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Politik

Gemeinsam gegen das Vergessen

Drei Tage vor dem 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz hielt die UN-Vollversammlung am 24.1.2005 eine besondere Sitzung ab: Gemeinsam wurde der Befreiung gedacht - erstmals seit der Gründung der Vereinten Nationen.

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Vor 60 Jahren befreit, für immer Symbol der Unmenschlichkeit: Auschwitz

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat an die Weltgemeinschaft appelliert, ein Wiederaufleben des Antisemitismus sowie alle anderen Formen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bekämpfen. Diese Verpflichtung aus der Gründungscharta der UN verbinde die Vereinten Nationen nicht allein mit dem jüdischen Volk, sondern zugleich mit allen anderen Menschen, die von einem ähnlichen Schicksal bedroht wurden oder noch werden, sagte Annan am Montag (24.5.) in New York auf einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zum Gedenken an die Befreiung der NS-Konzentrationslager vor 60 Jahren.

"Die Welt hat versagt"

"Seit dem Holocaust hat die Welt zu ihrer Schande mehr als einmal versagt, als es darum ging, Völkermord zu verhindern oder zu beenden", beklagte Annan. Dies sei zum Beispiel in Kambodscha, in Ruanda und im früheren Jugoslawien der Fall gewesen. "Doch die Tragödie des jüdischen Volkes war einzigartig", betonte Annan. Die Vereinten Nationen dürften niemals vergessen, dass die Weltorganisation als Reaktion auf die Verbrechen des Nationalsozialismus sowie unter dem Eindruck der Horrorbilder des Holocaust geschaffen wurde.

Bundesaußenminister Joschka Fischer hat den Massenmord an den Juden in Auschwitz als "absoluten moralischen Tiefpunkt" der deutschen Geschichte bezeichnet. Die barbarischen Verbrechen des Nazi-Regimes verpflichteten Deutschland in besonderem Maße zum Kampf gegen jede Form von Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, sagte Fischer auf der UN-Versammlung.

"Kompromisslos gegen jedwede Intoleranz"

Holocaust Gedenkfeier UN New York Elie Wiesel

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel auf der UN-Gedenkfeier

Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel betonte an gleicher Stelle, es sei bis heute unfassbar, wie so viele gebildete Deutsche sich schuldig machen konnten. Es sei aber auch zu fragen, ob die damaligen Westmächte nicht viel mehr hätten tun können, "um die Tragödie des jüdischen Volkes zu verhindern oder wenigstens ihr Ausmaß zu verringern".

Der israelische Außenminister Silvan Shalom sagte, für sechs Millionen vom NS-Regime ermordete Juden seien die Gründung des Staates Israel sowie der Organisation der Vereinten Nationen zu spät gekommen. Es sei aber nicht zu spät, für eine internationale Gemeinschaft zu wirken, die sich zu den Werten der UN bekennt. "Das bedeutet, kompromisslos gegen jedwede Intoleranz gegenüber Menschen aller Glaubensrichtungen und aller Volkszugehörigkeiten zu kämpfen."

Ausstellungen zu den Schrecken des Holocausts

Unterstützt wird die Gedenkveranstaltung von zwei Ausstellungen im New Yorker UN-Hauptquartier. In "Auschwitz: The Depth of the Abyss" ("Auschwitz: Die Tiefe des Abgrunds") werden unter anderem Fotos der SS-Soldaten Ernst Hoffmann und Bernhard Walter ausgestellt, die das Ausmaß des Schreckens in dem berüchtigten Konzentrationslager dokumentieren. Außerdem sind Gemälde des ukrainischen Künstlers Zinovii Tolkachev zu sehen, die von dessen Eindrücken des Konzentrationslagers Majdanek geprägt sind.

Die zweite Ausstellung mit dem Titel "Afterwards it's just a Part of You" ("Hinterher ist es einfach ein Teil von dir") schlägt den Bogen zur jungen Generation: Jugendgruppen stellen Bilder und Erfahrungsberichte aus, die nach den Besuchen der ehemaligen Konzentrationslager entstanden sind. (wga/mro)

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