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Bücher

Geistiger Brückenschlag

Welchen Stellenwert hat die deutsche Sprache im literarischen Leben der ägyptischen Metropole Kairo? Aya Bach hat sich am Rande der Cairo International Book Fair, eine überaus beliebte Publikumsmesse, umgehört.

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Volksfeststimmung unter Palmen: an bunten Imbissständen brutzeln Kebab und Falafel vor sich hin, Familien tummeln sich in der Sonne. Der Eintritt ist frei - eine einmalige Chance, nach Büchern zu fahnden, die man in Kairo sonst nicht findet. Auftrieb auch am deutschen Stand - eine gemeinsame Aktion des Goethe-Instituts, der Frankfurter Buchmesse und der Deutschen Welle. Die Deutsche Sprache ist "in" in Kairo. Das hängt nicht nur mit dem Tourismus zusammen. Deutsch steht an Kairos Schulen - an zweiter Stelle nach Englisch - hoch im Kurs.

Wer durch die Stadt läuft, merkt schnell: Deutschland ist zur Zeit extrem populär - auch wegen der Haltung Berlins zum drohenden Irak-Krieg. Für die intellektuelle Elite des Landes dagegen sind deutsche Sprache und Literatur schon lange präsent - als Teil der Weltliteratur und Brücke nach Europa, wie Gamal al-Ghitani, Schriftsteller und Herausgeber der wichtigsten arabischen Literaturzeitschrift, betont.

Deutsche Bücher: Luxus für Wohlhabende

Doch im Kairoer Alltag stößt der hehre geistige Brückenschlag auf Hindernisse: Endlose Transportwege, Zoll und Zensur. Edouard Lambelet, der gebürtige Kairoer mit Schweizer Pass, dem die einzige deutsche Buchhandlung Kairos gehört, kämpft täglich darum, seine Kunden mit aktuellen deutschsprachigen Titeln zu versorgen. Denn die sind heiß begehrt - und teuer:

Übersetzungen deutscher Bücher ins Arabische sind meist billiger. Doch selbst auf der Buchmesse weiß niemand so genau, welche Titel auf dem Markt sind. So etwas wie ein Verzeichnis lieferbarer Bücher ist hier unbekannt. Und in Statistiken aus Deutschland tauchen Übersetzungen ins Arabische praktisch nicht auf. Die einzig greifbaren Zahlen sind marginal. Ganze 27 Lizenzen wurden etwa im Jahr 2001 vergeben. Doch das sagt nicht viel, denn es kursieren auch Raubkopien und die rechtefreien Klassiker erfasst man damit ohnehin nicht.

Goethe-Institut fördert Übersetzungen

Kairoer Buchmesse-Insider wissen immerhin, wo sie hier den Verleger Khalid al-Maaly finden, der aus dem Irak stammt und in Köln lebt. Er hat allein 40 Übersetzungen aus dem Deutschen im Programm. Darunter mehrere Titel von Günter Grass - rechtmäßige Lizenzausgaben übrigens.

Neuerdings fördert das Goethe-Institut Übersetzungen ins Arabische, um deutschen Titeln mehr Präsenz zu verschaffen. Das ist so notwendig wie mühsam. Bis eine Titelflut aus Deutschland auf den arabischen Markt strömt, wird noch einiges Wasser den Nil herunterfließen. Und es wird noch viele Buchmessen in Kairo geben.

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