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Aktuell Asien

Geiselnehmer von Dhaka hatten Ausländer im Visier

Bei der Geiselnahme in Dhaka wurden 20 Menschen getötet. Die meisten sind Ausländer, die offenbar gezielt ermordet wurden. Vor der Erstürmung des Cafès hatten die Täter westliche von einheimischen Geiseln getrennt.

20 tote Geiseln, sechs tote Geiselnehmer, zwei tote Polizisten - die Bilanz des Geiseldramas in Bangladeschs Hauptstadt ist erschütternd. Nun wurden neue, grausame Details über die Ereignisse in dem Café "Holey Artisan Bakery" im Diplomatenviertel Gulshan in Dhaka bekannt. Nach Angaben von Brigadegeneral Naim Asraf Chowdhury haben die Täter die meisten der ausländischen Geiseln brutal mit scharfen Klingen verstümmelt und ermordet. Am Tatort seien Pistolen, Sturmgewehre, Messer, Macheten und selbstgebaute Sprengsätze sichergestellt worden.

Koran-Bewanderte sollen verschont worden sein

Nach Angaben von Überlebenden hatten die mindestens sieben Terroristen die Geiseln vor der Erstürmung des Gebäudes durch die Sicherheitskräfte in Einheimische und Ausländer getrennt. Sie sollen demnach offenbar von den Geiseln abgelassen haben, die Koranverse zitieren konnten.

Unter den ausländischen Geiseln im Restaurant waren vor allem Italiener, aber auch Japaner, Inder und Sri Lanker. Die Regierung in Tokio teilte mit, bei dem Anschlag in Dhaka seien sieben Japaner getötet worden. Ein Japaner sei verletzt gerettet worden, wie ein Regierungssprecher nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo sagte. Nach Regierungsangaben aus Neu Delhi war auch eine 19-jährige Inderin unter den Toten.

Das italienische Außenministerium teilte mit, unter den Toten seien insgesamt neun Italiener, ein italienischer Staatsbürger werde noch vermisst. Nach Angaben der Regierung von Bangladesch wurden 13 Geiseln gerettet.

"Stoppt das Töten im Namen der Religion"

Die Geiselnahme hatte am Freitagabend um kurz vor 21 Uhr Ortszeit begonnen. Die Attentäter stürmten ein spanisches Szene-Restaurant, das bei Ausländern und wohlhabenden Bangladeschis sehr beliebt ist. Zu der Tat bekannte sich nach Angaben der US-Terrorbeobachtungsstelle Site die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS).

Bangladeschs Regierungschefin Sheikh Hasina sprach von einer "abscheulichen Tat". Ihre Regierung sei "entschlossen, den Terrorismus und die Militanz in Bangladesch auszurotten", sagte die Premierministerin, die sichtlich schockiert war, als sie vor die Medien trat. "Stoppt das Töten im Namen der Religion", sagte sie. Niemand, der an eine Religion glaube, könne eine solche Tat ausführen. Die einzige Religion, an der solche Täter glaubten, sei der Terror. "Der Islam ist eine Religion des Friedens", fügte Sheikh Hasina hinzu und rief zwei Tage der nationalen Trauer aus.

Italien mit Trauerflor beim EM-Spiel

Der Anschlag in Bangladesch löste weltweit große Bestürzung und Anteilnahme aus. Papst Franziskus verurteilte den barbarischen Akt als gegen Gott und die Menschheit gerichtet. Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte: "Ich bin sehr wütend, dass so viele unschuldige Menschen ihr Leben in diesem grausamen und ruchlosen Akt des Terrorismus verloren haben."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilte den "entsetzlichen Anschlag auf das Schärfste". Der Anschlag scheine sich "gezielt gegen Ausländer gerichtet zu haben", erklärte er in Berlin und verurteilte den Versuch der Angreifer, das "friedliche Miteinander" unterschiedlicher Menschen zu zerstören.

Verletzte werden nach der Erstürmung des Cafés weggebracht (Foto: Getty Images)

Nach Angaben der Regierung von Bangladesch wurden 13 Geiseln gerettet

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Unsere Gedanken, unsere Gebete und unsere Tränen einen sich mit den Tränen der Familien in Dhaka, besonders der Familien unserer Landsleute", sagte Renzi. Italiens Fußball-Nationalmannschaft kündigte an, beim EM-Viertelfinale gegen Deutschland an diesem Samstagabend in Bordeaux im Gedenken an die italienischen Opfer mit Trauerflor zu spielen.

Bangladeschs Regierung bestreitet IS-Aktivitäten

Das mehrheitlich muslimische Bangladesch mit seinen rund 160 Millionen Einwohnern wird seit Wochen von einer Serie blutiger Angriffe auf säkulare Aktivisten, Blogger und Journalisten sowie Angehörige religiöser Minderheiten erschüttert. Seit Anfang 2013 wurden bereits mehr als 50 Menschen durch Extremisten getötet. Zu den meisten Angriffen bekannten sich der IS und der südasiatische Ableger des Al-Kaida-Netzwerks.

Die Regierung in Bangladesch bestreitet allerdings, dass ausländische Terrororganisationen im Land aktiv sind. Sie beschuldigt radikale Kräfte im eigenen Land und wirft der politischen Opposition vor, religiösen Extremismus zu schüren. In den vergangenen Wochen hat es wegen der Morde an Bloggern und Nicht-Muslimen eine große Verhaftungswelle gegeben.

cw/uh (dpa, afp, rtr, ARD)