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Kultur

Geld und Glück - eine selige Verbindung ?

Macht Geld glücklich? Die Forscher meinen, das Sprichwort "Geld macht unglücklich" stimmt tatsächlich. Ausgenommen: Man wird das Geld wieder los.

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Macht Geld glücklich?

Die Glücksforscher haben eine wahre Fülle von Sprichwörtern, Märchen und Mythen auf ihrer Seite. Jeder kennt etwa die Sage vom phrygischen König Midas. Dieser wünschte sich, dass alles, was er anfasste, zu Gold würde. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Zu seinem Entsetzen verwandelte sich jedoch auch Essen und Trinken zu Gold. Die Sage führt zu einer grundlegenden Frage: Wenn der Mammon doch nur schnöde und Geld letztlich doch nebensächlich wirdl: Warum träumen dann so viele Menschen von einem Haupttreffer in der Lotterie?

Einer von ihnen ist Paul Rosenau aus Wasica im US-Bundesstaat Minnesota. An jedem Freitag fährt Paul in den Nachbarort tanken, weil dort das Benzin um 15 Cent pro Gallone billiger ist. Meist kaufte er bei der Tankstelle einen Lotto-Quicktipp. So auch im Mai dieses Jahres.

Lottokugel in Dreier-Reihe (dpa)

Nur wenigen bringen die Kugeln Glück

Abends hörte er die im Fernsehen übertragene Lottoziehung aus dem Nebenzimmer. Er verfolgte die Nummern einzeln und konnte es kaum fassen: Jede Zahl war da. "Ich habe gesagt: Ach du meine Güte, und meine Frau sagt darauf: "Ach, ist schon gut." Ich habe nämlich ein paar Mal so getan, als hätte ich gewonnen. Und sie hat nur gesagt: Du hältst mich bloß wieder am Schnürchen. Und ich hab gesagt, nein: Ich habe die richtigen Zahlen." Sue und Paul Rosenau hatten den größten Jackpot in der Geschichte von Minnesota geknackt: 180,1 Millionen Dollar.

Klaren Kopf behalten

Die beiden Mitfünfziger stellten sich die Frage, ob sie nun glücklich waren. Die Antwort: im Großen und Ganzen ja. Nach langem Überlegen, was sie nun tun sollten, kam als erstes der Anruf beim Steuerberater. Der habe für eine problemlose Abwicklung gesorgt. Das Ehepaar Rosenau bewahrte über den plötzlichen Reichtum dennoch einen klaren Kopf: Der Großteil des Gewinns wird in eine Stiftung für gemeinnützige Zwecke gesteckt. Ihre Wertigkeiten haben sich nicht verändert, versichern sie. Für sie zählen nach wie vor Familie und Freundschaften am meisten.

Aus der Sicht der Glücksforschung liegen die Rosenaus mit ihren Prioritäten goldrichtig: Funktionierende, soziale Beziehungen gelten als das Entscheidende in einem glücklichen Leben. Auf ein bisschen mehr oder weniger Geld kommt es – laut etlichen Studien – nicht an. Dieses Argument trifft jedoch nicht auf Armut zu, erklärt Bruno Frey, Glücksforscher und Ökonom an der Universität Zürich.

Drei Kinder in Myanmar, die Reis von ihren Tellern essen (ap)

Sind diese Kinder glücklich?


Bei Armut gelten andere Regeln

"Bei Personen, die ein geringes Einkommen haben, ist eine Einkommenssteigerung etwas ganz Wichtiges und erhöht die Lebenszufriedenheit stark. Das gleiche gilt für arme Länder: Wenn deren Durchschnittseinkommen steigt, nimmt auch deren Lebenszufriedenheit deutlich zu." Die Glücksforschung, so Frey, solle keinesfalls zur Annahme führen, dass in Entwicklungsländern Leute glücklich und zufrieden seien. Das Gegenteil sei richtig.

Archaische Muster

Eichhörnchen mit Nuss in der Pfote

Eichhörnchen legen Vorräte an, Menschen auch. Dieser Trieb erklärt das Streben nach Reichtum.

Sobald aber die Grundbedürfnisse ausreichend gedeckt sind, spielt Geld für das Glücksempfinden keine wesentliche Rolle mehr. Dennoch jagen sehr viele Menschen dem Geld nach, sagt Tal Ben-Shahar, Psychologe an der Universität Harvard. Er sieht den Grund dafür in archaischen Mustern: "Wir mussten horten, um zu überleben. Wer am meisten zusammengesammelt hatte, hatte die beste Chance, den nächsten Winter zu überstehen. Das haben wir über unsere ganze Geschichte gelernt." Heutzutage funktionierten Menschen noch immer nach diesem Muster, obwohl sehr viele nichts mehr horten müssten, erklärt Shahar. "Doch jeder meint noch immer: Wenn ich mehr und mehr besitze, dann ist das für mein Überleben und mein Glück notwendig."

Glück ist, sein Geld wieder los zu werden

Psychologen an der Universität Vancouver versuchen dem komplizierten Verhältnis zwischen Glück und Geld auf originelle Weise auf den Grund zu gehen. Sie verbinden dabei zwei Gedanken: Erstens, Geld macht an sich nicht glücklich. Zweitens, Menschen wünschen sich gute, soziale Beziehungen. Vielleicht, so spekulierten sie, macht Geld dann glücklich, wenn man es auf soziale Weise verwendet. Die Psychologin Lara Aknin beantwortet diese These nach einigen durchgeführten Experimenten eindeutig mit "Ja". Sie führt zwei Beispiele an.

Kinder mit Sammelbüchse (dpa)

Spenden erwünscht: Wer sein Geld für andere gibt, ist tendenziell glücklicher

So wurden 16 Angestellte einer Firma in Boston befragt, die gerade einen Bonus bekommen hatten. Deren Glückspegel wurde vor dem Bonus und sechs bis acht Wochen danach untersucht, als sie das meiste Geld ausgegeben hatten. Das Ergebnis: Es machte viel aus, wofür die Leute das Geld ausgegeben hatten. "Diejenigen, die es für andere aufgewendet haben, waren glücklicher als jene, die es für sich selber ausgegeben haben", so Lara Aknin.

Ähnliche Ergebnisse brachte eine zweite Studie mit Studenten am Campus der Universität Vancouver. Den Studenten wurden jeweils fünf beziehungsweise 20 Dollar gegeben. Am Abend wurden sie dann gefragt, wofür sie das Geld ausgegeben hatten. Auch in diesem Fall waren die Studenten, die das Geld für sich selber verwendet hatten – egal ob fünf oder 20 Dollar – weniger glücklich als diejenigen, die es für jemand anders ausgegeben hatten.

Geld macht also doch glücklich: Vorausgesetzt man sieht zu, dass man es los wird. Warum das so ist, können sich die Forscher noch nicht wissenschaftlich erklären. Lare Aknin vermutet, dass bei dem Spender das Selbstwertgefühl steigt. Oder, dass man Zeit mit anderen Leuten verbringe, oder, dass man bestehende Beziehungen stärke: "Das vermittelt vielleicht ein Gefühl von Sicherheit, das wiederum glücklich macht. Ich glaube, dieses Phänomen lässt sich nicht durch eine einzige Ursache erklären. Hier spielt sicher vieles zusammen."


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