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Wirtschaft

Gekündigte Konten: Jemeniten in Deutschland unter Generalverdacht?

Ein Leben ohne Girokonto ist schwer vorstellbar. In Deutschland hat jeder das Recht darauf. Doch Dutzenden hier lebenden Jemeniten wurden jetzt die Konten gekündigt, sogar dem Botschafter. Die Banken mauern.

Für viele aus dem Jemen stammende Studenten und Geschäftsleute in Deutschland begann das Jahr 2017 mit einer bösen Überraschung. Denn seit einiger Zeit kündigen die Deutsche Bank und eine Reihe weiterer Kreditinstitute Dutzenden von ihnen die Girokonten, ohne Gründe dafür zu benennen. Auch jemenitische Diplomaten, allesamt Kunden bei der Commerzbank, sind von der Kündigungswelle betroffen.

"Sämtliche jemenitische Diplomaten erhielten Mitte Oktober das gleiche Kündigungsschreiben von der Commerzbank", sagte Yahia Mohammed Abdullah Al-Shaibi,Botschafter der Republik Jemen in Deutschland, gegenüber der DW. Mit Ausnahme der Konten des Botschafters und der Botschaft, die mit Wirkung zum 15. März auslaufen, wurden alle Konten bereits am 15. Dezember terminiert. Jemenitische Vertretungen im europäischen Ausland oder Diplomaten anderer Länder in Deutschland sind laut Al-Shaibi nicht betroffen.

Die Kündigungen würden nicht nur den jemenitischen Diplomaten "große Schwierigkeiten bereiten", so Al-Shaibi weiter. Auch die betroffenen jemenitischen Studenten und Geschäftsleute würden unter der Lage leiden.

Kuendigungsschreiben der Commerzbank an den Botschafter der Republik Jemen in Deutschland (DW/B. Bathke)

Kündigungsschreiben der Commerzbank an den Botschafter der Republik Jemen vom 10. Oktober 2016

"Für unsere Studenten ist es eine Katastrophe, wenn sie ihre Miete nicht bezahlen und Studiengebühren nicht überweisen können", sagte Abdulhameed Al-Mahfadi, Vorsitzender des Vereins jemenitischer Studenten in Deutschland gegenüber der DW. "Es fühlt sich an wie eine Abschiebung."

Bereits seit 20 Jahren habe man Geschäftsbeziehungen mit der Commerzbank, betont Al-Shaibi, seit September 2016 oberster jemenitischer Diplomat in Deutschland. Bis zum Oktober des vergangenen Jahres habe es keine Probleme gegeben. Auf Nachfrage der DW teilte die Commerzbank mit, dass sie "ohne Angabe von Gründen" Konten kündigen dürfe. Weitergehend wolle man sich nicht dazu äußern.

 

Die Deutsche Bank war zu keiner Stellungnahme bereit.

Genau wie die Commerzbank beruft sich dieDeutsche Bank in ihren Kündigungsschreiben auf die in Deutschland herrschende Vertragsfreiheit, die besagt, dass Dienstleister wie Banken - genau wie Kunden - das Recht haben, Konten jederzeit unbegründet zu kündigen. Voraussetzung ist die Einhaltung einer zweimonatigen Kündigungsfrist. 

Auch die Berliner Sparkasse, von der später noch die Rede sein wird, äußerte sich zurückhaltend. In der Antwort findet sich zumindest ein erster Hinweis, warum es ausgerechnet Menschen aus dem Jemen trifft. Anträge auf Eröffnung eines Girokontos  - so heißt es von der Sparkasse - würden unter Berücksichtigung "Compliance-relevanter Aspekte" geprüft. "Dazu gehören neben Anforderungen, die sich aus dem Kreditwesengesetz und dem Geldwäschegesetz ergeben u.a. auch Sanktions- und Embargobestimmungen seitens der EU sowie der amerikanischen Aufsicht, soweit relevant".

      

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