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Wirtschaft

Geld und Glauben passen zusammen

Die Bank für Kirche und Diakonie in Dortmund erzielt mit christlichen Maßstäben auch in Krisenzeiten Gewinne. Denn immer mehr Deutsche wenden sich Banken zu, die nach ethisch-ökologischen Prinzipien arbeiten

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Brumby, Sachsen-Anhalt, St. Petri-Kirche, evangelisch

Geld und Glauben stellen in der Finanzwirtschaft nicht unbedingt einen unauflösbaren Widerspruch dar. Davon zeigt sich jedenfalls Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der KD-Bank, der Bank für Kirche und Diakonie, überzeugt: "Es ist kein Problem, Ethik, Nachhaltigkeit und Geld unter einen Hut zu bringen. Die Kirche sollte da ein Vorbild sein, gerade in dieser Finanzkrise nach der Verwendung von Geld zu fragen.“

Sozial und ethisch verantwortlicher Umgang mit Geld kann sich, wie im Fall der KD-Bank mit Hauptsitz in Dortmund, ansehnlich rentieren. Selbst in Zeiten der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. So gelang es der evangelischen Genossenschaftsbank im Geschäftsjahr 2008 sogar, den Überschuss auf 5,3 Millionen Euro zu steigern. Innerhalb nur eines Jahres erhöhte sich die Bilanzsumme um fast neun Prozent auf gut 4,1 Milliarden Euro. Und dass im Kontext der Finanzkrise in breiten Kreisen offenbar ein Umdenken stattgefunden hat, lässt sich in der Bilanz der KD-Bank an den um fast vier Prozent auf 3,4 Milliarden Euro in die Höhe gekletterten Kundeneinlagen ablesen. Denn Im Privatkundengeschäft, so KD-Vorstandsvorsitzender Thiesler, habe man deutlich mehr Zuwächse erzielt als in anderen Bereichen. Offenbar trauen die Kunden der KD-Bank mehr Kompetenz zu - und buchen teilweise ihre Gelder von anderen Banken um. Zudem, so Thiesler, hätten viele Neukunden den Weg zur Bank für Kirche und Diakonie gefunden.

Gründungspate war ein Pastor

Dr. Ekkhard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der KD-Bank (Foto: KD-Bank/Andreas Buck)

Ekkhard Thiesler, Chef der der KD-Bank: "Wir kennen keine Kreditkleme."

Mit fast 23.000 Privatkunden verzeichnet die bundesweit operierende KD-Bank einen bisherigen Höchststand. Ekkehard Thiesler rechnet bei einem weiter verschärften Bewusstsein für verantwortungsvoll angelegtes Geld auch mit weiterem Wachstum. Und da die KD-Bank als Vollbank auf dem Markt tätig ist, vom kostenlosen Girokonto bis zum Festgeld, fügt er an: "Wir nehmen gerne jeden Kunden auf, der zu uns und unseren christlichen Werten passt.“

Die Ursprünge der KD-Bank reichen bis in die 1920er Jahre zurück, als Pastor Martin Niemöller einen Kindergarten finanzieren wollte. Übrigens auch in Zeiten einer weltweiten Wirtschaftskrise. Das Geld der Kirchen nahmen die Banken als Anlage zwar durchaus gern an, doch Kredite mochten sie Pastor Niemöller für den Kindergarten nicht gewähren. Vor diesem Hintergrund wurde der Vorläufer der KD-Bank gegründet, damit, so Bankchef Thiesler im Rückblick, eben dieser Geldkreislauf in Kirche und Diakonie erhalten blieb. "Und das ist unsere eigentliche Aufgabe. Also Einlagen der Kirche weiter zu geben für soziale Projekte in Kirche und Diakonie. Wir finanzieren Krankenhäuser, Altenhilfe, Kindergärten, Behindertenwerkstätten und ähnliche Projekte."“

Satzung kennt keine Gewinnmaximierung

Dr. Ekkhard Thiesler, Vorstandsvorsitzender der KD-Bank (Foto: KD-Bank/Andreas Buck)

Marketingleiter Christian Müller: "Bestimmte Branchen schließen wir aus."

Das derzeitige Kreditvolumen beläuft sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Die Kredite, so KD-Marketing-Fachmann Christian Müller, fließen aber nicht nur ins Kerngeschäft oder an Non-Profit-Organisationen, sondern auch an Privatpersonen. Insbesondere für die Finanzierung von Immobilien von Privatkunden, die aus dem kirchlichen Bereich kommen. Laut Satzung besteht der Auftrag dieser Genossenschaftsbank nicht in der Maximierung von Gewinnen, sondern ihre Mitglieder aus Kirche und Diakonie wirtschaftlich zu fördern und zu betreuen. Und da man als sogenannte Fernbank den Großteil der Beratung über Telefon und Internet abwickelt, ist man in der Lage, diese Kostenvorteile an die Kunden weiter zu geben. Ebenso wie Gewinne, die man mit Eigenanlagen erzielt.

Allerdings setzt die KD-Bank aus ethischer Verantwortung nicht auf jede Anlage, die einzig hohe Renditen verheißt. Vielmehr hat man dafür einen Nachhaltigkeitsfilter entwickelt, mit dem man alle Eigenanlagen nicht nur unter finanziellen, sondern auch nach sozialen und ökologischen Kriterien prüft. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind die maßgeblichen Vorgaben. "Bestimmte Branchen schließen wir komplett aus", so Christian Möller, "zum Beispiel die Rüstungsindustrie oder Chemieunternehmen, die in Gentechnik investieren, also zum Beispiel Saatgut verändern.“ Kriterien, die auch bei der Beratung von Privatkunden angelegt werden. Auch deshalb, so Vorstandsvorsitzender Thiesler, habe die Bank und mit ihr die Kunden die Krise unbeschadet überstanden. Dieser Ethikfilter habe letztlich bewirkt, dass kein Kunde der KD-Bank sein Geld beim Bankrott von Lehman-Brothers verloren hat.

"Wir kennen keine Kreditklemme"

Kinder und Jugendliche in Afghanistan

Die KD-Bank betreut auch Kirchengemeinden in Afrika und Asien

Während Geschäftsbanken aufgrund der Finanzmarktkrise oftmals nicht über genügend Eigenkapital verfügen, um den Mittelstand mit Krediten versorgen zu können, kennt die KD-Bank, wie KB-Chef Thiesler betont, solche Engpässe nicht. "Bei uns gibt es keine Kreditklemme. Wir können alles finanzieren, was unsere Kunden vorhaben, wenn es denn nachhaltig und gut aufgestellt ist.“

Die KD-Bank floriert. Und da die Fusionsverhandlungen mit der Landeskirchlichen Kreditgenossenschaft Sachsen, die eine Bilanzsumme von 442 Millionen Euro ausweist, weit vorangeschritten sind, steht die KD-Bank auf dem Sprung, sich als die führende evangelische Bank in Deutschland zu positionieren, die übrigens nicht nur kirchliche und diakonische Einrichtungen in Deutschland betreut, sondern über landeskirchliche Kontaktstellen auch rund zwei Dutzend Kirchengemeinden in Afrika und Asien.

Autor: Klaus Deuse

Redaktion: Rolf Wenkel