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Nahost

Geisel Hassan vermutlich getötet

Die entführte Care-Mitarbeiterin Margaret Hassan wurde vermutlich erschossen, wie ein Videoband zeigen soll. EU-Kommissar Nielson stellt deswegen weitere Hilfe für den Irak in Frage.

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Margaret Hassan vor ihrer Entführung

Die im Irak entführte örtliche Landeschefin der Hilfsorganisation Care, Margaret Hassan, ist mit großer Wahrscheinlichkeit tot. Die im Oktober verschleppte Britin sei "wahrscheinlich ermordet" worden, sagte Großbritanniens Außenminister Jack Straw am Dienstagabend (16.11.2004) in London. Zuvor hatte das britische Außenministerium eine Erklärung von Hassans Familie veröffentlicht. Darin heißt es, die 59-Jährige sei "höchstwahrscheinlich" von ihren Entführern getötet worden.

Der Fernsehsender El Dschasira erhielt nach eigenen Angaben ein Video, das offenbar die Hinrichtung Hassans zeigt. Der britische Premierminister Tony Blair drückte seine "Abscheu" über die Tat aus. Hassan wäre die erste weibliche Geisel, die im Irak ermordet worden ist.

"Außergewöhnliche Frau"

Straw sagte, Mitarbeiter des Außenministeriums hätten das Video analysiert und seien zu dem Schluss gekommen, dass Hassan vermutlich ermordet worden sei. Mit völliger Sicherheit könne dies allerdings nicht gesagt werden. "Für Entführen und Töten gibt es keine Entschuldigung", sagte Straw. "Aber es ist widerlich, ein solches Verbrechen gegen eine Frau zu begehen, die den Großteil ihres Lebens damit verbracht hat, für das Wohl des irakischen Volkes zu arbeiten." Wie ein Sprecher Blairs in London mitteilte, übermittelte der Premier der Familie Hassans sein Mitgefühl.

Die Organisation Care erklärte in London, sie habe "mit tiefer Trauer" von der Existenz des Videobands erfahren, das möglicherweise die Ermordung Hassans zeige. Die Care-Leitung bezeichnete Hassan als eine "außergewöhnliche Frau", die ihr Leben den Armen und Benachteiligten gewidmet habe.

Ehemann will seine Frau zurückhaben

"Wir müssen jetzt akzeptieren, dass Margaret wahrscheinlich tot ist, und endlich ist ihr Leiden beendet", erklärten Hassans vier Geschwister in der vom britischen Außenamt veröffentlichten Erklärung. Zu den Umständen der Tötung der gebürtigen Irin machten sie keine Angaben. Hassan, die mit einem Iraker verheiratet war und seit mehr als 30 Jahren im Land lebte, sei eine Freundin der arabischen Welt und habe unermüdlich für die irakische Bevölkerung gearbeitet, betonten ihre Geschwister.

Tahseen Ali Hassan Ehemann von Geisel Margaret Hassan

Tahsin Hassan, Ehemann von Margaret Hassen, auf einer Pressekonferenz am 21.10.2004, zwei Tage nach der Entführung seiner Frau in Bagdad.

Hassans Ehemann appellierte an die Entführer, ihm die Leiche seiner Frau zu übergeben. "Ich bitte diese Menschen, die Margaret entführt haben, zu sagen, was sie mit ihr gemacht haben", sagte Tahsin Hassan dem britischen Sender Sky News. "Ich brauche sie, damit sie ihren Frieden finden kann. Bitte, geben Sie sie mir."

Care hat die Arbeit eingestellt

In dem El Dschasira zugespielten Video ist nach Angaben des Senders zu sehen, wie ein Mann eine Frau mit verbundenen Augen erschießt. Es handele sich offenbar um Hassan, erklärte der Sender, der die Aufnahme zunächst nicht ausstrahlte.

Hassan war am 19. Oktober 2004 in Bagdad auf dem Weg zur Arbeit verschleppt worden. Ihre unbekannten Entführer machten mehrere Videoaufnahmen publik, in denen Hassan den Abzug britischer Truppen aus dem Irak forderte, um ihr Leben zu retten. Hassan besaß die irische, britische und irakische Staatsbürgerschaft. Sie arbeitete für Care Australien und war für Wasserversorgungs- und Gesundheitsprojekte verantwortlich. Die Organisation stellte nach ihrer Entführung ihre Arbeit im Irak ein.

"Hauptopfer sind leidende Iraker"

EU-Nothilfekommissar Poul Nielson hat weitere Unterstützung für den Irak nach der wahrscheinlichen Ermordung Hassans in Frage gestellt. "Solche barbarischen Taten machen es den Hilfsorganisationen fast unmöglich, ihre wichtige Arbeit im Irak fortzusetzen", erklärte Nielson am Mittwoch (17.11.) in Brüssel. "Die Hauptopfer sind die unschuldigen und leidenden Iraker, die von internationalen Hilfsprogrammen profitierten." (kap)

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