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Amerika

Gemeinsam sind wir stark

Optimismus mitten in der Krise? Das Weltwirtschaftsforum Lateinamerika ist am Donnerstag in Rio de Janeiro mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft zu Ende gegangen.

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Lateinamerika sei besser als andere Regionen gerüstet, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen - so die einhellige Meinung auf dem Weltwirtschaftsforum Lateinamerika, das am Donnerstag (16.04.2009) in Rio de Janeiro zu Ende ging. Die über 500 Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben sich auf dem zweitägigen Wirtschaftsforum in Brasilien auf neue Wege in der regionalen Wirtschaftspolitik geeinigt. In Zukunft sollen Regierungen, Wirtschaftsverbände und die Zivilgesellschaft stärker zusammenarbeiten. Umwelt- und Sozialbewusstsein sollen verstärkt in wirtschaftspolitische Entscheidungen einfließen. Die Liste der Forderungen wurde am Donnerstag nach Abschluss des Forums dem Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten José Miguel Insulza überreicht.


Soziale Verantwortung

Blick auf die Favela Rocinha in Rio de Janeiro

Bietet die Wirtschaftskrise die Chance, die Armut zu überwinden?

Ein Teil der Beschlüsse von Rio zielt auf die schnelle Erholung der Finanzmärkte und des Welthandels ab: kurzfristig werden eine Erhöhung der Liquidität sowie ein weiterer Abbau von Hemmnissen im globalen Handel gefordert. Darüber hinaus sollen internationale Agenturen und Entwicklungsbanken, wie z. B. die Interamerikanische Entwicklungsbank, mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet werden.


Im zweiten Teil des Forderungskatalogs widmen sich die Teilnehmer des Wirtschaftsforums von Rio den drängenden sozialen Probleme Lateinamerikas: Bekämpfung der Armut, bessere Bildung und nachhaltige Entwicklung. Darin sieht Ricardo Marino, der stellvertretende Vorsitzende des Forums für Lateinamerika und Vorstandsvorsitzender der Bank Itaú/Unibanco, einen Paradigmenwechsel in der Politik: "Es gibt jetzt den Wunsch, Verantwortung für soziale und ökologische Fragen zu übernehmen – das stellen wir sowohl bei den Regierungen als auch im privaten Sektor und in der öffentlichen Meinung fest." Marino ist davon überzeugt, dass die weltweite Krise Lateinamerika die Chance bietet, sich auf die Stärkung des Arbeitsmarktes und des Bildungssektors zu konzentrieren. "Darin liegt die Chance zur Überwindung unseres endemischen Problems: der Armut."


Grüne Wirtschaftspolitik als Konjunkturmotor

Lateinamerika sei nicht Teil der Krise, sondern Teil der Lösung. Diese Parole hat Ricardo Marino bereits auf dem Weltwirtschaftsforum von Davos Anfang des Jahres geprägt. Dass die Stimmung von Davos bis Rio so deutlich umschlagen würde hat viele Teilnehmer des jetzigen Forums überrascht. Herrschte in Davos noch allgemeiner Pessimismus, so hat man in Rio wieder neue Zukunftsperspektiven entdeckt: "grün ist wettbewerbfähig" lautet die Erkenntnis. Davon ist auch Luiz Fernando Furlan überzeugt. Der Berater des lateinamerikanischen Forums und Vorsitzende des brasilianischen Lebensmittelkonzerns Sadia sagt voraus, dass eine ökologisch orientierte Wirtschaftspolitik "Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen wird. Wir müssen neue Industrien und umweltfreundliche Dienstleistungen entwickeln, um die Weltkonjunktur wieder anzukurbeln.“


Amazonas

Der ressourcenreiche Amazonas-Urwald verschafft Brasilien einen Wettebewerbsvorteil

Brasiliens wahrer Reichtum


Das Weltwirtschaftsforum Lateinamerika hat, zusammen mit der renommierten Wirtschaftshochschule "Stiftung Dom Cabral", eine Studie zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit Brasiliens veröffentlicht. Unter 134 untersuchten Ländern liegt Brasilien auf einem eher schwachen 64. Platz. Auch die Autoren dieser Studie sprechen sich für die sogenannte "green economy" als Wachstumsmotor aus. Und sie hoffen, dass auch das Weltwirtschaftsforum von Davos sich diese Ideen zu eigen macht.


Der Wirtschaftswissenschaftler und Direktor der Dom Cabral –Stiftung, Carlos Arruda, hält es für "unmöglich im 21. Jahrhundert über Wettbewerbsfähigkeit zu sprechen, ohne über Umwelt zu sprechen." Dabei geht es ihm vorrangig um zwei Aspekte: die Reinhaltung von Luft und Wasser sowie die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. "Brasilien verfügt über einen enormen Wettbewerbsvorteil dank seines ökologischen Potentials."


Eine Frage des Vertrauens

Brasilien Megametropole Sao Paulo

Lateinamerika braucht dringend Auslandsinvestitionen

Lateinamerika steht noch vor einer weiteren großen Herausforderung: das Vertrauen von Investoren nicht zu verlieren, und weitere Investitionen in die Region zu locken. In der kommenden Woche treffen sich die Vertreter aller südamerikanischen Agenturen zur Außenwirtschaftsförderung in El Salvador, um über internationale Investitionen zu sprechen. Alessandro Teixeira, der Vorsitzende des Weltverbandes der Außenwirtschaftsagenturen (WAIPA) kündigte in Rio bereits an, es solle eine weltweite Kampagne gestartet werden unter dem Motto „Warum im Südamerika investieren?“

„Wir haben jetzt die Chance um den Handel und Investitionen in der Region zu intensivieren. Das wird entscheidend zum Wachstum beitragen.“


Teixeira, der auch Vorsitzender der brasilianischen Exportagentur Apex ist, beobachtet derzeit vor allem großes Interesse in Asien und dem Nahen Osten an Investitionen in Lateinamerika. "Länder wie Dubai, China und Indien suchen hier nach Möglichkeiten, in den Markt einzusteigen." Aber auch innerhalb Lateinamerika wachsen die Handelsbeziehungen immer weiter, so Teixeira: "In den letzten fünf Jahren hat der inter-regionalen Handel um über 25% zugelegt."


Alte Konflikte

Lula da Silva in Caracas G-15 Gipfel mit Hugo Chavez

Lula und Hugo Chávez verfolgen gegensätzliche strategische Interessen in Lateinamerika

Die Beziehungen zwischen den lateinamerikanischen Staaten stehen auch dem Amerika-Gipfel in Trinidad und Tobago ganz oben auf der Agenda. Ricardo Hausmann, der Direktor des Zentrums für Internationalen Entwicklung in der Universität Harvard, glaubt nicht jedoch an konkrete Ergebnise. Er bescheinigt dem neuen US-Präsidenten Barack Obama den "guten Willen zu einem Neuanfang" in den amerikanischen Nord-Süd-Beziehungen. Aber angesichts zweier radikal gegensätzlicher Visionen, die in Lateinamerika aufeinanderprallen sei auch der Handlungsspielraum Obamas begrenzt. „Das wesentliche Problem des Gipfels ist, das hier verschiedene Lager mit großem Konfliktpotential aufeinandertreffen: Auf der einen Seite der venezolanische Präsident Chávez mit seinem nationalistisch-populistischem Kurs. Und auf der anderen Seite steht der gemäßigte Lula, der auf Dialog und Kooperation mit den USA und Europa setzt." Ob Barack Obama den politischen Spagat leisten kann, auf diese beiden entgegen gesetzten Positionen politische Antworten zu bieten bleibt abzuwarten.

Autorin: Julia Carneiro

Redaktion: Mirjam Gehrke