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Flugzeugentführung

Geiselnahme in Malta unblutig beendet

Die Entführung eines libyschen Airbus mit 118 Menschen an Bord ist zu Ende. Alle Geiseln wurden freigelassen und die Kidnapper festgenommen. Zuvor hatten sie mit der Sprengung der Maschine gedroht.

Libyen Entführer des Afriqiyah Airways Airbus A320 ergeben sich im Malta-Flughafen (Reuters/D. Zammit-Lupi)

Die Hijacker ergeben sich

Die Entführung einer libyschen Passagiermaschine ist in Malta unblutig zu Ende gegangen. Die zwei Entführer ergaben sich den maltesischen Sicherheitskräften. Sie seien durchsucht und festgenommen worden, teilte Regierungschef Joseph Muscat mit. Zuvor hatten die Männer bereits alle 109 Passagiere und die Crewmitglieder freigelassen.

Die beiden Männer waren nach Angaben der libyschen Regierung Anhänger des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi. Einer von ihnen hatte in der Flugzeugtür die grüne, alte libysche Staatsflagge geschwenkt, die nach dem Sturz und Tod Gaddafis 2011 abgeschafft wurde. Nachdem sie sich ergeben hatten, baten sie um politisches Asyl in Malta. 

Malta Flugzeugentführung Airbus Afriqiyah Airways (Reuters/D. Z. Lupi)

Passagiere durften nach und nach das gekaperte Flugzeug verlassen

Handgranate an Bord

Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat sagte auf einer Pressekonferenz, dass bei den Festgenommenen eine Handgranate und eine Handfeuerwaffe gefunden worden seien. Bei der Durchsuchung des Flugzeugs sei eine weitere Waffe entdeckt worden. Später stellte sich heraus, dass es Nachbildungen waren. Erste forensische Untersuchungen hätten ergeben, dass es sich um Replikate handele, teilte Muscat mit.

Der Airbus der staatlichen libyschen Fluglinie Afriqiyah Airways war ursprünglich auf einem Inlandsflug von Sabha nach Tripolis gewesen. Doch Flug 8U209 änderte den Kurs und landete um etwa 11.30 Uhr auf dem Flughafen in der maltesischen Hauptstadt Valetta. An Bord waren inklusive der Entführer 111 Passagiere, darunter 82 Männer, 28 Frauen und ein Kind. Auch ein Angehöriger des libyschen Parlaments hatte sich an Bord befunden, meldete der Nachrichtensender Al-Arabija.

Der libysche Abgeordnete Hadi al-Saghir berichtete von einem Telefonat mit seinem Parlamentskollegen an Bord. Dessen Angaben zufolge waren die zwei Entführer Mitte 20 und gehörten zum Volk der Tebu aus dem Süden Libyens. Sie hätten die Gründung einer "Gaddafi-Partei" gefordert. 

Drohung mit Sprengung

Die Entführer drohten Medienberichten zufolge zudem mit einem Sprengsatz. Auch die unabhängige libysche Nachrichtenseite Alwasat berichtete von einer Drohung mit einem Sprengsatz. Darüber habe der Kapitän den Tower auf Malta informiert. Ihre Quellen nannte die Seite nicht. Anderen Berichten zufolge sollen die Entführer in Malta Asyl gefordert haben.

Libyen war nach dem Sturz und dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Zuge des NATO-Einsatzes im Jahr 2011 ins Chaos gestürzt. Seitdem beherrschen konkurrierende bewaffnete Milizen das ölreiche Land. Auch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) nutzt die unübersichtliche Lage aus, um sich in Libyen auszubreiten. Der Inselsstaat Malta liegt rund 500 Kilometer vor der libyschen Küste. 

Die letzte größere Flugzeugentführung nach Malta gab es im Jahr 1985, als Palästinenser eine ägyptische Maschine kaperten. Eine ägyptische Sondereinheit stürmte das Flugzeug. Dabei kamen Dutzende Menschen zu Tode. 

wo/sc (dpa, afp, rtr)