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Kultur

Gelernte Tröster und Unternehmer

62 Auszubildende in Deutschland haben einen todsicheren Job: Sie werden Bestattungs-Fachkraft. Menschen beerdigen, den Trauernden helfen - der Beruf ist Jahrhunderte alt. Doch eine echte Ausbildung gibt es erst jetzt.

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Bestatter ist jetzt ein offizieller Ausbildungs-Beruf

Christiane Hoßdorf hat ihren Traumberuf gefunden: Sie wird Bestatterin. Erst seit August 2003 ist das ein gesetzlich geregelter Lehrberuf. Das Praktikum in einem Bestattungsunternehmen hatte die 19-Jährige überzeugt. Sie kennt keine Angst vor dem Anblick von Verkehrstoten, Ekel vor dem Umgang mit der Leiche empfindet sie nicht. Zögern würde sie nur bei Kindern: "Da würde ich erstmal andere machen lassen und selber zugucken."

Nicht nur ein Männerberuf

Einige Freunde finden Christianes Beruf faszinierend, andere sind weniger begeistert. Ihre Eltern sorgten sich, sie werde dem psychischen Druck nicht standhalten. Und immer wieder muss sie sich rechtfertigen, einen typischen Männerberuf gewählt zu haben. "Es gibt doch auch Dachdeckerinnen", antwortet Christiane. "Klar, bei manchen Personen, die etwas schwerer sind, da muss ich dann auch zweimal nachgreifen oder mal absetzen, aber es klappt irgendwie immer."

Christiane möchte den Angehörigen zur Seite stehen - auch auf emotionaler Ebene. Das sei das Wichtigste, was sie ihrer Auszubildenden beibringe, sagt Christianes Chefin Elke Birghölzer aus Erftstadt-Liblar. Alle paar Wochen reist Christiane zur Berufsschule nach Bad Kissingen. Neben Mathe, Deutsch und Betriebswirtschaft bestimmen fachspezifische Inhalte den Stundenplan: Grabmachertechnik und Trauerpsychologie zum Beispiel. "Im zweiten oder dritten Lehrjahr werden wir auf einen Lehrfriedhof gehen und werden dann selber Gräber ausheben", erklärt Christiane.

Anderer Glauben, andere Riten

Aber es geht nicht nur um der Hände Arbeit: "Religion ist ein ganz großes Thema bei uns." Denn als Bestatterin muss Christiane Hoßdorf auf Bräuche der unterschiedlichen Kulturen gefasst sein. Das Bestattungsgesetz schreibt vor, was die Beerdigungsinstitute ermöglichen dürfen. "Das Ausgefallenste war für mich die Hindu-Beerdigung", berichtet Elke Birghölzer. Denn da sollte der Tote während der Trauerfeier offen aufgebahrt werden - das sei nur mit einer Sondergenehmigung vom Ordnungsamt möglich gewesen.

Die Bestattungsriten von Muslimen und Angehörigen des mosaischen Glaubens gehören eher zum Alltag. "Da ist eine rituelle Waschung vorgesehen und es gibt andere Abläufe bei der Bestattungsfeier", weiß Dr. Rolf Lichtner, Generalsekretär beim Bundesverband der deutschen Bestatter. Menschen mosaischen Glaubens bräuchten unbedingt ein zeitlich unbefristetes Grab. Auch Lichtner hat schon für Christen ungewöhnliche Bräuche erlebt. "Wenn Sie einen Menschen aus der Sowjetunion mit orthodoxem Glauben bestatten, dann ist es üblich, dass am Grab selbst ein Schluck Wodka genommen wird. Auch darauf muss sich der Bestatter dann einrichten."

Gute Job-Aussichten

Der neue, gesetzlich geregelte Ausbildungsberuf soll dafür sorgen, dass Bestatter wirklich ihr Handwerk verstehen. Elke Birghölzer findet das gut: "Früher konnte der Bäcker Bestatter werden, wenn er sich drei Särge hingestellt hat." Zwar darf weiterhin jeder ein Bestattungsinstitut aufmachen - ein Gewerbeschein reicht. Weil aber die Kunden ein immer größeres Dienstleistungs-Angebot brauchen, werden es "Gelegenheitsbestatter" schwer haben, prophezeit Lichtner. Doch an Arbeit mangelt es nicht. 2002 wurden in Deutschland 842.000 Tote beerdigt oder verbrannt. Die Bestattungs-Azubis haben gute Aussichten, einen Job zu bekommen.

Allerdings: Der Tod ist unberechenbar. Deshalb arbeitet Christiane oft am Wochenende, notfalls auch am Heiligabend. "Wenn was zu tun ist, dann sind wir hier, wenn nichts zu tun ist, dann fahre ich eben früher nach Hause", sagt sie. Dann hat sie Zeit für Hund und Pferd. Richtig zufrieden mit sich ist die Bestatterin in spe, wenn Angehörige nach einer Beerdigung ihre Arbeit loben. Dann spürt sie: "Es ist doch ein dankbarer Beruf."

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