagt werden. Sabbahi und sein Wahlkampfteam haben nicht mehr viel Zeit, um die Wähler zu überzeugen, denn am Samstag (03.05.2014) hat der Wahlkampf offiziell begonnen. Und Ende Mai (26./27.05.2014) soll bereits gewählt werden.

Linkspolitiker Hamdeen Sabahi (Foto: Reuters)

Hamdeen Sabbahi ist der einzige Gegenkandidat von Sisi

Einer von uns

Die Wohnung, die Sabbahis Wahlhelfer als Wahlbüro nutzen, liegt im Stadtteil Dokki. An den Wänden der Wohnung hängen überdimensional große Plakate von Hamdeen Sabbahi. Sie zeigen ihn in den unterschiedlichen Phasen seiner politischen Karriere: als Student, als Gewerkschafter und als Politiker. Fast immer ist er inmitten einer Menschenmenge zu sehen. Mal sind es Bauern, mal sind es Arbeiter bei einem Streik, mal steht er am Tahrir-Platz - umgeben von Demonstranten. Bilder, die den Kampfgeist, die Bodenständigkeit und die Volksnähe des Kandidaten und Politikers Sabbahi zeigen sollen. "Einer von uns", lautete der Slogan seiner Wahlkampagne bei der Präsidentschaftswahl von 2012. Damals wurde er Dritter, hinter Mohamed Mursi, dem Kandidaten der Muslimbrüder, und Ahmad Schafik, dem Kandidaten des alten Regimes.

Sabbahi ist im Land unterwegs auf Stimmenfang. Bei seinem Wahlkampfauftakt in Assiut (03.05.2014) im Süden Ägyptens, sagte er, er wolle "das Vertrauen des Volkes gewinnen, um die Politik der Korruption und der Tyrannei und der Armut zu ändern". Und das meine er auch so, sagt Hoda Kherbaoui. Die Frau Ende 40 ist zuständig für die Pressearbeit von Sabbahis Wahlkampagne. "Er kämpft seit Jahrzehnten für Freiheit und soziale Gerechtigkeit", sagt sie. "Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass er die Ziele der Revolution auch umsetzen wird", sagt sie entschlossen. "Bis jetzt gab es keine Widersprüche zwischen dem, was er sagt, und dem, was er tut." Er wolle ein demokratisches Ägypten.

Die Wahlhelferin Hoda Kherbaoui (Foto: DW)

Hoda (rechts) investiert ihre gesamte Freizeit in die Wahlkampagne

Sie selbst arbeitet in der Marketingabteilung einer ägyptischen Firma in Kairo. Trotzdem investiert sie ihre gesamte Freizeit in die Wahlkampagne des Herausforderers. Für sie, wie für viele andere Mitarbeiter der Kampagne, sind die anstehenden Wahlen eine Chance, "dass die Revolution endlich an die Macht kommt".

Die Revolution soll an die Macht

Insgesamt soll Sabbahi zwischen 100.000 und 150.000 Wahlhelfer haben. Die meisten von ihnen machen freiwillig mit. Viele von ihnen haben im Januar 2011 für die Absetzung Husni Mubaraks demonstriert und ebenso die Absetzung Mohamed Mursis im Sommer 2013 gefordert. So wie der 22-jährige Ibrahim Daoud, der sich sowohl vom Militär als auch von der Muslimbruderschaft verraten fühlt. Er betreut die sozialen Netzwerke von Hamdeen Sabbahi. Im Sekunden-Takt kommen Nachrichten von Twitter und Facebook bei ihm auf dem Smartphone an.

Ägypten brauche einen gerechten Präsidenten, "der wirklich an die Ziele der Revolution glaubt: Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit", sagt Daoud. Mit Hamdeen Sabbahi würde ein "Revolutionär" in den Präsidentenpalast einziehen. Dabei gehe es ihm nicht um die Person Sabbahi. Dann überlegt er kurz und sagt: "Hauptsache die Revolution kommt an die Macht. Unsere Ziele kann keiner aus dem alten Regime verwirklichen." Das alte Regime - damit meint er Abdel Fattah Al-Sisi.

Der Wahlhelfer Ibrahim Daoud (Foto: DW)

Ibrahim will, dass Sabbahi Präsident wird

Einziger Oppositionskandidat

Der Sturz der Muslimbrüder sei ein gemeinsames Ziel von Volk und Militär gewesen, sagt Hoda Kherbaoui. "Wir haben gehofft, dass sich das Militär danach aus der Politik zurückzieht." Der Kampf zwischen dem Militärmann Sisi und dem Zivilisten Sabbahi, sei entscheidend darüber, ob Ägypten eine demokratische Zukunft habe. Doch die Wahlhelfer wissen, dass Sisis Unterstützer mächtig sind. "Schon als wir damals dabei waren, um die erforderlichen Unterschriften für die Kandidatur zu sammeln, wurden wir angegriffen", erzählt Hoda Kherbaoui. "Falls der Staat weiterhin versuchen sollte, sich einzumischen, werden wir die Kandidatur zurückziehen", sagt Hoda Kherbaoui entschlossen.

Die weiteren Aktionen in den Provinzen haben sie bereits geplant. Der Slogan dieses Mal lautet: "Die Straße gehört uns" - ein Zeichen dafür, dass sie weitermachen wollen, egal wie die Wahlen ausgehen. "Unsere Chancen stehen nicht schlecht", glaubt Hoda Kherbaoui fest. Vorausgesetzt, die Wahlen verlaufen fair und transparent.

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