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Politik

Geisel-Drama geht weiter

Die Lage in dem besetzten Moskauer Theater spitzt sich aufgrund der von den Kidnappern angedrohten Hinrichtungen weiter zu. Eine frei gekommene Geisel beschrieb die Situation in dem Gebäude mit dem Wort „Horror“.

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Kleiner Verhandlungserfolg: Lebensmittel und Wasser für die Geiseln

Nach Angaben der Polizei-Einsatzleitung setzten die tschetschenischen Rebellen der russischen Führung eine Frist bis zum frühen Samstagmorgen (25. Oktober 2002), um auf ihre Forderung nach einem sofortigen Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien einzugehen. Dann würden die Tschetschenen beginnen, Gefangene zu töten. Der Leiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Patruschew, sicherte den Kidnappern daraufhin ihre persönliche Unversehrtheit zu, falls sie ihre Geiseln freiließen.

Ein angeblich vorverlegtes Ultimatum auf Freitagabend, 22.00 Uhr Ortszeit verstrich ohne Zwischenfälle. Stattdessen kamen zu diesem Zeitpunkt weitere drei Frauen und ein Mann der insgesamt etwa 700 Geiseln aus dem Musical-Theater frei. Es handele sich um Bürger Aserbaidschans, meldete die Agentur Interfax. Die Zahl der Freigelassenen seit dem Beginn des Dramas am Mittwoch stieg damit auf 58. Für die seit zwei Tagen eingesperrten Menschen im Theatersaal, die unter Krankheiten, schlechter Versorgung und mangelnder Hygiene litten, wurde die Lage aber immer ernster.

Kritische Lage

Eine von den Kidnappern freigelassene Familie berichtete am Freitag über die Schrecken der Geiselhaft. "Das war einfach Horror", sagte Maxim Schkolnikow der ARD. "Wir haben zuerst nicht verstanden, dass das alles real ist", fügte er hinzu. Seine Mutter Maria, die am Vortag vor laufenden Kameras einen Appell der Geiseln an die Behörden mit der Bitte von einer Erstürmung abzusehen, verlesen hatte, sagte: "Das Schlimmste ist, dass immer noch Menschen da sind." Auf die Frage, ob die Geiseln etwas zu essen bekommen hätten, sagte sie: "Ich habe in der ganzen Zeit nichts gegessen. Ich hatte auch keine Hunger. Es gab Wasser. Es gab Schokolade. Und es gab Zwieback. Aber ich konnte nichts essen. Und viele andere Leute konnten auch nichts essen. Die haben nur getrunken."

Unterdessen ringt ein Krisenstab in Moskau in Verhandlungen mit den tschetschenischen Geiselnehmern weiter um die Freilassung der Geiseln. Dem Stab gehören unter anderem Vizeinnenminister Wladimir Wassiljew, Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow, der Polizeichef der Stadt, Wladimir Pronin, und nicht genannte Spezialisten der Polizei und des Inlandsgeheimdienstes FSB an.

Zahlreiche Vermittler

Die öffentlich wahrnehmbaren Kontakte zu den Geiselgangstern laufen über mehrere Personen. Dazu zählen unter anderem der Kinderarzt Leonid Roschal, der als Vertreter des Roten Kreuzes die Geiseln mehrfach untersuchen durfte un die Journalistin Anna Politkowskaja, die den Geiselnehmern gemeinsam mit Roschal das Zugeständnis abrang, die Gefangenen mit Essen versorgen zu dürfen. Der ebenfalls an den Vermittlungsversuchen beteiligte frühere Präsident von Inguschetien, Ruslan Auschew, erklärte jedoch, die Geiselnehmer seien offenbar zu extremen Schritten bereit und wollten nur mit einem Gesandten von Präsident Wladimir Putin verhandeln.

Derweil kam es in Tschetschenien nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen zu Großdemonstrationen gegen die Geiselnahme in Moskau. Ein Sprecher des tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow sagte in einem Interview mit DW-Radio/Russisch: "Präsident Maschadow hat mit den Geschehnissen in Moskau nichts zu tun." Der stellvertretende russische Innenminister Wladimir Wasilijew bekräftigte jedoch am Freitag die Ansicht der Moskauer Behörden, Maschadow sei für den Angriff verantwortlich. (mik)

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