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Deutschland

Geldstrafe für Oben-ohne-Aktivistin

Barbusig sprang sie im Weihnachtgottesdienst 2013 auf den Altar des Kölner Doms. Dafür bekam die Studentin jetzt eine Geldstrafe von 1.200 Euro aufgebrummt. Wie verwerflich war ihre Aktion?

Kameras surrten, Fotoapparate klickten, Mikrofone reckten sich in Richtung der Oben-Ohne-Aktivistin. Um Aufmerksamkeit musste sich die Hamburger Studentin vor Gericht nicht sorgen. Doch ging in dem Medienrummel eines unter: Nackte Brüste im Gotteshaus – das hat es in Deutschland bis dato nicht gegeben. Sie habe provozieren wollen, als sie mitten in der Weihnachtsmesse 2013 nur mit einer Art Lendenschurz bekleidet auf den Altar kletterte, gab die junge Frau jetzt zu. Auf ihrem entblößten Oberkörper stand: "Ich bin Gott". Dazu skandierte sie lautstark antireligiöse Parolen.

Kritik an Kardinal Meisner
Die Tat zielte wohl vor allem auf den damals noch amtierenden Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner, der am diesem Tag 80 Jahre alt wurde. Hinterher verteidigte Josephine Witt, die eigentlich anders heißt, ihren barbusigen Protest: Die Aktion habe zeigen sollen, dass "man keiner Frau verbieten kann, über ihren eigenen Körper Entscheidungen zu treffen". Genau dies jedoch tue Meisner, indem er Abtreibungen ablehne. Die Aktion sei nicht gegen Gläubige, sondern gegen Unterdrückung durch die Institution Kirche und einige ihrer Vertreter gerichtet.

Femen Aktivistin Kölner Dom Deutschland Urteilsverkündung 3.12.2014

Angespannt - Josephine Witt im Gerichtssaal

Einen politischen Anspruch nahmen die Richter der Aktivistin offenbar nicht ab. In der Tat ist in der Bibel ganz ungezwungen auch von der weiblichen Brust die Rede. Davon, dass entblößte Frauenbrüste als Projektionsfläche für Proteste in einem Gotteshaus dienen sollen, steht da nichts. Die ungehinderte Ausübung der Religion ist in Deutschland in Artikel 4 des Grundgesetzes geschützt. Eine Störung der Religionsausübung kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Oben-ohne-Aktionen, bei denen die Frauen ihre nackten Oberkörper mit Parolen bemalen, sind bislang das Markenzeichen der international aktiven Femen-Gruppe. Pate für die Aktion im Kölner Dom stand offenkundig die russische Punkrock-Band Pussy Riot. Die Frauen der feministischen, regierungs- und kirchenkritischen Truppe hatten im Februar 2012 mit einem Auftritt in der Moskauer Christ-Erlöserkirche, dem zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, weltweit für Aufsehen gesorgt. Dafür mussten sie mit längeren Haftstrafen büßen.

Störung der Religionsausübung
Die Provokation in Köln führte zwar zunächst zu den gewünschten Reaktionen. Doch nahm Kardinal Meisner das Geschehen seinerzeit eher unaufgeregt hin. Unter dem Beifall der Gottesdienstbesucher bemerkte er: "Die junge Frau hat Gottes Segen gewiss besonders nötig!" Zwar verurteilte das Erzbistum die Aktion wie das Gericht als "Störung der Religionsausübung", doch wolle man wolle den Vorfall nicht hochspielen.

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