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Fußball

Gemeinsam für alle Ukrainer

Die kriegsgeplagte Ukraine will bei der EM für Ablenkung von der politischen Situation in der Heimat sorgen. Deutschlands Auftaktgegner hat sich erstmals sportlich qualifiziert - und einen Superstar an der Seitenlinie.

Der erste deutsche Gruppengegner hat vor der EURO viel größere als sportliche Sorgen: Auch der Fußball beugt sich in der Ukraine dem Krieg. Im Osten des Landes stehen sich noch immer ukrainische Soldaten und prorussische Rebellen gegenüber, eine Lösung des Konflikts nicht in Sicht. Deswegen musste etwa der ukrainische Topklub Schachtjor Donezk seine Heimspiele 1200 Kilometer weiter westlich in Lwiw austragen. All diese Sorgen nimmt Deutschlands Auftaktgegner mit nach Frankreich, wo es die "Gelb-Blauen" mindestens bis ins Achtelfinale schaffen wollen.

Vor den entscheidenden Spielen in der EM-Qualifikation hatte Andrej Pawelko, Präsident des nationalen Fußballverbandes FFU, die Nationalelf zum Symbol der Einigkeit für ein gespaltenes Land gemacht. Es würden "45 Millionen Herzen im gleichen Takt" schlagen, erklärte er.

Erst zum zweiten Mal dabei

In der Geschichte stellte die Ukraine für die Sowjetunion viele Spieler bei Welt- und Europameisterschaften. Seit ihrer Unabhängigkeit und der Gründung des eigenen Verbandes im Jahr 1992 qualifizierten sich die "Gelb-Blauen" erst zweimal für große Turniere: Bei der WM 2006 in Deutschland, als die Ukraine unter Oleh Blokhin und mit Stürmerstar Andrej Schewtschenko bis ins Viertelfinale vordrang - und 2012 als Co-Gastgeber der EURO neben Polen. Vor vier Jahren war jedoch bereits nach der Gruppenphase Schluss. Nun folgt also die zweite Teilnahme an einer Fußball-Europameisterschaft. Zum ersten Mal gelang auch die sportliche Qualifikation - allerdings als Gruppendritter erst über den Umweg der Relegation. Dort setzte sich die Ukraine gegen Slowenien durch (2:0, 1:1).

Ukraine Kiew Verabschiedung Nationalmannschaft Euro 2016 (Foto: dpa, Reuters/G. Garanich)

Willkommene Abwechslung in der Ukraine: Farbenfrohes Spektakel bei der Verabschiedung der Nationalmannschaft

Der erfolgreichste Spieler der ukrainischen Fußballgeschichte, Schewtschenko, steht mittlerweile als Co-Trainer an der Seitenlinie. Als Champions-League-Sieger, 2003 mit dem AC Mailand, und mit 48 Treffern als Rekordtorschütze seines Landes soll Europas Fußballer des Jahres von 2004 wichtigen Input von außen liefern.

Stabile Defensive und große Motivation

"Hinten stabil stehen und vorne hilft der liebe Gott" - so oder so ähnlich könnte das Motto der Ukrainer für die EURO 2016 lauten: Nur vier Gegentreffer leisteten sich das Team auf dem Weg nach Frankreich in den zehn Qualifikationsspielen - und das in einer Gruppe mit Titelverteidiger Spanien. Mit einer starken Abwehr, zwei guten Torhütern, aber ohne echten Topstürmer reist die Ukraine zur EM und misst sich dort in der deutschen Gruppe C nicht nur mit dem Weltmeister, sondern auch noch mit Nordirland und dem Mitausrichter der EURO 2012, Polen.

Dieses Duell wird wahrscheinlich das entscheidende sein, es ist die dritte Vorrundenpartie, welche über den Einzug in das Achtelfinale entscheidet. "Es wird alles oder nichts. Aber natürlich wäre es schön, wenn am Ende beide Mannschaften eine Runde weiter kommen", sagte Verbandspräsident Pavelko, der dem Auftakt gegen Deutschland besonders entgegenfiebert, im Interview mit der Deutschen Welle. "Für den Weltmeister benötigt man keine zusätzliche Motivation. Das ist eine Mannschaft, gegen die jeder unsere Spieler mit vollem Einsatz spielen wird. Ich bin sicher, dass die ukrainische Mannschaft ein schönes und würdiges Spiel gegen den Weltmeister zeigen wird."

Mit zwei Flügelflitzern zum Erfolg

Für Absicherung in der Defensive sorgen die international erfahrenen Verteidiger der beiden ukrainischen Spitzenklubs Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk. "Die Ukraine hatte eine der besten Abwehrreihen der Qualifikationsrunde", lobte auch Bundestrainer Joachim Löw. Treffsicherster Schütze ist Andrej Jarmolenko von Dynamo Kiew, der in der EM-Qualifikation sechs Tore beisteuerte. Der Star im Team ist aber ein anderer: Jewhen Konopljanka, der mit dem FC Sevilla die Europa League gewann.

Andriy Shevchenko, Volodymyr Onishchenko und Mykhailo Fomenko (Foto: picture-alliance/Zuma Press/O. Khomenko)

Nationaltrainer Fomenko (r.) setzt auf Ex-Stürmerstar Schewtschenko (l.) als Co-Trainer

Beide Flügelflitzer sind schnell und technisch versiert. Konoplyanka, das größte Talent seiner Generation, wechselte vor der Saison zu dem spanischen Topklub. Auch Jarmolenko stellt sich während der EM ins europäische Schaufenster und steht vor einem Wechsel. Der bereits als Schewtschenko-Nachfolger gehandelte 26-Jährige hat sich bei Dynamo Kiew und im Nationalteam zum Führungsspieler entwickelt und führte die Ukraine mit seinen entscheidenden Toren in die Endrunde.

Wiedersehen mit Timoschtschuk

Nationaltrainer Michail Fomenko nominierte in den erweiterten Kader unter anderem auch Stürmer Artem Kravets vom Erstliga-Absteiger VfB Stuttgart. Dieser schaffte es aber nicht in die endgültige Auswahl. Außerdem noch aus der Bundesliga bekannt ist der ehemalige Bayern-Spieler Anatoli Timoschtschuk, der mit dem FCB 2013 die Champions League gewann und mittlerweile in Kasachstan bei Qairat Almaty unter Vertrag steht. "Wir wissen, in welchem Land wir geboren sind, und wir sind stolz darauf", sagte Timoschtschuk, der mit über 140 Länderspielen der erfahrenste Spieler im Aufgebot ist. "Und wir wissen, wie wichtig die EURO 2016 sein wird. In dieser schwierigen Situation sollte die Ukraine zusammenstehen wie nie zuvor."

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