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Top-Thema – Podcast

Geiselnehmer oder Freiheitskämpfer?

Seit Jahrzehnten kämpft die FARC gegen die kolumbianische Regierung. Experten sind sich einig, dass sich der Konflikt zwischen Staat und Guerillaorganisation nur politisch lösen lässt.

Zwei Demonstranten in Montevideo halten No FARC-Plakate hoch

Auch außerhalb von Kolumbien gibt es Demonstrationen gegen die FARC

Sie sieht sich als eine politische Organisation, die für Marxismus und Landreform kämpft. Weltweit bekannt ist die FARC aber vor allem durch zahlreiche Geiselnahmen. In den 1960er Jahren hat sie begonnen, gegen die herrschende Oligarchie zu kämpfen. Aber noch immer kontrollieren in Kolumbien 0,4 Prozent der Bevölkerung 61 Prozent des fruchtbaren Bodens.

Diese ungleiche Verteilung wurde über Jahrzehnte mit Gewalt verteidigt. Paramilitärs haben in dieser Zeit etwa vier Millionen Menschen gewaltsam vertrieben, 15.000 sind verschwunden. "Der Konflikt war ursprünglich ein politischer Konflikt", sagt Carsten Wieland von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Kolumbien. Er hält die FARC aber nicht mehr für eine politische Organisation: "Sie konzentriert sich auf den Drogenhandel."

Eine große Unterstützung hat die FARC in Kolumbien nicht. Allerdings hat sich ein Teil der Bauernschaft, die kein Land besitzen, der FARC angeschlossen. Da 44 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, sind für Pedro Morazán, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts "Südwind", Landreformen notwendig.

Die Experten sind sich einig, dass nur eine politische Lösung den Konflikt zwischen Regierung und FARC beenden kann. "Der Weg in die Legalität ist die einzige Lösung", so Morazán. Dazu muss die kolumbianische Regierung seiner Meinung nach aber akzeptieren, dass die FARC militärisch nicht zu schlagen ist. Allerdings zählt auch die EU die FARC zu den terroristischen Organisationen. Wieland sieht da kein Problem. "Sobald die FARC in politische Verhandlungen eintritt, könnte sie von der Liste gestrichen werden", sagt er.

GLOSSAR

FARC – "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" ("Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia"); größte Guerillaorganisation Lateinamerikas

Guerillaorganisation – bewaffnete Gruppierung, die aus einem Versteck heraus gegen einen militärisch überlegenen Gegner (häufig die Regierung) kämpft

Landreform, die – die Änderung der Eigentumsrechte an Grundstücken; neue, gleichmäßigere Verteilung des Bodens

Geiselnahme, die – die Gefangennahme einer oder mehrerer Personen, um bestimmte Forderungen (z.B. nach Geld) zu erreichen

Oligarchie, die – Herrschaft von kleinen Führungsgruppen; Herrschaft weniger

fruchtbar – hier: so, dass Pflanzen auf dem Boden gut wachsen können

Paramilitärs – eine Gruppe, die wie eine offizielle Armee organisiert ist, hier: speziell Verbände, die mit Duldung oder im geheimen Auftrag des Staates agieren

CDU-nah – der deutschen, konservativen Partei CDU (Christlich Demokratische Union) nahestehend

etwas/jemanden für etwas/jemanden halten – eine bestimmte Ansicht, Meinung über etwas/jemanden haben

Drogenhandel – Handel mit Rauschgiften wie Opium, Kokain oder Heroin

sich jemandem anschließen – hier: mit jemandem zusammenarbeiten; zu jemandem kommen

unter der Armutsgrenze – ein Einkommen, das so niedrig ist, dass es nicht zum Leben ausreicht

Legalität, die – der gesetzliche Rahmen; die rechtliche Basis

etwas/jemanden von einer Liste streichen – etwas/jemanden von einer Liste nehmen

in Verhandlungen eintreten – Gespräche aufnehmen oder beginnen


Fragen zum Text

Wie viele Menschen sind seit den 1960er Jahren in Kolumbien in etwa vertrieben worden?

1. 15.000

2. vier Millionen

3. 0,4 Prozent der Bevölkerung

Warum halten Experten Landreformen in Kolumbien für wichtig?

1. Weil nur 61 Prozent des Bodens fruchtbar ist.

2. Weil zu viel Land für den Drogenanbau genutzt wird.

3. Weil viele Menschen in Armut leben und kein Land besitzen.

Die EU betrachtet die FARC als eine …?

1. terroristische Organisation

2. berechtigte Widerstandsbewegung

3. politische Vereinigung

Arbeitsauftrag:

Führen Sie eine Podiumsdiskussion zu dem Thema "Ab wann ist gewaltsamer Widerstand gegen eine Regierung gerechtfertigt und wie weit darf dieser gehen?" Übernehmen Sie dabei z. B. die Rollen von Regierungsvertretern, Rebellen oder armen Bauern.

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