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Politik

Geizige Geberländer?

AIDS, Tuberkulose, Malaria - gegen diese Krankheiten kämpft der Global Fund. In dieser Woche haben die Gebernationen beschlossen, wieviel Geld sie für den Fonds lockermachen wollen. Genug Geld?

Krankenschwester mit Patientin (Bild: Global Fund)

Der Global Fund finanziert Gesundheitsprogramme

Bis 2015 sollen alle Babys von HIV-infizierten Müttern gesund auf die Welt kommen. Das hat sich die UNO in ihren Entwicklungszielen vorgenommen und Madame Carla Bruni-Sarkozy hält das für durchaus machbar. In dem Spot des Global Fund wirbt sie für Unterstützung. Die UNO hatte sich viel vorgenommen. Eine HIV-freie Generation bis 2015. Alles was dafür nötig ist – Dein Name. So jedenfalls heißt es in dem Werbespot des Global Fund.

Ehepaar Sarkozy (Bild: AP)

Carla Bruni-Sarkozy mit Nicolas

"Wenn Du unterschreibst, dann können wir das wahrmachen", sagt Carla Bruni-Sarkozy optimistisch. Dabei braucht der Global Fund weit mehr als nur Unterschriften. Der Fonds finanziert als weltweit größte Organisation den Kampf gegen HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose. Dafür sammelt er Geld bei privaten Gebern und bei Staaten, wobei die Geberländer den größten Anteil ausmachen. Der Chef-Diplomat des Global Fund, Christoph Benn, hat mit Spannung auf das Ergebnis der großen Geberkonferenz in New York gewartet. Eigentlich bräuchte der Global Fund mindestens 20 Milliarden US-Dollar, um die UN-Entwicklungsziele im Gesundheitsbereich zu erreichen. Das jedenfalls hatten Christoph Benn und seine Leute ausgerechnet.

"Deutlicher Erfolg"

Christoph Benn (Bild: DW)

Lächeln trotz schlechter Neuigkeiten? Christoph Benn

Die Geberländer aber sind in New York auf eine andere Summe gekommen: Knapp zwölf Milliarden wollen sie in den nächsten drei Jahren lockermachen. Acht Milliarden Lücke – da überrascht Christoph Benns Reaktion dann doch: "Wir sehen das Ergebnis der großen Geberkonferenz in New York als deutlichen Erfolg", sagt Benn. Das sei zwar weniger gewesen, als das was der Global Fund an Bedarf angemeldet habe. "Aber man muss bedenken, dass die wirtschaftliche und haushaltspolitische Situation in vielen Ländern sehr schwierig ist." Deshalb sei eine Steigerung um 20 Prozent im Vergleich zu 2007 ein großer Erfolg, so Benn.

Gute Miene zu bösem Spiel?

Sind das nur diplomatische Reaktionen auf schlechte Nachrichten von der Geberkonferenz? Das jedenfalls glaubt der Kanadier Stephen Lewis. Er war unter Kofi Annan UN-Sonderbeauftragter für HIV/AIDS in Afrika. "Christoph Benn, vor dem ich großen Respekt habe, muss solche Sachen sagen. Der muss gute Miene zu der ganzen Sache machen. Für sich selbst wissen die ganz genau, dass das viel zu wenig ist. Da bin ich mir ganz sicher."

Angst vor einer neuen Gesundheitskrise

Stephen Lewis (Bild: AP)

Wütend: Stephen Lewis

Für Stephen Lewis, der heute für seine Stiftung häufig in Afrika unterwegs ist und dort mit HIV/AIDS-Kranken arbeitet, ist das Ergebnis der Geberkonferenz eine Katastrophe. Das bedeute, dass Menschen die eine Behandlung bräuchten, keine bekämen, sagt Lewis. Dabei gehe es nicht nur um Behandlungen sondern auch um Prävention und Pflege. "Wir steuern direkt auf eine neue ernsthafte Krise zu. Uns muss klar sein, dass in ein bis zwei Jahren wieder enorm viele Menschen sterben werden." Der Grund sei die mangelnde Unterstützung von der Geberkonferenz.

Großzügige Franzosen?

Während Lewis von mangelnder Unterstützung spricht, lobt Benn die Spendenbereitschaft der USA und Frankreichs. Deutschland hat sich zurückgehalten und bleibt bei seinen bisherigen Zahlungen an den Global Fund. "Ich würde nicht sagen, Deutschland ist geizig", sagt Christoph Benn. "Aber es waren in diesem Jahr andere Länder, die vorangegangen sind." Vor allen Dingen seien das die USA gewesen. Sie hätten ihren Beitrag um 38 Prozent erhöht. "Das war ein gewaltiger Zuwachs und eine sehr großzügige Zuwendung", sagt Benn. Auch Frankreich als zweitgrößter Geber habe noch mal draufgelegt.

AIDS-kranke Frau (Bild: Lisa Schlein)

Zu wenig Geld für Behandlungen?

Da wird sich Carla Bruni sicher freuen, dass ihr Mann so großzügig ist. Allerdings sieht Stephen Lewis auch die Zahlungszusagen von Obama und Sarkozy in einem anderen Licht als Christoph Benn vom Global Fund. Er verweist auf die ursprünglichen Zahlungszusagen der Industrienationen. Lewis ist wütend, dass dem Global Fund jetzt acht Milliarden fehlen, um effektiv gegen Malaria, Tuberkulose und HIV/AIDS vorgehen zu können. Acht Milliarden Dollar höre sich nach viel Geld an, sagt Lewis. Dabei sei das aber nur ein winziger Anteil an den Unsummen an Geld, die für die Rettung von Banken auf der ganzen Welt ausgegeben würden. "Die Gebernationen müssen begreifen, dass die weltweite Gesundheit wichtiger ist als Bank-Dividenden. Die müssen einfach in die Köpfe bekommen, dass Menschen wichtiger sind als Bankbilanzen."

Autorin: Christine Harjes

Redaktion: Klaudia Pape

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