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Reise

Geld stinkt nicht

Spatzensteuer, Türkensteuer, Ankersteuer - alles wurde irgendwann schon mal erhoben. Insgesamt 5000 Jahre Steuergeschichte zeigt das Steuermuseum in Brühl bei Köln.

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Steuerobjekt Spatz

Der römische Kaiser Vespasian trieb es auf die Spitze - er erließ eine Urin-Steuer. Seine Untertanen wurden abkassiert für jeden öffentlichen Toiletten-Gang. Als Proteste kamen, sprach er den legendären Satz, der für alle nachfolgenden Steuereintreiber gelten sollte: "Pecunia non olet" - "Geld stinkt nicht."

Zu Unrecht unbekannt

Das Gezerre um Steuern ist bereits 5000 Jahre alt. In Brühl zwischen Köln und Bonn erzählen rund 1200 Bilder, Dokumente, Rechengeräte, Uniformen und Münzen die lange Geschichte des Steuerwesens. "Finanzgeschichtliche Sammlung" nennt sich das Museum, das im Haus der Bundesfinanzakademie versteckt ist. Die Exponate stammen größtenteils von einem passionierten Finanzamtsleiter aus dem baden-württembergischen Freudenstadt. Mit tausend Besuchern pro Jahr zählt die Ausstellung wahrlich nicht zu den Publikumsrennern - ganz zu Unrecht.

Clevere Erntesteuerrechnung

Kairo im Nebel

Ein Boot kreuzt den Nil bei Kairo - hier kam früher ein Nilometer zum Einsatz

Willkommen im alten Ägypten. Eine Bildergeschichte aus dem 15. Jahrhundert vor Christus zeigt, wie Männer mit einer Leine Felder abschreiten, um den Getreide-Ertrag zu berechnen. Daneben ist ein "Nilometer" zu sehen, eine besonders pfiffige Art, die Bauern zu schröpfen. Mit brunnenartigen Schächten am Nilufer wurde die Höhe der Überschwemmungen gemessen. Je mehr fruchtbarer Schlamm auf die Felder schwappte, desto größer die zukünftige Ernte, lautete die clevere Erntesteuer-Rechnung.

Steuern von A bis Z

Steuerzahler waren zu allen Zeiten gebeutelt, insbesondere offenbar aber vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Besonders kuriose Steuern hat Museumsleiterin Dorothee Kaulbach zusammengestellt, von A wie Ankersteuer bis Z wie Ziegensteuer. 1789 zum Beispiel gab es eine Spatzensteuer, erlassen von Herzog Karl Eugen in Württemberg. Angeblich wegen einer Spatzenplage mussten alle Bürger ein Dutzend Spatzen fangen, und wer das Soll nicht erfüllte, wurde mit zwölf Kreuzern zur Kasse gebeten. Dorothee Kaulbach ist skeptisch: "Die Spatzen mussten lebend abgeliefert werden - wahrscheinlich wurden sie hinten aus dem Fenster wieder freigelassen."

Angst vor breiten Fenstern

Auch wenn ein neuer Bischof eingeführt wurde oder die Prinzessin heiratete, ging es dem Volk an den Geldbeutel - "damit der Pomp bezahlt werden konnte", so Kaulbach. Erst recht musste es zu Kriegszeiten zahlen. Zu Zeiten Ferdinand I. gab es Mitte des 16. Jahrhunderts zum Beispiel die Türkensteuer zur Finanzierung der Kriege gegen die Türken.

Napoleon war es, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland Steuerreformen anstieß. Eingeführt wurden etwa Steuern auf den Ertrag von Grundstücken, auf Gebäude und das Einkommen. Ein Relikt napoleonischer Zeit sei noch in der Bonner Innenstadt zu sehen, erzählt Kaulbach. In der Sternstraße hätten die Häuser äußerst schmale Fenster, weil sogar Fenster besteuert wurden. (epd/pg)

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